Ahrathon in Bad Neuenahr-Ahrweiler 1000 Walker, Wanderer und Läufer bei der zweiten Auflage dabei

BAD NEUENAHR-AHRWEILER · Wenn sich freudig juchzende Ballerinen mit strammen Holzfällerwaden über den Rotweinwanderweg schleppen, ein knüppelschwingender "NeandertAHRler" die Blicke auf sich zieht, oder lustige "Winzerinnen" von einer Weinration zur nächsten eilen, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass der Ahrathon durch Kreisstadt und Weinberge tobt.

Rund 1000 Läufer, Nordic Walker und Wanderer - zum Teil in originelle Kostüme gehüllt - haben am Samstag die zweite Auflage des Erlebnismarathons durch das Tal der roten Traube zelebriert. Dabei herrschte auf und neben der Strecke richtig Stimmung. Denn Tanzcorps und Musikgruppen aus Köln und dem Ahrtal haben die Ahrathonis ebenso unterhalten wie angetrieben. Und während die Aktiven sich dieser seltenen Mischung aus Spaß und sportlicher Herausforderung stellten, feierten Hunderte von Besuchern beim Dorint-Familienfest im üppig blühenden Dahliengarten.

"Das nimmt ja schon Nürburgring-Ausmaße an", zeigte sich nicht zuletzt auch Landrat Jürgen Pföhler von den Ausmaßen des etwas anderen Laufspektakels beeindruckt, bevor er die erwartungsfrohe Horde morgens mit einem formvollendeten Startschuss auf die Strecke geschickt hatte. "Im Vergleich zur Premiere im vergangenen Jahr hat sich die Teilnehmerzahl glatt verdoppelt", strahlt Organisatorin Michaela Wolff vom Weingut Sonnenberg ob der bemerkenswerten Entwicklung des Ahrathons.

Während das Gros der Starter aus der Region stammte, waren auch Läufer aus Kiel, Ostfriesland oder Baden-Württemberg angereist, um beim kleinen Bruder des Médoc-Marathons dabei zu sein. Mit knapp 500 Teilnehmern stellten die Halbmarathoni die Hälfte des Feldes.

112 Hartgesottene hatten als Einzelkämpfer oder als Staffelmitglied die Königsdisziplin über 42 Kilometer in Angriff genommen. Auf dem anspruchsvollen Rundkurs über 21 Kilometer, der zum Großteil über den Rotweinwanderweg führte, passierten die Läufer insgesamt sechs Verpflegungspunkte. Dort wurden sie nicht nur mit Wasser, Energiedrinks und Obst versorgt, sondern auch mit Gourmethäppchen und ausgesuchten Weinen verwöhnt.

Zu denen, die keinen einzigen Weinstand ausgelassen hatten, zählten "NeandertAHRler" Nick Prew aus Koisdorf und Jörg Nawrot vom Bergischen Land, der sein schütteres Haar unter einer blonden Perücke verbarg und seinen drahtigen Körper in ein rosa Tutu gezwängt hatte. "Wir haben zwischendurch gut gebechert", gibt der 49-jährige Koisdorfer zu. Die beiden Paradiesvögel, die sich auf der Strecke erst kennengelernt hatten und nach der sportlichen Weinprobe geradezu unzertrennlich waren, lobten überschwänglich die "großartige Organisation" des Mega-Events. "Man fühlt sich geradezu in den Arm genommen", schwärmt die konditionsstarke "Ballerina".

Für die Weinverkostung hatte der Sieger des Marathons, Thomas Braukmann von der LG Kindelsberg-Kreuztal, keine Zeit. Er lief ein einsames Rennen, um mit 2:50:33 Stunden die Zeit des Vorjahressiegers Konrad Branse (Westum) geradezu zu pulverisieren. Für den 60-jährigen Titelverteidiger, der seine Zeit aus dem Vorjahr noch einmal um drei Minuten verbessern konnte, reichte es immerhin noch zu einem guten zweiten Platz.

Wie im Vorjahr war Annette Frings von den Selbstläufern Altenahr die schnellste Frau. Mit 3:33:17 Stunden hatte sie im Ziel fast fünfeinhalb Minuten Vorsprung vor der Zweitplatzierten Inge Raabe vom Skiclub Remscheid. Ähnlich überlegen siegten Julien Jeandrée (Selbstläufer Altenahr, 1:18:30 Stunden) und Claudia Freudenberg (Staffel, 1:36:45) den Halbmarathon. Ebenso wie Sabine Wolber aus Bad Münstereifel, der als "Weinbergsküken" den Halbmarathon Kostümlauf gewinnen konnte, wurden die fünf Sieger in Wein aufgewogen.

So durfte Annette Frings mit sieben Kisten nach Hause fahren, während Braukmann seinen Weinkeller mit zehn Kisten und sechs Flaschen guten Ahrweins auffüllen kann. Mit einem Erlebnistag im Ahrtal wurden Claudia Kaes (Gönnersdorf), Christiane Gassen (Westum) und Petra Reiter-Nuhn (Bad Neuenahr) für das schönste Kostüm belohnt. Sie hatten sich als Winzerinnen mit Kiepe dem Treiben angeschlossen.

Am Abend feierten gut 1200 Läufer und Fans bei der neunten Auflage von "Rock und Wein" auf dem Gelände hinter dem Weingut Sonnenberg den Abschluss des Ahrathons. Auf der Bühne boten die Bands "Soundkitchen" und "Streetlife Band" ein fünfstündiges Konzertfeuerwerk, während der Friseursalon "Planet Hair" ein Hairstyling zugunsten schwerkranker Kinder anbot und eine Graffitikünstlerin mit ihren Arbeiten zu beeindrucken wusste.