Martinsfest in Löhndorf: Als die Sturmglocke schlug

Martinsfest in Löhndorf : Als die Sturmglocke schlug

Er ist klein, fein und bekannt: der Martinsmarkt in Löhndorf. Alljährlich lädt der idyllische Rosenort an der Alten Schule zu diesem gemütlichen Spektakel mit Musik und Buden, Tannengrün, Feuer und Kerzen ein. Auf die Beine gestellt wird das Fest zu Ehren des heiligen Martin von der äußerst lebendigen Dorfgemeinschaft.

Ein besonderer Höhepunkt ist dabei der Bürgerempfang. Zwei Themen rückten bei ihm diesmal in den Fokus: "Löhndorf vor 100 Jahren im Zeichen des Ersten Weltkrieges" sowie "30 Jahre Dorferneuerung". Wenn-gleich die beiden Themenstellungen auch nichts miteinander zu tun haben, so boten sie doch Gelegenheit zur Rückschau.

Dorferneuerungskonzepte sind dafür gedacht, eine nachhaltige und zukunftsbeständige Entwicklung eines Dorfes zu unterstützen. Das Dorf soll auf diese Weise als eigenständiger Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturraum erhalten und vorangebracht werden.

"Hier in Löhndorf wurde das charakteristische Dorfbild gesichert und verbessert, indem viel Wert auf die Erhaltung und Erneuerung von Bausubstanz gelegt wurde. Ich denke hier hauptsächlich an die für unsere Region typischen Fachwerkhäuser im Ortskern, die das Bild prägen", sagte Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger in Gegenwart des zum Bürgerempfang erschienenen Landrates. Gekommen waren nahezu 100 von Ortsvorstehler Michael Kappl angeführte Bürger, die sich im kleinen Saal der Alten Schule drängten.

Landrat Jürgen Pföhler ging in seiner Ansprache auf den Beginn des Ersten Weltkrieges ein, der auch das Ahrtal stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Bereits nach wenigen Kriegswochen kehrten die ersten Verwundeten zurück und mussten versorgt werden. In der Landwirtschaft wurden die in der Landwirtschaft dringend gebrauchten Pferde eingezogen und an die Front gebracht. Dies hatte natürlich dramatische Folgen für den hiesigen Ackerbau. "Nach anfänglicher Euphorie stellte sich sehr schnell Ernüchterung ein", so Pföhler. Armut, Mangel und Not folgten. Auch in Löhndorf. Mehr als 20 gefallene Mitbürger hatte der kleine Ort zu beklagen.

Friedhelm Münch, langjähriger Ortsvorsteher des Rosendorfes, lud im Anschluss zu einer kleinen Reise in die Vergangenheit ein und erinnerte an die Zeit, als es in Löhndorf noch keine Straßenbefestigungen gab und im Ort noch 159 Ziegen lebten. Mit der Sturmglocke war 1914 lautstark die allgemeine Mobilmachung angekündigt worden. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Gefallenen des Krieges. Münch schlug einen Bogen bis in die Jetzt-Zeit.