Seniorenbeirat Bad Neuenahr-Ahrweiler Alternative Wohnformen im Blick

KREISSTADT · "Alternative Wohnformen" waren das Thema einer Besichtigungsfahrt, die der Seniorenbeirat der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler angeboten hat. Ziel war das Schammatdorf in Trier. In dem vor mehr als 30 Jahren geplanten und gebauten "Dorf" leben Singles, Alleinerziehende und kinderreiche Familien gemeinsam mit behinderten Menschen, Berufstätige und Rentnern.

 Macht sich in Trier schlau: der Seniorenbeirat der Kreisstadt.

Macht sich in Trier schlau: der Seniorenbeirat der Kreisstadt.

Foto: Privat

Mit an Bord waren Karin Kick vom Aufgabenbereich "Generationen, Kultur und Soziales" und Alfred Bach von der Bauabteilung sowie die neuen Senioren-Sicherheitsberater und Vertreter der Stadtratsfraktionen. Gemeinsam mit der Wohnungsbaugenossenschaft GBT hatte die Stadt Trier vor mehr als drei Jahrzehnten darüber nachgedacht, wie schon bei der Planung einer größeren Wohnbauanlage Kommunikation und Vielfalt des Zusammenlebens besondere Berücksichtigung finden könnten. Das Ergebnis waren "Wohnhöfe", die im Rahmen von Erbpachtverträgen im sozialen Wohnungsbau 11 errichtet wurden.

Dabei handelt es sich um Giebelhäuser mit jeweils sechs Wohnungen im Erd- und sechs weiteren im Obergeschoss. Die Häuser umgeben einen Innenhof, der nach den Vorstellungen der Bewohner gestaltet und gepflegt wird. "Allein diese Gestaltung macht aus dem Nebeneinander ein Miteinander der Anwohner", stellt Elisabeth Gaff, Vorsitzende des Seniorenbeirats, fest.

Die Wohnungsgröße variiere von der Einzimmer- bis zur Fünfzimmerwohnung. Alle Erdgeschosswohnungen seien behindertengerecht und barrierefrei. Beim Drücken eines Alarmknopfes ließen sich die Wohnungen im Notfall auch von außen öffnen. Ein Gemeinschaftshaus am Dorfplatz biete darüber hinaus die Möglichkeit für unterschiedliche Aktivitäten. Zudem befinden sich dort Gästezimmer. Parkplätze sind in unmittelbarer Nähe ebenso in ausreichender Zahl vorhanden wie ein großer Kinderspielplatz und zwei Bushaltestellen. Von dort aus kann man im Zehn-Minuten-Takt in die Stadt fahren.

Jeder kann sich um eine Wohnung im Schammatdorf bewerben. Da es sich um sozialen Wohnungsbau handelt, müssen lediglich die Voraussetzungen für einen Wohnberechtigungsschein erfüllt sein. Wird eine Wohnung frei, so wird mit den Bewerbern ein Gespräch geführt, in das auch die anderen Anwohner des jeweiligen Hofes mit einbezogen werden. Die Entscheidung treffen die sogenannte "Kleine Bürgermeisterin" und ein Vertreter der Abtei.

Die Besucher aus Bad Neuenahr -Ahrweiler gewannen den Eindruck, dass es sich im Schammatdorf nach der Devise leben lässt: So viel Freiheit wie möglich und so viel Verpflichtung wie nötig, damit ein Miteinander in Vielfalt gelingen kann. Ältere Menschen können so lange im Dorf leben, wie das mithilfe von außen möglich ist. Die "Kleine Bürgermeisterin" ist Ansprechpartnerin für die vielfältigen Alltagsprobleme. Sie koordiniert die unterschiedlichen Angebote, die auf Initiative der Anwohner zustande kommen. Einige Wohnungen sind inzwischen in Eigentum übergegangen. Sollten sie verkauft oder vererbt werden, gelten die festgelegten Spielregeln auch für die künftigen Eigentümer oder deren Mieter. Die Kaltmiete beträgt zurzeit 5,50 Euro pro Quadratmeter.

"Hut ab vor denen, die damals bereits einen solchen Weitblick bewiesen haben", zeigte sich Elisabeth Gaff von der Anlage beeindruckt. Sie hofft, dass das Schammatdorf auch den Verantwortlichen der Bad Neuenahr-Ahrweiler als Anregung für ein generationsübergreifendes Miteinander im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus dienen könne. "Platz für den einen oder anderen 'Wohnhof' gebe es sicher auch bei uns", so die Chefin des Seniorenbeirates.

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