Kultur in Bad Breisig: Augenweide von real bis surreal

Kultur in Bad Breisig : Augenweide von real bis surreal

Die Bad Breisiger Maler Dorothy Maurus und Gottfried F. Koch setzen im Jugend- und Kulturbahnhof Schwerpunkte.

Zitronen, Limetten, Orangen und eine einzige Mandel auf schimmerndem Tablett, dazu eine Zinn verbrämte Glaskaraffe – so serviert Dorothy Maurus‘ Ölgemälde. Wen wundert es, dass die Malerin das Arrangement noch auf ein weißes Spitzendeckchen setzt? Mit ihren Stillleben, die ebenso Spargel und Artischocke, Äpfel, Birnen und Pfirsiche, Milchkannen und Teekessel darbieten können, setzt sie Genussmomente sinnlich in Szene.

Sie will aber zugleich, nicht anders als die alten Meister, aufzeigen, dass sie delikate Farbstellungen und die stoffliche Qualität unterschiedlichster Materialien einzufangen weiß.

Dies gelingt ihr ganz offensichtlich, wie die Ausstellung „Interessante Kunst“, die sie und der Maler Gottfried F. Koch gemeinsam bestreiten, verdeutlicht. Bewunderung erregte im Jugend- und Kulturbahnhof bei der Vernissage mit einer Einführung des Ersten Beigeordneten Norbert Heidgen vor allem ihre Reproduktion des Leibl-Gemäldes „Die Dorfpolitiker“, wo fünf Bauern über einem Papier die Köpfe zusammenstecken.

Was die menschliche Gestalt angeht, bleibt der bezwingende Realismus auf diese Arbeit beschränkt, doch sind auch Maurus‘ Aquarelle von Flieder, Herbst- und Tulpensträußen detailreich der Natur entlehnt. Stimmungen interpretieren hingegen Flusslandschaften in Pastell. Und fern jeder Abbildung übt das Ölbild „Mein Haus, mein Auto“ Zeitkritik an materialistischer Lebensausrichtung. Wenn hoch über Haus und Auto, die Weinflasche in der Rechten, ein Schlipsträger auf der Leiter eine Seifenblase balanciert, hat er zuletzt wohl begriffen, dass nichts über die eigenen Träume geht.

Die Ausstellung gibt den Augen viel zum Abweiden. Vollends traumhaft geht es in Kochs Bildern zu.

Schon in den späten 1970ern begannen sich Siedlung und Natur seiner anfangs realistischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen aufzulösen in Musterungen, welche schließlich als eigenständige Elemente naiv-surrealistische Bilderwelten in Öl, Acryl und neuerdings farbiger Tusche bevölkerten. Den Zwischenschritt bildete freilich eine Werkgruppe, die eindrücklich „Das letzte Fachwerkhaus“ zwischen seelenlosen Klotzbauten beklagt, ein „Verlassenes Dorf“ mit Häusern, deren Wände sich verbiegen, und „Löcherbäume“, deren perforiertes Dasein an die Umweltzerstörung erinnert.

Anheimelndes und Unheimliches treffen auch in Gottfried Kochs jüngeren staunenswerten Imaginationen aufeinander. Flugobjekte überziehen rätselhaft ausgestattete Landschaften, in denen Pflanzenelemente skulpturalen Charakter annehmen und fremdartige Monumente Raum beanspruchen. Koch hebt die Grenzen von Dekor und Gegenstand auf.

Er formuliert dicht, voller Eingebungen, überbordend in Formen und Farben. Seine Kunst scheint etwas von Hundertwasser, Dali, der Popkultur zu haben und ist doch durch und durch ureigener Kochscher Kosmos, mal bezaubernd, mal nachdenklich stimmend, aber immer verblüffend. Frappierend ist, wie sich seine fantastischen Bildfindungen mit unglaublicher handwerklicher Disziplin paaren.

So sind die jüngsten „Lamuno“- und „Lamexo“-Arbeiten (Landschaft mit unbekannten Objekten/ mit exotischen Pflanzen und Lebewesen) mit Tusche in einer Strichbreite von einem Fünftel Millimeter ausgeführt.

Mit ihren jeweiligen Schwerpunkten von real bis surreal, ihrem Können und der gemeinsamen stilistischen Bandbreite haben Dorothy Maurus und Gottfried F. Koch einem breiten Besucherspektrum etwas zu bieten:.

Koblenzer Straße 86, bis 13. März, freitags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr.