Aus der Region - Eine "Ehe" aus purer Not

Aus der Region - Eine "Ehe" aus purer Not

Poppelsdorf, Endenich, Kessenich und Dottendorf werden eingemeindet

Eingemeindungen waren in Bonn immer ein Thema: 1904 - 1969 - 2000X ? Bis heute wurde es nicht so recht ad acta gelegt. Am 1. Juni 1904 verleibt sich Bonn Poppelsdorf, Kessenich, Endenich und Dottendorf ein. Teile der Bürgermeisterei Poppelsdorf - Duisdorf, Lengsdorf, Ippendorf und Röttgen - bleiben draußen vor und bilden die Bürgermeisterei Duisdorf.

Die Eingemeindung von Poppelsdorf wird bereits bei der Universitätsgründung 1818 wegen der Übertragung des Poppelsdorfer Schlosses diskutiert. Doch Bonn lehnt ab; der Ort sei zu stark verschuldet. Auch 1862 sind die Bonner wenig geneigt, sich mit Poppelsdorf zu vereinen; ein Antrag des Gemeinderates stößt auf keine Gegenliebe.

In den folgenden Jahrzehnten kommt das Thema Eingemeindung nicht mehr zur Ruhe. Die Flächen zwischen Stadt und Gemeinden werden bebaut, die "Dörfer" westlich von Bonn nehmen Vorstadtcharakter an. Die zahlreichen Annäherungsversuche - zunächst von Poppelsdorf und später von Kessenich und Endenich - scheitern jedoch am Desinteresse der Stadt. Die Initiative für die um die Jahrhundertwende beginnenden Verhandlungen geht wiederum von den Vorortgemeinden aus. Sie sehen sich nicht in der Lage, die Kosten für den Ausbau der Straßen und der Kanalisation zu tragen. Zunächst ist nur die Vereinigung von Poppelsdorf, Endenich und Kessenich mit der Stadt im Gespräch; Dottendorf kommt wenig später hinzu. Durch das Gesetz vom 1. Juni 1904 wird die "Ehe" der vier Gemeinden mit Bonn perfekt.

Um die Kosten für Kanalisation und Straßenbau in den Vororten decken zu können, nimmt die Stadt eine Anleihe von 2,5 Millionen Mark auf. Dafür hat sich aber das Stadtgebiet fast verdoppelt, und die Einwohnerzahl steigt von 56 000 auf 79 000.

"Die mit der Eingemeindung verbundenen hohen Kosten sind offensichtlich auch der Grund gewesen, warum die Stadt auf den 1900 geäußerten Wunsch von Beuel, aus der Bürgermeisterei Vilich auszuscheiden und mit Bonn vereinigt zu werden, nicht eingegangen ist", vermutet der frühere Chef des Stadtarchivs, Dietrich Höroldt.

Die Neubonner kommen in den Genuss von zahlreichen Einrichtungen, die die Stadt um die Jahrhundertwende geschaffen hatte: Wasserwerk, Gasanstalt und Elektrizitätswerk an der Karlstraße, Schlachthof, drei Rheinbadeanstalten sowie das Viktoria-Hallenbad.

Zur Zeit der Eingemeindung zählt Bonn zu den wohlhabendsten Städten in Preußen; das Durchschnittseinkommen liegt bei fast 5 000 Mark (Berlin: 2 850 Mark). Gleichzeitig besitzen die Einwohner von Bonn ein - für die Steuer geschätztes - Vermögen von 514,6 Millionen Mark.

In den sechziger Jahren ziert sich Bonn beim Thema Eingemeindung weniger. Trotz großer Widerstände, vor allem aus Bad Godesberg und Beuel, tritt am 1. August 1969 das kommunale Neuordnungsgesetz in Kraft: Bonn, Bad Godesberg, Beuel sowie die Gemeinden Duisdorf, Lengsdorf, Röttgen, Ippendorf, Lessenich, Buschdorf, Holzlar und Oberkassel werden zu einer kreisfreien Stadt zusammengefasst.

Und heute? Teile des Rhein-Sieg-Kreises sollten zu Bonn kommen, ist - wenn auch eher hinter vorgehaltener Hand - immer wieder zu hören. Doch nach den Wunden, die die '69er Eingemeindung gerissen hat, packt offiziell keiner das Thema an. Man setzt eher auf nachbarschaftliche Kooperation.