Aus der "Yellow Submarine" wurde die Arche

Die evangelische Gemeinde in Merl feiert ihr 30-jähriges Bestehen. 30 Jahre Gemeindeleben. Bundespräsident Karl Carstens stiftete die Bibel. Die Konfirmandin ist jetzt Hausherrin

Meckenheim-Merl. Das kräftige warme Ocker des Gemeindezentrums "Die Arche" ist ein Wahrzeichen am Merler Steinbüchel. Der bugförmige Glockenturm schmiegt sich an das Gebäude, das neben dem Kirchenschiff einen Kindergarten beherbergt. Der braun-gelbe Farbton herrschte dort bereits vor 30 Jahren. Allerdings als kahler Lehmacker, überschattet von den Heroldbauten. Heute ist der Ort voller Leben. Eine lebendige Kirchengemeinde mit Männer-, Frauen-, Bastel-und Seniorenkreis, Behindertenarbeit, Hebräisch-Kursus, Theater- und Multiple-Sklerosegruppe und vielem mehr feiert am Wochenende das 30-jährige Bestehen der Arche.

Der Pfarrer, der das Gemeindeleben 22 Jahre lang prägte, Stefan Gottmann, lädt für heute um 15.30 Uhr zum Erzählcafé ein. Er erinnert zum Beispiel daran, dass auf dem Steinbüchel ein gemeinsames Zentrum für beide Konfessionen etabliert werden sollte. 1972 gab es Gespräche unter den Kirchenoberen. Schlussendlich sprach sich die katholische Kirche dagegen aus. Was in Wirklichkeit verschieden war, sollte auch verschieden bleiben. Trotzdem zeichnen sich die beiden Nachbarn, deren Kirchen nur einen Steinwurf voneinander entfernt stehen, durch Zusammenarbeit aus. Die Gemeindebriefe liegen in den jeweiligen Zentren nebeneinander aus. Die Kinderbibeltage finden zusammen statt.

Ungewöhnlich wie die Silhouette der Arche war auch deren Namensfindung. Aus anonymen Einsendungen wurde der Zettel mit der Aufschrift "Yellow submarine" gezogen. Ein Beatles-Song als Name für eine Gemeinde im Rheinland ging aber nicht. Dann kam der Gedanke auf, so Gottmann, eine Arche sei doch auch ein Schiff - so wurde die Gemeinde getauft.

Kaum hatte man sich auf den Architekten-Entwurf geeinigt, ging es Schlag auf Schlag. Der Grundstein wurde im April 1976 gelegt, Richtfest am 30. Juni gefeiert. Den ersten Gottesdienst feierten die Gläubigen im April 1977. Gottmann: "Die Stühle stammten aus der Gemeinschaftsgrundschule." Eine elektronische Orgel spielte, die bis zum Kauf einer gebrauchten im Jahr 1979 reichen musste. Bundespräsident Karl Carstens stiftete die Bibel. Gottmann erinnert sich daran, dass damals "halb Bonn an den Steinbüchel zog".

Die Kinder brauchten eine Betreuung. Zunächst wurde ein Kindergarten für drei bis fünf Jahre geplant. Im nächsten Jahr feiert der Kindergarten das 30-jährige Bestehen. Die Bücherei war mit anfänglich 350 Büchern in der katholischen Grundschule Merl, die heute noch eine Zweigstelle ist, untergebracht. Heute stehen 9 000 Medien in der Arche.

Eines zeichnete die Arche von Anbeginn aus. Gottmann: "Sie wurde immer offen gehalten." Die Gemeindeglieder gestalteten das Gemeindeleben in eigener Regie. Auffällig ist, dass sich aus den Konfirmanden der ersten Stunde einige Pfarrer entwickelten, wie die heutige Hausherrin der Arche, Angelika Zädow. Menschen wie Ruthilde Schmidt, Bernd Rafflenbeul, Ingrid König, Renate Siebert, Helmut Birkenstock, Ursula Seiffert und viele mehr prägten die Gemeinde. Die Behindertenarbeit begann in Meckenheim mit Mutter-Kind-Gruppen in der Arche. Heute gehören deren Freizeiten zum festen Programm. Fahrten nach Taizé, Kirchenmusik - die Arche ist gefüllt mit Leben. Nur manchmal erinnert sie an ein altes U-Boot. Sie leckt, wenn es zuviel regnet. Dann muss Zädow die Arche im Keller trocken legen.

Das Programm: Freitag, 24. August, 15.30 Uhr, Erzählcafé. Samstag, 25. August, 15 Uhr, Zirkus und Revue; 18 Uhr, Grillbuffet. Sonntag, 26. August, 10 Uhr Festgottesdienst, Empfang und Mittagessen, Arche.

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