Evangelisches Gemeindehaus in Sinzig: Außergewöhnliches Spielewochenende mit Molukkenbohnen und Glasmurmeln

Evangelisches Gemeindehaus in Sinzig : Außergewöhnliches Spielewochenende mit Molukkenbohnen und Glasmurmeln

In Zentralasien gilt Togus Kumalak als Nationalsport, während es in Europa noch weitgehend unbekannt ist. Mit etwa 30 Spitzenspielern gehört Deutschland in Europa indes zu den Top-Nationen. Wer einen umfassenden Einblick in die Welt dieser Variante des "Mancala"-Brettspiels erhalten wollte, wurde im Evangelischen Gemeindehaus in Sinzig bestens bedient.

Dorthin hatte Rolf Gering, Mitglied eines Freundeskreises, dessen Ziel es ist, dieses seit mehr als 1500 Jahren bekannte Spiel in Deutschland populärer zu machen, zum "Mancalafest" eingeladen.

Rolf Gering ist selbst passionierter Togus Kumalak-Spieler. Der Niederdürenbacher brachte es 2011 bei der ersten Deutschen Meisterschaft in Schweinfurt zum Vizemeister. Außerdem hat der Kulturwissenschaftler eine beachtliche Zahl an Spielbrettern aus Afrika und Asien zusammengetragen, von denen er rund ein Dutzend im Gemeindehaus ausgestellt hat.

Das prächtigste Stück war zweifellos ein in Form eines Drachenbootes geschnitztes Brett aus Indonesien. Den Variantenreichtum dieses Spiels verdeutlichten zudem ein Bao La Kiswahili-Brett mit Kaurimuscheln aus Tansania, ein Oware-Spielfeld aus Ghana, ein nigerianisches Ayo-Brett mit Molukkenbohnen oder ein indonesisches Chanka-Brett mit Glasmurmeln. "Das Grundprinzip der Mancala-Spiele ist immer dasselbe", erklärt Gering. So bestünden die Bretter meist aus zwei Reihen mit je neun Mulden.

Am Anfang der Partie lägen neun kugelige Steine in jeder Mulde, so dass insgesamt 162 Spielsteine vorhanden seien. Mit jedem Zug nehme ein Spieler alle Steine aus einer seiner Mulden, um sie gegen den Uhrzeigersinn einzeln in die folgenden Mulden zu verteilen. Wenn der letzte Stein in eine gegnerische Mulde fällt und diese eine gerade Anzahl an Steinen enthält, darf er die entsprechenden aus dem Spiel nehmen, um sie in seiner Gewinnmulde zu sammeln. Die Partie ende, wenn ein Spieler nicht mehr ziehen könne, weil alle Mulden seiner Reihe leer sind. Wer dann die meisten Steine in seiner Gewinnmulde gesammelt habe, ist der Sieger.

Natürlich wurde auch gespielt. Den Auftakt bildete am Freitag das erste Fritz-Jahn-Turnier im Bohnenspiel. Am Samstag startete das Hauptturnier im Togus Kumalak, dem gestern ein Blitzturnier folgte. Dabei wurde die übliche Bedenkzeit von 25 auf sieben Minuten pro Spieler verkürzt. Zu den Turnieren traten jeweils ein Dutzend Spieler an. Darunter einige der besten Akteure in Deutschland, die aus Münster, Augsburg und Schweinfurt angereist waren.

Mit dem Augsburger Georg Feder gab es am Ende einen Überraschungssieger. Er verwies den Europameister von 2011, Jurij Nold aus Schweinfurt, der als bester Spieler außerhalb Zentralasiens gilt, und den amtierenden Deutschen Meister Aleksej Peters (Münster) auf die Plätze. Bester Jugendlicher war der Remagener Frederik Adams.