Milchpreis-Entwicklung im Kreis Ahrweiler: Bauern fühlen sich gemolken

Milchpreis-Entwicklung im Kreis Ahrweiler : Bauern fühlen sich gemolken

Am Samstag steht für die fast 1000 Mitglieder des Kreisbauern- und Winzerverbandes im Kreis Ahrweiler die Generalversammlung ins Haus. Dort wird Kreisvorsitzender Franz Josef Schäfer Bilanz ziehen. Im Gespräch mit dem General-Anzeiger geht er auf die Schwerpunkte des abgelaufenen Jahres ein.

So hat sich das Problem des „historisch niedrigen Milchpreises“ wie ein roter Faden durch das Jahr gezogen. Der Preis von 20 Cent pro Liter zwang einen Hof im Kesselinger Tal gar zur Aufgabe. „Das soll sich ändern“, sagt Schäfer. Die Molkereien hätten für 2017 einen Preis von 30 Cent angekündigt. Aber: „Richtig und nachhaltig wirtschaften könnten unsere gut 50 Milchbetriebe im Kreis Ahrweiler erst ab 40 Cent pro Liter. Da hoffen wir auf einen weiteren Aufwärtstrend.“

Wobei Schäfer anmerkt, das zwei der drei Eifelmolkereien nicht in deutschem, sondern in niederländischem und dänischem Eigentum sind. Die besten Preise im Bundesvergleich würden kleine Molkereien in Bayern ihren Bauern zahlen, weil diese auch zusätzliche Spezialitäten anböten.

Spezialisierung sei ohne hin eine Art Zauberwort für die Zukunft der Landwirtschaft. „Denn dem klassischen Ackerbau stehen schwierige Zeiten ins Haus“ sagt Schäfer. Er möchte nicht schwarz sehen, aber „die Betriebe müssen sich verändern und sich den heutigen Gegebenheiten stellen“. Lokale Spezialitäten müssten auch lokal vermarktet werden. „Wir müssen uns einen lokalen Ruf aufbauen und so an die Kunden rankommen“, sagt der 57-Jährige für den Transparenz bei der Landwirtschaft Priorität haben muss. „Es ist wichtig, dass auch der Nachbar im Dorf weiß, was wir machen und wie wir es machen.“

Handel will kein beschädigtes Obst

So könnte auch Behauptungen, dass die Landwirtschaft für die Folgen von Starkregen verantwortlich sei, entgegengetreten werden. „Gerade unsere Hagelschutznetze haben schon viel Niederschlag abgehalten, so dass der nicht sofort über den Boden ablief“, nennt Schäfer ein Argument.Überhaupt gehe der Trend in der Landwirtschaft des Kreises zur vor Witterungseinflüssen geschützten Produktion. Denn verhagelte Äpfel brachten im vergangenen Jahr „nicht mal das Geld fürs Pflücken“. Beschädigtes Obst will der Handel nicht. Da bleibt nur die Produktion von Apfelsaft oder Apfelmus. Oder die Lieferung an die Meckenheimer Krautfabrik.

Ähnliche Schäden gab es bei Erdbeeren und auch bei Kirschen. Um 20 Prozent weniger Ertrag gab es bei den Erdbeeren nach dem verregneten Mai und dem verregneten Juni. Der Anbau in Tunneln sei der Ausweg für die Erdbeerbauern. Und bei den Kirschen kam, wie bei allen roten Obstsorten, noch das Problem der japanischen Kirschessigfliege hinzu.

Dies vor allem bei späten Kulturen, weil der Schädling im Juli und August seine größte Population entwickelt. Und: Die Fliege, gegen die kein Kraut gewachsen ist und gegen die es nur wenige zugelassene Spritzmittel gibt, macht auch vor den roten Trauben im Ahrtal nicht Halt. Das bestätigt auch Weinbaupräsident Hubert Knieps für die Ahrwinzer.

Schlechte Getreideernte

„Unter dem Durchschnitt“ meldet Schäfer für Getreide. Die Qualität der Ernte im vergangenen Jahr sei zudem durch das deutlich verregnete Frühjahr eher schlecht ausgefallen. Und bei allen Bestandsaufnahmen zu Hochwasserschäden, Starkregen mache auch vor den Äckern der Landwirte nicht halt und habe für Verwüstungen auf etlichen Flächen gesorgt.

Was Schäfer für 2017 Sorgen bereitet, ist das Wegfallen der Rübenquote. Gab es bislang geregelte Abgabemengen zu festen Preisen, müssen sich die Rübenbauern ab diesem Jahr der Konkurrenz auf dem freien Weltmarkt stellen, wollen sie die Zuckerproduzenten beliefern. Das sei eine Herausforderung, die auf das Konto der Zuckerfabrikanten gehe: „Die wollten das so.“

Mit Blick nach vorn wünscht sich der Bauern- und Winzerchef vor allem „eine Entschärfung“ der preislichen Situation für die Landwirte und eine „bessere öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft. Statt für alles verantwortlich gemacht zu werden, sollte es einen offenen Dialog mit uns geben.“