1. Bonn

21-Jähriger soll 13-Jährige missbraucht haben

21-Jähriger soll 13-Jährige missbraucht haben

Er beteuert, sie habe freiwillig mitgemacht und sich als älter ausgegeben - Prozess vor Bonner Jugendschutzkammer

Bonn. Der Fall kommt einem bekannt vor: Ein junger Ausländer, der mit einer Duldung in Bonn lebt, wird von einer 13-Jährigen beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben. Und er beteuert, sie habe freiwillig mitgemacht und sich außerdem als älter ausgegeben.

Seit Dienstag muss sich der 21-Jährige vor der Bonner Jugendschutzkammer wegen Missbrauchs eines Kindes im besonders schweren Fall verantworten. Er will seine Aussage nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen.

Abgesehen davon, dass der Angeklagte seinem sehr jungen Aussehen zum trotz als Erwachsener vor Gericht steht, weist sein Fall weitere Parallelen zu dem wegen Kindesmissbrauchs in der Türkei beschuldigten Marco auf: Auch in diesem Bonner Fall war es zunächst nicht die 13-Jährige, die das, was in der Nacht des 24. August 2007 geschehen sein soll, zur Anzeige bringen wollte, sondern ihre Mutter. Doch schmälert das allein schon den Wahrheitsgehalt der Beschuldigung?

Eines steht fest: Die Jugendschutzkammer hat keinen leichten Weg der Wahrheitsfindung vor sich, und das nicht nur, weil wie immer in diesen Fällen Aussage gegen Aussage steht. Es ist auch ein schwieriges Umfeld, in dem die Tat passiert sein soll. Und die Menschen, die als Zeugen dem Gericht ein Bild vom Angeklagten und dem mutmaßlichen Opfer und seinem Verhalten vermitteln sollen, sind sich mittlerweile nicht mehr unbedingt wohl gesonnen.

Laut Anklage soll der 21-Jährige das Mädchen, das er flüchtig kannte, am Tatabend gegen 23 Uhr vor dem Hause, in dem sein Bruder wohnte, getroffen und nach kurzem Gespräch ins Haus gezerrt haben. Dort soll er sie in den Keller geschubst und auf einem alten Sofa missbraucht haben.

So schilderte es die 13-Jährige laut Anklage tags darauf ihrer besten Freundin. Die erzählte es ihrer Mutter, und die wiederum der Mutter der 13-Jährigen. Nun im Zeugenstand aber erklärt die Mutter der Freundin, die 13-Jährige sei verrückt auf den Angeklagten gewesen, und dem traue sie das alles nicht zu.

Wie verstört die 13-Jährige nach jener Nacht war, sagt hingegen deren Mutter aus. Seit jener Nacht hocke die Tochter fast nur noch zu Hause, und zur Schule gehe sie gar nicht mehr. Das Mädchen hatte es auch in der Vergangenheit nicht leicht: Weil die Mutter mit der Erziehung überfordert war, lebten sie und ihr Bruder eine Zeitlang im Heim. Sie soll demnächst per Videoaufnahme gehört werden.