35-Jähriger als grausamer Vogelfänger angeklagt

Familienvater soll auf dem Brüser Berg zahlreiche Singvögel mit Leimruten in die Falle gelockt und ihnen damit erhebliche Leiden zugefügt haben

35-Jähriger als grausamer Vogelfänger angeklagt
Foto: privat

Brüser Berg. Die Singvögel hatten keine Chance gegen den hinterhältigen Vogelfänger, der sie im Februar auf dem Brüser Berg wochenlang in die Falle gelockt hatte: Meisen, Rotkehlchen, Zeisige und andere Vögel verfingen sich in Leimruten, die in Gebüschen rund um den Abenteuerspielplatz ausgelegt waren, wie der GA berichtete.

Wie viele Vögel qualvoll starben, weiß niemand, das Komitee gegen den Vogelmord geht von vielen Tieren aus. Am 28. Februar war der Spuk vorbei: Die Polizei fasste den mutmaßlichen Täter, nun hat die Staatsanwaltschaft den 35-jährigen Familienvater mit Wohnsitz auf dem Brüser Berg angeklagt.

Sie wirft dem Vater von drei Kindern Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor, weil er artengeschützte Singvögel "getötet und und ihnen aus Rohheit erhebliche Leiden zugefügt hat". Denn für die Ermittler steht fest: Es war der 35-jährige Mitarbeiter eines Schnellrestaurants, der vom 8. bis 28. Februar insgesamt 146 mit Leim präparierte Äste rund um den Abenteuerspielplatz auf dem Brüser Berg auslegte, um lebende Singvögel zu fangen - nach Einschätzung des Komitees gegen den Vogelmord mit Erfolg.

Die Vogelschützer waren entsetzt über das Ausmaß des in ihren Augen professionellen Fallenarsenals, und Biologe Axel Hirschfeld erklärte damals: "Wir haben Federn und andere Vogelreste gefunden, die darauf schließen lassen, dass die Vögel zum Verzehr gerupft wurden." Die Aktionsgemeinschaft für Tier- und Artenschutz mit Sitz in Bonn hatte nach den ersten Funden sofort Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Doch bis der 35-jährige als mutmaßlicher Täter gefasst wurde, dauerte es noch einige Wochen.

In dieser Zeit begab sich der Angeklagte den Ermittlern zufolge fast täglich in das von ihm mit Fallen präparierte Gelände, streute dort Futter aus und hielt Ausschau nach Vögeln, die an den Leimruten kleben blieben. Mindestens 30 Tiere verfingen sich laut Anklage in dem klebrigen Leim und büßten Teile ihres Federkleids ein, wenn sie sich befreien konnten. Andere starben qualvoll.

Der 35-jährige Algerier bestreitet Justizsprecher Thomas Stollenwerk zufolge die Vorwürfe und behauptet: Er habe zwar Leimfallen ausgelegt, doch an einem ganz anderen Ort auf dem Brüser Berg. In der Nähe des Spielplatzes sei er nie gewesen, den kenne er gar nicht. Und mit den Fallen habe er auch nur seine entflogenen vier Kanarienvögel wieder einfangen wollen. Er sei ein großer Vogelfreund und habe die Leimfallen immer genau beobachtet, um rechtzeitig andere Vögel aus der Gefahrenzone zu verscheuchen.

Die Staatsanwaltschaft ist jedoch aufgrund von Zeugenaussagen sicher, dass der 35-Jährige der grausame Vogelfänger vom Brüser Berg ist: Bei einer Hausdurchsuchung war bei ihm der fragliche Leim gefunden worden und Kleidungsstücke, in denen er von Zeugen immer wieder in der fraglichen Zeit in Tatortnähe gesehen worden war - in einem Fall sogar mit einem Weidenbündel unter dem Arm. Ende der Monats muss sich der 35-Jährige vor dem Bonner Amtsgericht verantworten.

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