50 Cent bringen Kassiererin in Verdacht

Vier Euro im Kittel werden zum Verhängnis - Ordentliche statt fristlose Kündigung - Klage vor dem Bonner Arbeitsgericht

Bonn. Das Schicksal hat es nicht gut mit ihr gemeint. Erst erfuhr Silvia T. (Name geändert), dass sie eine schlimme Erkrankung hat. Dann verlor sie ihren Job. Gegen die Krankheit nimmt sie starke Medikamente. Gegen die fristlose Kündigung klagte sie.

Ihr Fall wurde jetzt im Arbeitsgericht Bonn vor der dritten Kammer unter Vorsitz von Richter Dietmar Besgen verhandelt. Rund fünf Jahre hatte die 30-Jährige (Alter geändert) bereits in dem Supermarkt als Kassiererin gearbeitet, als eines Abends ihre Chefin kam und sie des Diebstahls beschuldigte. Beim Kassensturz war festgestellt worden, dass 50 Cent fehlten.

Im Arbeitskittel der Frau fand man etwas mehr als vier Euro. "Dabei ist es den Mitarbeitern strikt untersagt, während der Dienstzeit Bargeld mitzuführen", erklärt die Justiziarin des Supermarktes. Obendrein habe man in dem Spind der Mitarbeiterin leere Getränkeflaschen gefunden, eine Quittung habe die Frau dafür nicht vorlegen können.

"Auch das ist bei uns streng geregelt", sagt die Justiziarin, "wir müssen schließlich die Übersicht behalten können." Und noch ein weiteres Problem war der Chefin des Supermarktes aufgefallen. Silvia T. wirkte oft abwesend bei der Arbeit. Einmal habe sie sogar eine Testkäuferin samt prall gefüllten Einkaufswagen ohne Bezahlung an der Kasse vorbeiziehen lassen.

"Das kann man unmöglich dulden", so die Juristin weiter. Das Aufmerksamkeitsdefizit habe wohl vielmehr mit Alkoholgenuss als mit der Krankheit zu tun. Das ruft den Anwalt der Klägerin auf den Plan. Er erinnert an einen Vorfall, bei dem seine Mandantin im Supermarkt wegen Benommenheit gegen eine Tür gelaufen war.

Man habe sie lediglich nach Hause geschickt und am nächsten Tag wieder arbeiten lassen. "Warum hat man nicht schon da reagiert und ihr eine Abmahnung erteilt?", fragt er. Und verweist darauf, dass auch der Betriebsrat hinsichtlich des Gesundheitszustandes der Frau Bedenken gegen die Kündigung ausgesprochen habe.

Am Ende werden sich beide Parteien einig: Die fristlose wird in eine ordentliche Kündigung umgewandelt. Die Klägerin erhält bis Ende November noch ihr volles Gehalt und eine Abfindung von 1 000 Euro. Das gilt auch, wenn sie vorher eine neue Arbeitsstelle gefunden hat.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort