1. Bonn

65-jährige Kleptomanin kommt im Rollstuhl

65-jährige Kleptomanin kommt im Rollstuhl

Gericht verurteilt notorische Diebin ein letztes Mal zu Bewährungsstrafe und verpflichtet sie zur Therapie

Bonn. Wenn die Frau in ihrem elektrischen Rollstuhl in die Geschäfte hereinrollt, sind einige Verkäufer schon alarmiert und besonders wachsam. Denn sie wissen: Die 65-Jährige stiehlt wie ein Rabe.

Auch im Herbst 2008 machte die schwer kranke Frau in zwei Bonner Geschäften wieder lange Finger, und als sie erwischt wurde, erklärte sie sich sofort bereit, die in ihrem Rollstuhl versteckte Ware zu zahlen. Und versicherte, es tue ihr leid, sie wolle nicht klauen, das geschehe automatisch, sie leide an Kleptomanie.

Nun sitzt die vielfach vorbestrafte Frau wieder einmal vor dem Bonner Strafrichter und kann wie bereits in früheren Verfahren nicht erklären, warum sie außer den gestohlenen Lebensmitteln und Dekorationsgegenständen ausgerechnet fünf Dosenöffner an sich nahm. "Ich bin wie im Rausch", sagt sie hilflos.

Und der ende immer erst, wenn sie erwischt werde. Nach der letzten Verurteilung im März 2008 zu drei Monaten Haft auf Bewährung habe sie sich in ärztliche Behandlung begeben bei einem Neurologen. Der habe, so erklärt sie nun, einen Tumor vermutet, aber nicht gefunden, und dann Kleptomanie diagnostiziert.

Die bescheinigte nun auch der psychiatrische Gutachter der Frau, die es alles andere als leicht hatte im Leben: Ihre Mutter misshandelte sie, ihr Stiefvater missbrauchte sie, ihr Eheleben wurde ebenfalls zur Hölle. Nun ist sie so krank, dass sie auf den Rollstuhl angewiesen ist. Für den Richter steht schließlich fest: Die 65-Jährige braucht dringend professionelle Hilfe, schon um sie vor sich selbst zu schützen.

Er verurteilt sie wegen Diebstahls zu vier Monaten Haft und zum "allerletzten Mal" auf Bewährung und stellt ihr einen Bewährungshelfer zur Seite. Und er verpflichtet sie dazu, eine Psychotherapie zu machen, um endlich die Gründe für ihre Kleptomanie aufzuarbeiten.