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Betrug in Beuel: 71-Jährige fällt auf angeblichen Microsoft-Mitarbeiter rein

Betrug in Beuel : 71-Jährige fällt auf angeblichen Microsoft-Mitarbeiter rein

Eine unschöne Lehrstunde in Sachen Computerkriminalität hat eine 71-Jährige aus Beuel hinter sich, die nicht namentlich genannt werden will. Und sie will insbesondere ältere Mitbürger warnen, damit sie nicht den gleichen Fehler begehen.

Die 71-Jährige erhielt vor wenigen Tagen einen Anruf. "Am Telefon war eine Frau mit sehr angenehmer und liebenswerter Stimme", so die Beuelerin. Sie habe gebrochen Deutsch gesprochen und sich als Mitarbeiterin von Microsoft vorgestellt, die aus Kalifornien anruft.

"Sie sagte mir, dass man festgestellt habe, dass es mit meinem Computer große Probleme gebe, und fragte, ob ich den Computer mal einschalten könne", so die 71-Jährige. Sie sei zwar einerseits misstrauisch gewesen, habe aber andererseits auch Angst gehabt, dass es vielleicht wirklich ein Problem gebe. Sie ließ sich auf die Anfrage ein.

Ihr wurde ein vermeintlicher Techniker vermittelt, der nur schlechtes Englisch gesprochen habe. Gemeinsam mit der 71-Jährigen durchforstete er ihre Dateien auf dem Computer. "Für mich war das verblüffend. Er hat mir alles Mögliche gezeigt, wo ich im Internet surfe, meine eigenen Dateien. Und überall waren gelbe Dreiecke und Warnhinweise", so die Beuelerin.

Der Techniker habe sie daraufhin ausgefragt, ob sie online einkaufe. Als die 71-Jährige das verneinte, habe er im weiteren Verlauf des Gesprächs darum gebeten, dass sie ihm ihre Kreditkartennummer verrate, außerdem bat er sie, neun Euro für seine Arbeit zu überweisen.

An diesem Punkt des Gesprächs wurde die 71-Jährige misstrauisch. "Ich sagte ihm auf den Kopf zu, dass er ein Lügner und Krimineller ist", so die Beuelerin. Daraufhin habe der Mann aufgelegt. Einen Tag nach dem Vorfall, die 71-Jährige wurde an einem Feiertag angerufen, ging sie zum Computerfachgeschäft, bei dem sie Kunde ist. Die Mitarbeiter dort befreiten den Rechner der Beuelerin von einem Virus.

Doch auch die beiden Banken, bei denen die Frau Kundin ist, haben reagiert. "Wir haben den Onlinezugang gesperrt, das ist das Wichtigste, was man tun muss, wenn man den Verdacht hat, dass jemand auf dem Computer war", sagt Commerzbank-Sprecher Tobias Strenger. Die Kundin habe umgehend neue Zugangsdaten bekommen. "Ein Schaden ist nicht entstanden", so der Sprecher. Weitere vergleichbare Fälle habe es nicht gegeben. "Das ist hundertprozentig der einzige, wir hören zum ersten Mal von dieser Masche", so Strenger.

Das sagt auch Ulrike Kohl von der Sparkasse KölnBonn, bei der die 71-Jährige aus Beuel auch Kundin ist. "Die Kunden sollten sich in solchen Fällen umgehend bei der Sparkasse melden", so Kohl. Es gebe für derartige Fälle eine Hotline, die täglich von 7 bis 23 Uhr erreichbar sei (Telefon: 0228/60 69 85 30), außerdem die Sperr-Notrufnummer der Sparkasse (116 116). Grundsätzlich rät Kohl zu "gesundem Misstrauen" und dazu, die aktualisierten Sicherheitshinweise der Bank beim Online-Banking zu beachten.

"Seit einiger Zeit kommt es immer wieder zu Anrufen von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern. Die Anrufer rufen mit unterdrückter Rufnummer an. Sie sprechen nur Englisch mit vermutlich indischem Akzent", sagt Polizeisprecher Christoph Schnur. Diese würden versuchen, über eine Remoteverbindung eine Fernwartung über das Internet aufzubauen. So könne der vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter unter anderem Trojaner zur Datenspionage auf dem Computer hinterlassen.

"Aus bekanntgewordenen Fällen ergab sich, dass nach der angeblichen Bereinigung des Rechners ein Betrag zwischen 150 und 250 Euro gezahlt werden sollte", so Schnur. Laut Polizei ist es "unwahrscheinlich dass eine Firma davon Kenntnis erlangt, dass irgendjemand ein Problem auf seinem Rechner hat. Noch unwahrscheinlicher ist es daher, dass ein Anruf aus Kalifornien erfolgt." Außerdem gebe es in Deutschland eine Niederlassung mit deutsch sprechenden Mitarbeitern. "Anrufe dieser Art sind auf jeden Fall Betrugsversuche. Es handelt sich hier um das Vorbereiten des Ausspähens von Daten und Computerbetrug", sagt Schnur.

Gespräche dieser Art sollten sofort beendet werden, die Kreditkartennummer sollte selbstverständlich auf keinen Fall herausgegeben werden. Die 71-Jährige will ältere Mitbürger ermuntern, sich nicht ängstigen zu lassen und so auf Betrüger hereinzufallen. "Ich habe viel daraus gelernt und hoffe, dass ich nicht zu teuer bezahlen muss."