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Internationaler Frauentag in Bonn: Aktion auf dem Münsterplatz sorgt für Diskussionen

Internationaler Frauentag in Bonn : Aktion auf dem Münsterplatz sorgt für Diskussionen

Internationaler Frauentag am Samstag in Bonn: Dieses Mal haben sich die Veranstalterinnen das Thema Frauen und Armut ausgesucht. Und mit einer Aktion auf dem Münsterplatz am Vormittag für viele verwirrte Gesichter, aber auch für intensive Diskussionen gesorgt.

"Was soll das denn heißen?" fragt ein junger Mann. Er blickt mit seiner Frau auf ein Transparent, das Frauen der Verdi-Gewerkschaft auf dem Pflaster des Münsterplatzes ausgebreitet haben und es "Bodenzeitung" nennen. "Ist Armut männlich?" steht da mit großen Lettern geschrieben. Eine Provokation.

Und natürlich ironisch gemeint. Doch Ironie ist ein schwieriges Stilmittel, müssen Barbara Henke und ihre Mitstreiterinnen von Verdi an diesem Vormittag immer wieder feststellen. Denn viele Passanten schütteln verständnislos den Kopf, als sie die Frage und andere Thesen lesen.

Etwa, dass Männer nicht weniger Rente kriegen sollten, wenn sie Kinder erziehen. "Die meinen doch Frauen", sagt ein kleiner Junge. Seine Mutter lacht. "Woher weißt du das?" fragt sie ihn. "Weil das so ist", antwortet er. "Ja , meine Armut ist weiblich", ruft eine Frau dazwischen. Es klingt wütend, doch bevor man sie ansprechen kann, ist sie schon wieder verschwunden.

"Genau das bezwecken wir mit unserer Aktion", erklärt Gewerkschafterin Barbara Henke. Die Leute sollen über die Gründe reden, warum überwiegend Frauen von Armut betroffen sind. "Uns geht es nach wie vor um Frauen in Beschäftigung, die immer noch schlechter bezahlt werden als Männer, obwohl sie dieselbe Tätigkeit ausüben", sagt Henke.

Es gehe auch um das große Thema des Zugangs zur Arbeit. Frauen, insbesondere alleinerziehende Mütter hätten es viel schwerer, einen Job zu finden als Männer. Obendrein seien Frauen auf dem Niedriglohnsektor überproportional vertreten. "Bei allen Erfolgen, die wir in der Vergangenheit erzielen konnten, so kommen wir, was die Gleichstellung von Mann und Frau im Arbeitsleben anbetrifft, immer noch nur im Gänsemarsch vorwärts", klagt Henke. Ihre Kollegin Raya Bernard weiß: "Gut die Hälfte der berufstätigen Frauen können mit ihrem Einkommen den Lebensunterhalt für ihre Familie nicht bestreiten".

Am Nachmittag trafen sich 150 Frauen aus 20 verschiedenen Organisationen und Institutionen anlässlich des Weltfrauentags zum Austausch im Frauenmuseum im Krausfeld. Sie stellten jeweils ihre Arbeitsbereiche vor, außerdem gab es eine Diskussion mit der Bundestagsabgeordneten Claudia Lücking-Michel (CDU) zum Thema Zwangsprostitution. "Viele der Frauen kennen sich untereinander gar nicht. Doch wenn wir Stärke haben wollen, müssen wir gut miteinander vernetzt sein", sagte Mitorganisatorin Klaudia Nebelin, "Frauen brachen Freundinnen".

Am Sonntagmorgen gab Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch gemeinsam mit den Soroptimist Clubs Bonn-Bad Godesberg und Bonn-Siebengebirge einen Empfang im Alten Rathaus. Soroptimist International ist die weltweit größte Service-Organisation berufstätiger Frauen. In Bonn engagieren sich die beiden Clubs seit vielen Jahren für soziale und kulturelle Projekte. Mit der Einladung zum Internationalen Frauentag baten die Serviceclubs dieses Jahr um eine Spende zugunsten des Frauenhauses Bonn.