1. Bonn

Hilfe an vielen Stellen im Stadtbezirk: Andrea Profitlich ist in Beuel Vermittlerin für die gute Sache

Hilfe an vielen Stellen im Stadtbezirk : Andrea Profitlich ist in Beuel Vermittlerin für die gute Sache

Über Jahre hat sie Geflüchtete in Beuel unterstützt, doch immer wieder nimmt sich Andrea Profitlich neue Aufgaben vor. Aktuell organisiert sie für die die Nepomuk-Stiftung ein Projekt für die Verteilung von Spielzeug an Bedürftige mit. Die Familie steht dennoch immer ganz weit oben.

Andrea Profitlich ist ein Beueler Urgestein, wie es im Buche steht. Zwar in einer Bonner Klinik zur Welt gekommen, ist sie in ihrem Beueler Elternhaus aufgewachsen und hat ihr Leben lang immer in diesem Haus gewohnt. „Genau wie meine Mutter, die bereits seit 75 Jahren in diesem Haus wohnt.“ Dieses Haus, das macht die echte Beuelerin perfekt, war früher eine Wäscherei. Wenn sie von ihrem Balkon in der obersten Etage Richtung Rhein blickt, hat sie sofort die Nepomuk-Statue im Blickfeld und somit zwei Dinge im Sinn: den Schiffer-Verein, wo sie Mitglied ist und dessen Schutzpatron Nepomuk ist, sowie die Nepomuk-Stiftung, die sich jetzt offiziell „Kirchliche Bürgerstiftung Johannes Nepomuk, Bonn Beuel“ nennt. Ralf Birkner, der 1. Vorsitzende dieser Stiftung, war es, der Andrea Profitlich ansprach, ob sie nicht in der Nepomuk-Stiftung mitarbeiten möchte. Inzwischen ist sie im Vorstand dieser Stiftung für „Projekte“ zuständig.

Katja Birkner, die Frau des Vorsitzenden, leitete zusammen mit Monika Thülig vom Kardinal-Frings-Gymnasium (KFG) vor Jahren ein „Lernpaten-Projekt“ in der Josefschule, das von der Nepomuk-Stiftung ins Leben gerufen worden war. Birkner suchte und fand damals jemanden, der das Projekt übernehmen könnte: Andrea Profitlich. Das war vor sechs Jahren. Lernpaten bedeutet, dass Schüler oder Schülerinnen des KFG Kindern, die die Josefschule besuchen, beim Lernen unterstützen. 15 Schüler des KFG kommen einmal die Woche für eine Stunde in die Josefschule, um ihrem „Paten“ behilflich zu sein.

Angebot im Jahr 2021 ausgeweitet

„In diesem Jahr haben wir diese Idee auf das Sankt-Adelheid-Gymnasium (SAG) und die Marktschule in Pützchen ausgeweitet“, so Profitlich. Immerhin fünf Mädchen vom SAG waren zum Start dabei. Es ist immer eine Eins-zu-eins-Beziehung, oft sehr freundschaftlich. „Einige Beziehungen halten auch über die Grundschulzeit hinaus“, weiß Profitlich.

Die meisten Kinder, die diese Hilfen bekommen, sind nicht unbedingt prädestiniert, aufs Gymnasium zu gehen. Dennoch haben es einige geschafft, was sie fasziniert hat. Während das Projekt in Beuel coronabedingt derzeit ruht, wurde in Pützchen gestartet. „Wir schauen uns genau an, welches Konzept dort implementiert wurde. Vielleicht können wir das auf die Josefschule übertragen“, hofft Profitlich.

Schnelle Hilfe für Geflüchtete in Beuel

Vor rund sechs Jahren, als die ersten Geflüchteten in Bonn eintrafen, sind drei Familien mit insgesamt sechs Kindern in ein nahezu leeres Haus in Beuel eingezogen. Andrea Profitlich startete auf Facebook einen Aufruf und innerhalb von wenigen Tagen waren Möbel und Betten für alle im Haus. „Es war eine wahnsinnige Resonanz“, stellt sie noch heute fest.

Auch um die gesamte Kommunikation mit Ämtern und Schulen oder Kindergärten oder um die Besorgung von Fahrrädern kümmerte sie sich. Trotz einiger Helfer sei es viel Arbeit gewesen. Inzwischen haben die Familien jeweils eigene Wohnungen bezogen, sodass diese Aufgabe für Profitlich beendet ist. „Das war eine interessante Zeit, eine schöne Zeit, aber auch eine sehr nervenaufreibende und zeitaufwendige Zeit“, resümiert sie.

Neues Projekt zur Verteilung von Spielzeug

Mit Gabriele Steffen-Zündorf, der ehemaligen Leiterin der Caritas in Beuel, hat Andrea Profitlich ein neues Projekt gestartet. „Ich schenk Dir was“ lautete der Titel eines Projektes der Caritas. Dabei wurden Spielsachen gesammelt und an bedürftige Kinder verschenkt. „So etwas Ähnliches können wir auch mit Schulsachen machen“, dachte sich Profitlich. Im KFG, das ihre Tochter besucht, wurde sehr zügig auf Schülerinitiative hin eingesammelt, was für andere noch brauchbar war: Hefte, Bücher, Mal- und Schreibutensilien, aber auch Rucksäcke. „Solche Projekte sind existenzsichernde Maßnahmen für Familien mit geringem Einkommen“, hat Steffen-Zündorf bei der letzten Sammelaktion festgestellt.

Das Prinzip erläutert Profitlich: Einer spendet, die Nepomuk-Stiftung tritt als Organisator und Vermittler auf und die Caritas übernimmt die Aufgabe als Verteiler der Spenden. „Wir von der Nepomuk-Stiftung sind zwar gute Netzwerker, aber wir müssen auch Kontakt haben zu Leuten, die das brauchen. Und hier war und ist uns die Caritas eine große Hilfe.“ Es gibt, so stellt Profitlich fest, viele Menschen, die gerne etwas abgeben, aber sie wissen nicht an wen oder wohin. Andrea Profitlich ist da immer eine gute Ansprechstelle und Vermittlerin.

Sie will jetzt etwas kürzertreten. „Meine Tochter ist jetzt in der siebten Klasse und braucht meine ganze Aufmerksamkeit“, sagt sie. Dennoch ist sie Klassenpflegschaftsvorsitzende und damit auch in der Schulpflegschaft tätig. „Schulpflegschaftsvorsitzende war ich in der Josefschule, aber hier im KFG wäre mir das zu viel“, sagt jemand, dessen Tag 30 Stunden haben muss.