1. Bonn

Auch ein Naturbad ist mit Vorsicht zu genießen

Auch ein Naturbad ist mit Vorsicht zu genießen

Stadt legt Alternativen vor, wie es mit dem Melbbad weitergehen könnte - Zusätzliche Prüfungen sind notwendig - Im Herbst soll die endgültige Entscheidung fallen

Bonn. Zehn Wochen nach der Hiobsbotschaft, dass das Melbbad diesen Sommer nicht öffnet ( der GA berichtete), hat die Stadt Bonn mitgeteilt, wie es weitergehen könnte. Sie will sich kommenden Mittwoch im Projektbeirat und dann am 18. Juni im Rat beauftragen lassen, den Bau eines Naturbades oder Naturbadesees "umfassend" zu prüfen und bis Herbst einen Entscheidungsvorschlag zu erarbeiten.

Bemerkenswert dabei: Die Stadt sieht diese Möglichkeit nicht so euphorisch, wie es erst den Anschein hatte. Zwar würden Naturbäder einen sehr positiven Eindruck vermitteln und die Nutzer würden stolz ihre viel positiveren Bilanzen gegenüber herkömmlichen Bädern vorzeigen.

Aber: Den geringeren Baukosten stehe ein sehr viel intensiverer Personaleinsatz und ein zumindest nicht geringerer Energiebedarf gegenüber. Auch aus medizinisch-hygienischer Sicht falle die Betrachtung deutlich differenzierter aus als die Selbstdarstellung der Badbetreiber.

Deshalb hält die Stadt vor einer Entscheidung eine sehr genaue Bestandsaufnahme mit Besichtigung solcher Naturbäder, mit unabhängigem Sachverstand und "eindringlicher Abwägung der Pros und Contras" für nötig. Diese Untersuchungen müsse man "in Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt" durchführen.

In ihrem Papier listet die Stadt auch die Alternativen auf: Eine Komplettsanierung mit Neubau der Becken, der Aufbereitung und Sanierung der Gebäude würde 5,4 Millionen Euro kosten, ein provisorisches Herrichten des Bades 1,7 Millionen Euro. Die beiden durch den Förderverein präsentierten Varianten schätzt die Stadt auf 1,3 und 1,4 Millionen Euro. Alle Provisorien hätten jedoch den Nachteil, dass ein Badbetrieb damit nicht zu garantieren sei.

Sich nun aus dem Bäder-Sanierungstopf von 9,5 Millionen Euro zu bedienen, kommt für die Stadt auch nicht in Frage. Dafür müssten alle anderen Bäder zurückstehen, was schon aus Haftungsgründen abgelehnt werden müsse.

Die Idee, dass ein Investor das Melbbad-Randgrundstück erhält und das Bad neu baut, streift die Stadt nur vage. Zahlen nennt sie aber zur traurigsten Alternative - der Komplettschließung. Das sparte einmalig fünf Millionen Euro Sanierungskosten und jährliche Unterhaltungskosten von 200 000 Euro ein. Mehr noch: Allein die Randbebauung könnte rund eine Million Euro in die Stadtkasse spülen.