1. Bonn

Aus Brandt-Villa werden zwei Reihenhäuser

Aus Brandt-Villa werden zwei Reihenhäuser

Immobiliengesellschaft kauft vom Bund Anwesen, in dem einst auch Kanzler Willy Brandt und Gerhard Schröder wohnten

Bonn. In drei Monaten rücken am Kiefernweg 12 Bauarbeiter und Handwerker an, um ein Projekt zu verwirklichen, das seit nunmehr elf Jahren in der Warteschleife hängt - der Umbau der ehemaligen Brandt-Villa samt Neubau von fünf Einfamilienhäusern auf dem fast 11 000 Quadratmeter großen Areal.

Dort, wo einst auch Bundeskanzler Willy Brandt wohnte und Staatsgäste ein- und ausgingen, entsteht ein komfortables Wohnquartier. Vergeblich hatte die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bisher versucht, das Anwesen los zu werden. Nun meldete sie Erfolg.

"Der Kaufpreis ist kürzlich vollständig eingegangen", sagte BImA-Sprecherin Melanie Matz dem GA. Käufer ist die Westdeutsche Immobiliengesellschaft (ImWest), die nach langen Gesprächen mit der Stadt kürzlich ihren vierten Entwurf des Bonner Architekten Thilo Krense vorgelegt hatte, der jetzt auch genehmigt wurde.

Denn da sowohl die 70 Jahre alte Villa als auch der angrenzende Park unter Denkmalschutz stehen, "waren Kompromisse notwendig, um allen Seiten gerecht zu werden", sagten Fred Girschkowski und Cornelius v. Ingersleben von ImWest. Nach ihren Angaben wird die Villa umgebaut, so dass quasi zwei Reihenhäuser entstehen, das äußere Erscheinungsbild des Denkmals aber erhalten bleibt.

Der angrenzende Küchentrakt wird zugunsten von zwei neuen Wohnhäusern abgerissen. Und rechts von der Villa entstehen drei weitere Einfamilienhäuser, die "dem Purismus der dreißiger Jahre angepasst sind", sagt Klaus Völkle von der Corpus Siereo GmbH, die das Projekt vertreibt.

Erhalten bleiben zudem der Park und das Teehaus. Ob das ehemalige Wachhaus der Sicherheitsbeamten, das an den Fuß-/Radweg im rückwärtigen Teil des Anwesens abgerissen wird, ist laut Girschkowski noch offen: "Vielleicht bauen wir es auch zu einem Spielhaus für Kinder um."

Die Villa, ein zweigeschossiges Landhaus mit 950 Quadratmetern Wohnfläche einschließlich drei großer Empfangsräume, Salon, Speisesaal, Großküche, mehreren Wohn-, Arbeits- und Schlafräumen plus Bädern baute der Architekt Wilhelm Denninger 1938 für den Bonner Kaufmann Heinz Blömer. 1952 erwarb das Land NRW den Bau und stellte ihn dem damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Schumacher zur Verfügung.

Sechs Jahre später ging das Anwesen in den Besitz des Auswärtigen Amtes (AA) über. Zunächst zog Amtschef Heinrich von Brentano dort ein, später auch seine Amtsfolger Gerhard Schröder (nicht verwandt mit dem Ex-Kanzler) und Willy Brandt, der samt seiner Familie auch als Bundeskanzler am Kiefernweg wohnen blieb und dort Staatsgäste aus aller Welt empfing.

Nach seiner Amtszeit, 1974, wurde die Villa als AA-Gästehaus genutzt, ehe Regierungschef Gerhard Schröder im Herbst 1998 dort für einige Zeit wohnte. Nur noch zwei Mal stand sie seitdem im Scheinwerferlicht: 2002 und 2005, als dort die Filme "Im Schatten der Macht" und "Schattenväter" gedreht wurden - jeweils mit Brandt-Sohn Matthias in einer Hauptrolle. Der letzte machte dann das Licht aus. Ende kommenden Jahres soll es wieder angehen.