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10. Bad Godesberger Literaturpreis

10. Bad Godesberger Literaturpreis : Als Hitler der kalte Schneeball traf

Bei der zehnten Auflage des Bad Godesberger Literaturpreises gab es am Ende nur Gewinner: Die acht Finalisten teilen sich den ersten Preis.

Zehn Jahre ist es her, da platzte der Saal der früheren Residenz des spanischen Botschafters am Kurpark aus allen Nähten, weil ein neues Veranstaltungsformat den örtlichen Kulturbetrieb bereichern sollte: Der Bad Godesberger Literaturpreis war geboren, Publikumspreis inklusive. Initiiert von Buchhändlerin Barbara Ter-Nedden hat die Reihe eine Dekade, den Umzug der Buchhandlung und die Corona-Pandemie überdauert. Acht Autoren hatte die Jury diesmal den Weg ins Finale geebnet, und für alle hatte sich die teils weite Anreise – etwa aus Berlin, Dresden und Wien – gelohnt. Denn angesichts der Qualität ihrer Einsendungen hatten es sich die Juroren leicht und schwer zugleich gemacht und alle acht gleichermaßen zu Siegern erkoren.

Mit dabei war die ukrainische Autorin Ganna Gnedkova, die in Lyrikform („Am 27. Februar…“) manches interkulturelle Missverständnisse in pointierte Worte gehüllt hatte. Als Gastgeschenk hatte sie einen Roman ihres Mannes Peter Marius Huemer mitgebracht, der zufälligerweise mit der Erzählung „Der Grenzer“ vor einigen Jahren ebenfalls Finalist in der Parkbuchhandlung gewesen ist, wo also gewissermaßen alles begann. „Schon welkt dein Herz dem Alter zu“, hatte Franziska Bauer ihren Text mit viel Selbstironie und den Worten einer Arie aus Haydns „Jahreszeiten“ überschrieben. Zum Schmunzeln und teilweise zum Staunen verleiteten auch Aufbau und Sprache von Sabine Frambach („Schläfer“), Geralf Grems („Das Bild“) und Anke Laufer („Klauber und die Füchsin“). Paul Jennerjahn („Drahtseilakt“) packte die Zuhörer mit pointierten Dialogen, und Klaus Gottheiner („Illusionisten auf der Durchreise“) ließ Münchener Künstlerkreise verschiedene Jahrhundertwenden überlagern. Einem historischen Kaleidoskop, ebenfalls in München verortet, hat sich auch Norbert Wollschläger verschrieben: In „Der Anschlag“ begegnen sich im Herbst 1922 Golo Mann und Adolf Hitler – während einer Schneeballschlacht.

Bis weit in den Abend lauschten die Gäste den Geschichten, den liebevollen Laudationen von Jurymitglied Annie Kawka-Wegmann sowie nicht zuletzt den Klängen, die Pianist Andreas Orwat zwischen den literarischen Darbietungen von Beethoven bis Gershwin dem Flügel entlockte. Bei der zehnten Auflage des Bad Godesberger Literaturpreises gab es am Ende nur Gewinner: Die acht Finalisten teilen sich den ersten Preis.