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Prozess zum Fall Niklas Pöhler: 20-Jähriger identifiziert Walid S. als Täter

Prozess zum Fall Niklas Pöhler : 20-Jähriger identifiziert Walid S. als Täter

Am vierten Verhandlungstag im Prozess um den Tod von Niklas Pöhler hat ein 20-jähriger Student den Hauptangeklagten als Täter identifiziert. Ein weiterer Zeuge will von Roman W. bedroht worden sein.

„Das war er“, sagt der Student im Zeugenstand und deutet auf den Angeklagten Walid S. Es ist der vierte Verhandlungstag im Prozess um den gewaltsamen Tod des 17-jährigen Niklas Pöhler, der am 7. Mai 2016 kurz nach Mitternacht in Bad Godesberg gegen den Kopf geschlagen und getreten wurde und eine Woche später starb. Das Interesse von Medien und Öffentlichkeit ist auch an diesem Tag groß. Und nun identifiziert der 20-jährige Zeuge vor dem Jugendschwurgericht den 21-jährigen Walid S. als Täter.

Was im ersten Moment so eindeutig zu sein scheint, relativiert sich im Verlauf der weiteren Vernehmung des Zeugen. Der Student schildert, wie er in jener Nacht mit seiner Freundin vom Rhein kam, wo auch Niklas mit seiner Schwester, einer Freundin und zwei Freunden gewesen war, um nach Hause zu fahren. Und wie er dann vor dem Rondell an der Rheinallee eine Schubserei auf der Straße gesehen habe zwischen Niklas und ihm unbekannten jungen Männern. Es sei geschrien worden, vor allem von den Mädchen. Und plötzlich habe einer der jungen Männer Niklas einen Schlag ins Gesicht versetzt. Niklas sei „wie ein nasser Sack zusammengesackt und reglos liegengeblieben“. Dann habe ihm der Täter noch gegen den Kopf getreten „wie beim Fußball“.

Zusammen mit zwei Männern, die ebenfalls herbeigeeilt seien, habe er Niklas von der Straße gezogen und in die stabile Seitenlage gebracht. Niklas habe da gelegen wie tot. Als der Rettungsdienst gekommen sei, hätte er Niklas kurz angesehen, in den Rettungswagen gebracht und reanimiert.

Am Abend des 12. Mai starb Niklas Pöhler. Einen Tag später wurde der Student, der Niklas durch seine Freundin flüchtig kannte, bei der Polizei als Zeuge vernommen. Und die Aussage, die er damals machte, wird ihm nun vorgehalten. Vor allem Walid S.' Verteidiger Martin Kretschmer setzt dem Studenten zu. Denn an jenem 13. Mai hatte der Student den Beamten erklärt, er könne nichts, aber auch gar nichts zu den Tätern sagen. Er könne sie „wirklich nicht beschreiben“.

Im Gegensatz dazu aber hatte der Student in einer zweiten polizeilichen Vernehmung im August den Täter identifiziert, der Niklas mit einem Schlag bewusstlos geschlagen hatte. Aufgrund von anderen Zeugenaussagen und Beweismitteln saß Walid S. inzwischen in U-Haft, und als dem Studenten acht Bilder zur Auswahl vorgelegt wurden, bezeichnete er den Mann auf Foto 5 als den Schläger. Mit einer Sicherheit von 100 Prozent, falls es einer von den acht sei, erklärte er. Absolut gesehen allerdings nur mit 60 Prozent Sicherheit.

Ob er ihn jetzt erkenne, will Kammervorsitzender Volker Kunkel wissen. „Das habe ich ja schon bei der Polizei gesagt“, erwidert der Student. Er erkenne ihn an den markanten Gesichtszügen, den Augenbrauen, dem ganzen Erscheinungsbild. Damit aber kommt er bei Verteidiger Kretschmer nicht durch: Wie es sein könne, dass seine Erinnerung Monate nach dem Vorfall besser sei als eine Woche danach, das gebe es nicht. Der Student erklärt: Am 13. Mai sei er völlig aufgewühlt gewesen. Immer habe er den leblosen Niklas vor Augen gehabt und dessen verzweifelte Schwester. Wie er überhaupt unterscheiden könne zwischen Erlebtem und den Presseberichten und -fotos von Walid S, fragt der Anwalt. „Weil es die schlimmste Nacht meines Lebens war. Die werde ich nie vergessen. Ein 17-jähriger Junge verliert sein Leben, und ich war dabei“, sagt der Zeuge.

Die beiden Männer, die ihm halfen, Niklas von der Straße zu ziehen, erkennen die Angeklagten nicht. Wie der Student sahen auch sie nicht, dass der Mitangeklagte Roman W. laut Anklage nach Niklas zu treten versuchte und Niklas' Begleiterin schlug. Bei der Schilderung, wie Niklas leblos da lag und aus Nase und Ohr blutete, bricht Niklas' Mutter in Tränen aus.

Der letzte Zeuge des Tages saß schon einmal im Zeugenstand und wollte nicht reden. Nun wird der inhaftierte 19-Jährige noch einmal gehört und erklärt, warum er am Prozesstag vergangene Woche Angst hatte auszusagen: Als er im selben Gefangenentransporter wie Roman W. zum Bonner Gericht gebracht worden sei, habe der ihn bedroht. Dann schildert er, wie Walid S. ihn eine Woche vor der Attacke auf Niklas brutal geschlagen und getreten habe.