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AfD in Bonn: Staatsschutz ermittelt nach Farbattacke auf Wohnhaus

Vandalismus in Bonn : Staatsschutz ermittelt nach Farbattacke auf Haus von AfD-Politiker

Das Wohnhaus des AfD-Spitzenkandidaten in Bad Godesberg wurde zum Ziel einer großflächigen Farbattacke. Die Polizei spricht von politisch motivierter Tat und schaltet den Staatsschutz ein.

Gewalt und Beschimpfung gegenüber Politikern, Amts- und Mandatsträgern scheint zunehmend zum Alltagsphänomen zu werden. In Bonn waren es zuletzt wiederholt Vertreter der AfD, die zum Ziel von Übergriffen wurden. Am Wohnhaus von Wolfgang Truckenbrodt, Kandidat für die Bezirksvertretung Bad Godesberg, hinterließen Unbekannte bei einem Farbanschlag jetzt erheblichen Schaden an der Fassade. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus, der Staatsschutz ermittelt.

Die Hilfsmittel für die Attacke finden sich theoretisch in jedem Baumarkt. Ersten Erkenntnissen zufolge schleuderten die Täter mit blauer Farbe gefüllte Glasbehälter gegen die rote Klinkerwand und versprühten überdies Farbe aus einem Druckbehälter. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zu Samstag. Zwar handelte es sich offenbar um wasserlösliche Farbe. Die allerdings drang bei dem Angriff nicht nur in die Mauerfugen und den Rollladenkasten ein, sondern gelangte durch ein halboffen stehendes Fenster auch ins Innere des Hauses. Der Eigentümer rechnet mit einem Schaden im weit fünfstelligen Bereich. Ob eine Versicherung dafür aufkommt, wisse er derzeit nicht.

Dass das in einer Friesdorfer Nebenstraße gelegene Haus das Domizil eines AfD-Vertreters ist, war zuletzt offensichtlich – hatte Truckenbrodt doch auch sein Grundstück sowie die angrenzenden Straßen für Wahlkampfzwecke genutzt und dort Plakate aufgehängt. Nebenerscheinungen wie Übermalung und Beschriftung folgten vielfach auf dem Fuß. Zu einem „politischen Wallfahrtsort“ sei sein Viertel inzwischen geworden, sagt Truckenbrodt und spielt auf die zahlreichen Auseinandersetzungen an, die er und Parteifreunde an Infoständen und beim Kleben von Plakaten erlebten. In Bad Godesberg, sagt er, werde der Umgang mit der Partei in den sozialen Netzwerken „kontrovers“ diskutiert.

Am Samstag, also nur Stunden vor der Farbattacke, hatte der 67-Jährige seinerseits selbst Pfefferspray zum Einsatz gebracht. Nach bisherigem Ermittlungsstand der Polizei hatte sich der Spitzenkandidat beim Aufhängen eines Wahlplakats in der Prinzenstraße von einem Mann bedroht gefühlt, der in der Nähe aus dem Auto gestiegen war. Als der Streit zu eskalieren drohte, versprühte Truckenbrodt das Pfefferspray, beide Männer zeigten einander gegenseitig an.

Noch während die Polizei diesen Disput aufnahm, folgte der nächste Akt: Ein Radfahrer beschimpfte die AfD-Leute im Vorbeifahren deftig, einer der Wahlkämpfer folgte ihm auf dem Motorrad und holte ihn – gefolgt von der Polizei – am Südfriedhof ein, wo es zu einem Handgemenge kam. Ergebnis auch hier: zwei wechselseitige Anzeigen. Vor wenigen Wochen meldete die Polizei eine Pfefferspray-Attacke auf zwei Männer, die an der Viktoriabrücke AfD-Plakate aufgehängt hatten. Auch massive Farbanschläge gegen Häuser von Vertretern der Partei hat es in Bonn schon mehrfach gegeben. Doch das Phänomen ist nicht auf Bonn beschränkt: Das Bundesinnenministerium spricht – auf ganz Deutschland bezogen – von einem „gezielten Vorgehen gewaltorientierter Linksextremisten“. fa