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Ako-Theatergruppe: Nonkonformisten in Uniform

Ako-Theatergruppe: Nonkonformisten in Uniform

Die Ako-Theatergruppe katapultiert Shakespeares "Richard III." um vier Jahrhunderte in die Gegenwart

So eine Shakespeare-Inszenierung ist kein Kindergeburtstag. Umso konzentrierter tönen die Kommandos von Regisseur Christopher Haep durch die Kollegskirche des Aloisiuskollegs, wo die Hauptproben für "Richard III." im vollen Gange sind.

Hier fehlt noch die Krawatte zur Uniform, da stimmt das Licht nicht, dort herrscht Unruhe hinter der Bühne. Und dann ist auch noch einer der Hauptdarsteller erkrankt. Dass auch diese Hindernisse bis zur Premiere am Freitagabend noch gemeistert werden, ist der Entschlossenheit in den Mienen der Mitwirkenden zu entnehmen. Knapp 100 Oberstufenschüler hat Haep - im Hauptberuf Internatsleiter, daneben aber so etwas wie der inoffizielle Theaterintendant des Ako - für das Stück auf, vor und hinter der Bühne versammelt.

Nach der vermeintlich leichteren Kost des "Peter Pan" im vergangenen Jahr nun also Shakespeares "Richard III.". Seit Oktober laufen die Proben für die etwa zweistündige Darbietung, deren Premiere morgen Abend nicht durch Zufall auf den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus fällt. Hatte doch schon William Shakespeare vor mehr als 400 Jahren die Figur des Richard als Mahnmal gegen jedwede Formen staatlicher Gewalt und Rücksichtslosigkeit geschaffen. "

Auch wir begreifen das Stück als eine großangelegte Studie zum Thema politisch motivierter Gewalt", sagt Christopher Haep. Dieses Verständnis habe sich angesichts der dazu passenden aktuellen Nachrichtenlage zunehmend aktualisiert. "Plötzlich sehen wir wieder, wie dringlich die Auseinandersetzung mit Extremismus von rechts und links weiterhin ist", so Haep. Den Bezug zur Gegenwart verstärkt die Ako-Inszenierung mittels Requisiten und Kostümen, die als Potpourri aus Uniformen und Mode des 19. und 20. Jahrhunderts die Brücke zwischen der Epoche Shakespeares und der Gegenwart schlagen.

Doch nicht nur Bedrohung und Ohnmacht, sondern auch der Mut zum Aufbegehren, die Haltung des zum Widerstand Bereiten und der Wille, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, werden in den Figuren auf der Bühne lebendig und schaffen deutliche Gegenpole zum unsympathischen Despoten Richard. Apropos: Im erlauchten Kreis der Oberstufenschüler fallen zwei Jungen auf, die deutlich jünger wirken: Moritz Tostmann und Johannes Schöneberg aus der neunten Klasse hatten bereits in einer Doppelbesetzung bei "Peter Pan" reüssiert und als die Nachwuchstalente des Ako-Theaters nun erneut den begehrten Sprung ins Ensemble geschafft.

"Herr Haep bemüht sich immer, die älteren und die jüngeren Schüler mit dem Theaterstück zusammenzuführen, was bei Richard III. natürlich nicht ganz so einfach ist", sagt Elisa Schiller von der Mediengruppe. Die erledigt nicht nur die Pressearbeit, sondern trägt zu der modernistischen Inszenierung auch Ton- und Filmsequenzen bei, die zwischen einzelnen Szenen eingespielt werden. Angesichts der shakespear'schen Anforderungen an Textsicherheit und Sprachgefühl habe er höchsten Respekt vor den Schauspielern, ergänzt Elisas Mitstreiter Daniel Seffern.

Nun hoffen sie für die kommenden Abende auf ein gut gefülltes Haus. "Unsere Idee, mit Bad Godesberger Altenheimen zu kooperieren, fand bisher leider kaum Resonanz. Wir würden die Herrschaften mit einem Fahrdienst abholen und nach der Vorstellung wieder nach Hause bringen", sagt Matthias Rothweiler. Derweil arbeitet Hauptdarsteller Philipp von Boeselager auf der Bühne fleißig am Gewaltexzess des Königs. Wahrlich, kein Kindergeburtstag.