1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Studenten laden zur Ausstellung: Alanus-Hochschüler zeigen Kunst im Schaufenster

Studenten laden zur Ausstellung : Alanus-Hochschüler zeigen Kunst im Schaufenster

Ihre Kunstwerke stellen derzeit neun Studenten der Alanus-Hochschule in einem Bad Godesberger Ladenlokal aus. Noch bis zum 29. Juni ist die Pop-Up-Galerie geöffnet.

Neun Kunststudenten der Alanus-Hochschule zeigen derzeit ihre Kunstwerke in einer Pop-Up-Galerie. Spaziergänger, die an den Schaufenstern in der Bürgerstraße 12 vorbeikommen, können hier im wechselnden Rhythmus Malereien, Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Installationen sowie Video-Kunstformen bestaunen. Die Ausstellung „Beziehung(s)weise“ soll laut den Veranstaltern noch bis Ende Juni zu sehen sein und wechselt alle zwei Wochen ihr Erscheinungsbild.

Die Möglichkeit, ihre Kunst öffentlich auszustellen, kommt den Masterstudenten der Hochschule gelegen. Ein Eigentümer des Ladenlokals in der Bürgerstraße hatte ihnen seine Flächen mietfrei für ein paar Monate angeboten. „Der Eigentümer freut sich einfach über etwas Kultur vor Ort“, sagt Professorin Ulrika Eller-Rüter. Für die Masterstudenten sei das eine gute Gelegenheit, in Eigenregie eine Ausstellung auf die Beine stellen zu können“, so die Dekanin für den Fachbereich Bildende Kunst.

 Die Pop-Up-Gallery ist noch bis zum 29. Juni in den Räumen des Gebäudes Bürgerstraße 12 zu sehen.
Die Pop-Up-Gallery ist noch bis zum 29. Juni in den Räumen des Gebäudes Bürgerstraße 12 zu sehen. Foto: Niklas Schröder

QR-Codes geben weitere Hinweise

Betrachter sehen unterschiedliche Exponate und Installationen von außen durch die Fensterfronten. Da wegen der Schutzverordnungen der Zutritt zu Ausstellungsräumen derzeit untersagt ist, haben die Studenten QR-Codes an die Scheiben geklebt, die weitere Information über die Künstler und ihre Werke ermöglichen.

Unter den Studenten ist auch Yan Rong (42). Der Meisterschüler hatte zuletzt seine Werke in der Galerie ausgestellt. In großen Farbholzschnitten verarbeitet Rong verschiedene Elemente aus der Natur zu thematischen Schwerpunkten wie die Ernährung. „Zuerst male ich eine Skizze auf ein Papier, und dann übertrage die Zeichnung auf großes Büttenpapier“, erklärt der Chinese seinen Gestaltungprozess. Natasza Deddner (48), die die Organisation übernommen hat, schätzt den Ausstellungsort wegen seiner großen Schaufensterscheiben. „Man bekommt von außen einen guten Blick auf die Kunst in den Innenraum“, sagt die Masterstudentin. Das sei ein guter Kompromiss, so die Menschen weiterhin mit Kunst zu versorgen. „Auch die Kultur ist systemrelevant. Mit der Fläche können wir den Menschen zeigen, dass die wir noch da sind“, so Deddner.

Vor allem zeige die Pandemie auf, dass temporäre Ausstellungsorte wie in der Bürgerstraße für Künstler enorm wichtig seien. „Ich hoffe darauf, dass sich die Ausstellungsform weiter durchsetzt, denn Geschäfte und Büroräume sollten nicht leer stehen, sondern auch genutzt werden.“

Kostengünstige Möglichkeit für Ausstellungen

Das meint auch Bernd Fesel. Der Direktor des European Creative Business Network in Rotterdam sieht in den Pop-Up-Galerien eine kostengünstige und flexible Möglichkeit, unterschiedliche Kunstformen zu präsentieren. „Künstler oder Künstler-Initiativen mieten sich oft für einen kurzen Zeitraum in leer stehende Räume ein. Auf diese Weise können Künstler sich auch in Kunstszenen und -märkten im Ausland zeigen“, sagt Fesel.

Pop-Up sei als Ergänzung zur Kunstgalerien entstanden, denn: „Sie geben Künstlern eine Alternative zur Galerievermarktung, sie sind eine Stütze der Selbstvermarktung.“ Die Resonanz für Ausstellung sei schon jetzt durchweg positiv, wie Olga Heller (38) berichtet. „Wir bekommen viele Rückmeldungen für unsere Ausstellung. Wir merken, wie sehr die Menschen die Kunst brauchen.“ Die Masterstudentin glaubt, dass es bald noch mehr Pop-Up-Galerien in Bonn geben könnten. Fesel sieht hier Entwicklungspotential: „Gerade der aktuelle Bauboom wird absehbar zu Leerständen führen, und das Interesse am Kunststudium ist ungebrochen hoch – viele junge Künstler und neue Kunstwerke suchen ihre Räume und Sichtbarkeit. Daher werden für viele die Pop-Up-Galerien die erste Wahl bleiben.“

Lohnenswert auch für Ladeninhaber

Lohnenswert sei das Ausstellungsmodell nicht für die Künstler, sondern auch für die Inhaber. „Pop-Ups wirken oft wie Publikumsmagneten, sie steigern die Wertigkeit des Standortes – sollten die Räume vorher leer gestanden haben, können diese den Galerien dabei helfen, einen dauerhaften Mieter zu finden“, sagt Fesel. Oft seien die Ausstellungen dann so erfolgreich, dass sie an einem Standort blieben und nicht weiterzögen. „Solche Zwischennutzungen, angetrieben durch Kunst und Kultur, sind oft ein erster Schritt hin zur langfristigen Vermietung“, so Fesel.

Ob Pop-Up-Galerien in Zukunft eine Rolle spielen werden, entscheiden Künstler und Käufer. „Das Interesse bei Künstlern ist sicher vorhanden, gerade auch in einer internationalen Kulturstadt wie Bonn präsent zu sein. Viel hängt von der Bereitschaft von Vermietern ab – und letztlich auch von der Ordnungsbehörde.“ Demnach müssten „nicht selten“ Umnutzungen beantragt sowie feuerpolizeiliche Auflagen eingehalten werden. Fesel: „Hieran kann sich auch zeigen, ob eine Stadt künstlerfreundlich ist.“

Die Studentenausstellung „Beziehung(s)weise“ ist noch bis einschließlich 29. Juni zu sehen, ein Kontakt per E-Mail an ausstellung@alanus.edu möglich.