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Alltagshelden in der Corona-Krise: Wachtberger unterstützt nicht nur im Haushalt

Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“ : Wachtberger unterstützt nicht nur im Haushalt

Der Wachtberger Alexander Bechtholdt gehört zu den Alltagshelden, welche die häusliche Versorgung Einzelner auch in Zeiten der Krise sicherstellen. Als es noch erlaubt war, hat der 43-Jährige mit seinen Kunden gerne Ausflüge unternommen oder gemeinsam eingekauft.

Josephine und Matthias Rinck aus Bad Godesberg sitzen seit ihrer Geburt im Rollstuhl. Das frisch verheiratete Ehepaar ist im Alltag häufig auf fremde Hilfe angewiesen. Alexander Bechtholdt besucht die beiden im Auftrag eines gewerblichen Anbieters seit zwei Jahren wöchentlich, unterstützt sie beim Haushalt und unternimmt Freizeitaktivitäten mit ihnen. Letzteres fällt derzeit allerdings wegen des Kontaktverbots weg. „Wir sind vorher gerne mal an den Rhein gefahren“, erzählt Bechtholdt.

Die Rincks zählen zu seinen jüngsten Kunden, ein Großteil der Angebotsnutzer ist im Seniorenalter. Bechtholds Kunden freuten sich bisher über gemeinsame Ausflüge zu Museen oder Sportveranstaltungen. Zu den älteren Kunden kommt der Betreuer jetzt allerdings nur noch, um Einkäufe zu tätigen und im Haushalt zu helfen – beides ist für die Kunden keine Selbstverständlichkeit. Auch die Rincks sind froh, Bechtholdts Service noch nutzen zu dürfen. „Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass er nicht mehr zu uns kommen darf, bis das Kontaktverbot aufgehoben ist“, berichtet Josephine Rinck.

16 Haushalte besucht Bechtholdt wöchentlich

16 Haushalte in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis besucht der Betreuer wöchentlich für jeweils zwei Stunden – ein hohes Ansteckungsrisiko. „Um mich selbst habe ich keine Angst, aber beispielsweise ist meine älteste Kundin über 90 Jahre alt“, sagt der 43-Jährige, der geschieden ist und keine Kinder hat. Ein sensibler Umgang mit Senioren, die zur Risikogruppe zählen, habe bei der Arbeit höchste Priorität. Sicher auch für seine Umsicht erhielt er 2019 die Auszeichnung „Betreuungskraft des Jahres“ für NRW, da sein Arbeitgeber deutschlandweit tätig ist.

Dazu zählen für den Wachtberger auch Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der meist altersgeschwächten Kunden. „Bei jeder körperlichen Unterstützung, beispielsweise bei Toilettengängen, kommt man sich körperlich näher“, berichtet Bechtholdt. Für seine Einsätze habe er daher immer einen Mundschutz dabei. Richtlinien vom Gesetzgeber, die Betreuer beispielsweise zum Tragen eines Mundschutzes verpflichten, gibt es laut Bechtholdt nicht, er hätte sich von der Regierung jedoch „mehr Klarheit und einen Hilfeplan für Betreuungskräfte“ gewünscht.

Viele Kunden sind verunsichert

Mittlerweile tätigt der Alltagsheld die Einkäufe, zu denen ihn die Kunden bisher stets begleitet hatten, nur noch allein. Lediglich für Arztbesuche und unumgängliche Termine verlassen die Senioren ihre Wohnungen noch. Viele von ihnen seien durch die Ausnahmesituation und durch widersprüchliche Informationen verunsichert, manche sogar verängstigt, wie der Helfer berichtet.

Sein Arbeitgeber, der Betreuungsdienst Home Instead, habe die Mitarbeiter geschult, um die Senioren angemessen aufklären zu können. „Die Menschen wünschen sich, dass Sicherheit und Normalität wieder einkehren, wir versuchen sie bestmöglich durch diese fordernde Zeit zu begleiten“, teilt der Betreuer mit. Da viele Rentner zurzeit auf den Gang zum Markt, zur Post oder zur Apotheke verzichten, erhalten sämtliche Betreuungsdienste in Bonn jetzt mehr Anfragen als üblich. „Man merkt aber auch, dass die Gesellschaft zusammenrückt“, findet Bechtholdt, der Hilfsbereitschaft in seinem Umfeld verstärkt wahrnimmt.