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Auswirkungen einer Pandemie : Als die Pest in Godesberg wütete

Auswirkungen einer Pandemie : Als die Pest in Godesberg wütete

Im Jahr 1666 wütete die Pest in Godesberg. Eine Inschrift an der Pestkapelle in Schweinheim erinnert an die Auswirkungen der Pandemie.

„Bis hierher ging die Pest 1666“ steht auf einer Inschrift des als Pestkapelle bekannten Sakralbaus an der Kreuzung Waldburgstraße/Venner Straße in Schweinheim. Zwar sei das nicht ganz richtig, sagte Inke Kuster. Dass aber hier im im Jahr 1666 die schlimmste Pestwelle wütete, sei unbestritten. Kuster führte im Rahmen einer Veranstaltung des Vereins für Kunst und Kultur Bad Godesberg, kurz KuKuG, rund 15 interessierte Zuhörer vorbei an verschiedenen Stationen zur Geschichte der Pest in Bad Godesberg.

Vor allem wegen der beiden Menschen, die auf ihrer Wallfahrt zum damaligen Kloster Marienforst von der Pest geheilt wurden, wurde die Pilgerstrecke von Königswinter über Schweinheim bekannt. Der Weg der Gläubigen führte vorbei am ersten Wegekreuz in Königswinter, an weiteren Kreuzen beispielsweise auf der Waldburgstraße bis zur Kapelle. Von dort aus zogen sie weiter bis zum Sebastianusorden, in deren Kloster seinerzeit Reliquien des heiligen Sebastianus aufbewahrt wurden. Der Heilige, der von Pfeilen getroffen starb, wurde als Pestheiliger verehrt. Die Menschen sahen damals eine Parallele zwischen dem Tod durch schnelle, tückische Pfeile, die von irgendwoher kamen und der Krankheit, die für die Menschen aus unbekannter Ursache im übertragenen Sinne pfeilschnell ihre Opfer übermannte. Heutzutage befindet sich ein landwirtschaftlicher Betrieb in den Mauern des ehemaligen Klosters, die Reliquien ruhen laut Überlieferung in der Schweinheimer Pestkapelle.

Nach einer mündlich überlieferten Geschichte hat die für ein Drittel der Bevölkerung tödliche Seuche ursprünglich mit einem barbarischen Akt begonnen. Unter den Tartaren, die zu Beginn der Epidemie die Genueser auf der Krim belagerten, soll die Seuche zuerst ausgebrochen sein. In ihrer Wut über das Massensterben unter den Kämpfern hätten die Tartaren die Körper der Seuchenopfer mit Katapulten auf die eingeschlossenen Genueser geschossen und selbst die Flucht per Schiff ergriffen. Ein Hafen nach dem anderen habe dem Schiff wegen der Seuche das Ankern verweigert. „Soweit die Geschichte. Tatsache ist, dass die Pest zwei Jahre später in Köln angekommen war“, so Kuster. Wer reich war, floh in abgelegene Gebiete und kehrte erst nach Monaten zurück. Nicht selten seien die Menschen zu Häusern voller Toten zurückgekehrt.

„Insgesamt wütete die Pest in 16 Wellen. Dabei gab es zwei Arten, die immer tödliche Lungenpest und die in manchen Fällen heilbare Beulenpest“, klärte Kuster auf. Zwar wussten die Menschen im 14. Jahrhundert nicht, woher die Krankheit kam. Klar wurde aber schnell, dass Abstand und Reinlichkeit vor Ansteckung schützen konnten. In Italien wurde die „Pestnase“, eine Maske mit überlanger, mit stark riechenden Kräutern gefüllte Nase, Symbol für die dortigen Hochphasen der Pandemie. In Deutschland seien Gesichtsmasken üblich gewesen, die man sich wie Jutesäcke mit Sehschlitzen über dem Kopf vorstellen könne, erklärte die Referentin. Außerdem hätten die Ärzte häufig Stöcke bei sich gehabt, um auf die Kranken zu zeigen und sie nicht mit den Händen anfassen zu müssen.

„All diese Maßnahmen konnte die Pest aber nicht wirkungsvoll bekämpfen“, so Kuster. Allein das Thema Reinlichkeit war ein Problem zu einer Zeit, in der man auf die Straße spuckte und gleich daneben Blase und Darm entleerte. Auch Schutzkleidung war nicht für jeden verfügbar, Masken eingeschlossen. Zusätzlich gab es auch damals diejenigen, die sich wie heute in der Corona-Pandemie gegen die „von oben“ vorgegebenen Maßnahmen wehrten oder die Krankheit völlig leugneten. „All das hat zur weiteren Verbreitung beigetragen“, berichtete die Referentin.

Ob Pest, Cholera oder Typhus, Seuchen habe es immer gegeben. So erinnerte Kuster daran, dass die Pest weder die letzte Plage der Menschheitsgeschichte war noch besiegt ist. 2018 sei sie das letzte Mal auf Madagaskar aufgeflammt. Weder im letzten und noch im laufenden Jahrhundert blieben die Europäer von Pocken, Kinderlähmung oder derzeit Corona verschont. Viele Menschen mittleren und höheren Alters tragen am Oberarm eine Narbe von der Pockenimpfung oder wurden in der Schule gegen Polio geimpft. Diese Möglichkeiten hatten die Pilger, die Bad Godesberg in der Hoffnung auf Gesundheit durchquerten, nicht.