Nach verheerendem Brand Alt Sankt Martin in Bonn wird für zweieinhalb Jahre renoviert

Muffendorf · 2017 brannte die älteste genutzte Kirche Bonns durch einen Kabelbrand. Jetzt ist sie eingerüstet und erwartet eine zweieinhalbjährige Wiederherstellung.

Alt St. Martin, kurz vor der Einrüstung

Alt St. Martin, kurz vor der Einrüstung

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Vom Baugerüst oberhalb des Turms von Alt St. Martin gesehen, glitzert dessen großes Kirchenkreuz im Sonnenlicht. Unten liegt einem der pittoreske Ortsteil Muffendorf und weiter hinaus das gesamte Rheintal zu Füßen. Markus Haep, stellvertretender Vorsitzender des Godesberger katholischen Kirchengemeindeverbands, ist mit dem Architekten Max Ernst hochgeklettert, um das Baugerüst des romanischen Gotteshauses zu prüfen.

Denn seit drei Wochen erleben die Muffendorfer sozusagen einen Christo-Verhüllungseffekt: Das schmucke, urkundlich im Jahr 913 erstmals erwähnte Kirchlein ist plötzlich fast komplett hinter einem Gerüst und weißen Planen verschwunden. Neben den alten Grabsteinresten des nachbarlichen Friedhofs türmen sich schon Baumaterialien. Hoch oben unter dem Turmkreuz reicht Haep dem Architekten nun den grünen Kirchturmhahn: Ernst will ihn in den kommenden eineinhalb Jahren vorsichtshalber sicherstellen.

 Architekt Max Ernst zeigt Risse im Außenverputz, die durch den Brand und die Löschmaßnahmen entstanden sind.

Architekt Max Ernst zeigt Risse im Außenverputz, die durch den Brand und die Löschmaßnahmen entstanden sind.

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Verheerender Brand im Seitenschiff

Denn fünfeinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand im Seitenschiff der Kirche (der GA berichtete) soll Alt St. Martin endlich wiederhergestellt werden. „Durch einen Kurzschluss waren die Deckenbretter und Teile des Dachstuhls in Brand geraten“, erinnert Markus Haep an den traurigen Tag kurz vor Weihnachten 2017. Eine Anwohnerin hatte die nach außen dringende Rauchentwicklung glücklicherweise frühzeitig bemerkt. „Und die Feuerwehr konnte den Brandherd schnell unter Kontrolle bringen.“ Trotzdem sei vor allem im Dachbereich ein erheblicher Brandschaden entstanden, wird Haep später beim Gang durch das fast leer geräumte Innere zeigen. Von unten aus wird einem beim Blick in den teils verkohlten Dachstuhl auch heute noch das Ausmaß der Gefahr klar. Auch an den Wänden sind noch Ruß-, Brand- und Löschspuren zu sehen.

 Die Kirche ist komplett eingerüstet. Markus Haep vom Kirchenvorstand und Architekt Max Ernst prüfen Kirchenhahn, den sie gerade abmontiert haben.

Die Kirche ist komplett eingerüstet. Markus Haep vom Kirchenvorstand und Architekt Max Ernst prüfen Kirchenhahn, den sie gerade abmontiert haben.

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Der Gemeindeverband geht jetzt die Brandschäden und parallel dazu eine schon lange anstehende Sanierung des Kirchleins an. „Wir haben zuerst eine Bestandsaufnahme gemacht und Experten hinzugezogen“, berichtet der Architekt, der dem Kirchenvertreter nebenbei weitere Risse im Verputz zeigt. Auch bei den Wasserspeiern, an Turm- und Giebelfenstern sowie am figürlichen Schmuck des Rundbogenfrieses sind partiell „Abplatzungen“ zu beheben. Leider wurde zudem eine starke „Durchfeuchtung“ und Salzbelastung der Wände mit Schäden an den Putzflächen festgestellt, sodass eine Mauerwerkssanierung dringend erforderlich wurde. Auch die Turmbekrönung muss restauriert werden.

Vier Dachdecker und vier Steinmetze packen an

Nach der Einrüstung des Baus stehe nun am Mittwoch eine Besprechung mit den Vertretern der Stadt und des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) an, kündigt Ernst an. „Da werden wir noch einmal die Ausführungsdetails abstimmen und den Startschuss geben.“ In einem ersten Schritt gehe es dann an die Außenarbeiten, die wohl eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen werden. Man konzentriere sich dabei hauptsächlich auf den Dachstuhl und den gesamten Verputz. „Es werden jeweils vier Dachdecker und vier Steinmetze vor Ort arbeiten“, erläutert der Architekt. Unter anderem müsse der Schiefer vom Kirchendach über eine Schuttrutsche abgetragen werden. „Und handwerkliche Arbeiten gehen natürlich nicht ohne Lärm vonstatten“, bereitet Ernst die Anwohner schon einmal vor, während an der Baustelle nebenan an einem Haus schon jetzt kräftig gehämmert und gebohrt wird. In einem zweiten Schritt seien danach Innenarbeiten dran, die, so schätzt der Architekt, ein weiteres Jahr dauern werden.

„Der Erhalt der Kirche ist uns sehr wichtig, nur können wir die Gesamtkosten als Gemeinde nicht selber tragen“, erläutert wiederum Haep. Deshalb habe man sich in Abstimmung mit dem Generalvikariat einerseits um die Gelder der Versicherung und andererseits um Fördermittel und Zuschüsse bemüht. Für die Außenarbeiten müsse man insgesamt mit einer guten Million Euro an Kosten rechnen, sagt Haep. Wie berichtet, hatte im Februar dieses Jahres die Deutschen Stiftung Denkmalschutz dem leitenden Pfarrer des Seelsorgebereichs, Pater Gianluca Carlin, schon einmal einen Förderbetrag von 50.000 Euro übergeben. Die Innenarbeiten werde der Gemeindeverband selbst bezahlen beziehungsweise dafür Mittel einwerben, so Haep.

Glücklich über den Renovierungsbeginn ist auf jeden Fall auch der Godesberger Heimatverein. „Wir haben immer wieder mit Nachdruck auf die rasche Instandsetzung nach dem Brand im Dezember 2017 gedrängt“, sagt seine Vorsitzende Iris Henseler-Unger. „Die Kirche ist ein Kleinod. Sie ist historisch bedeutsam mit einer langen Bautradition an dieser Stelle, beginnend mit einem römischen Vorläuferbau.“ Vor fast genau 1110 Jahren sei die Kirche erstmals urkundlich erwähnt worden, erklärt die Vorsitzende. Ihre Schließung habe eine Lücke gelassen, die nun hoffentlich in absehbarer Zeit geschlossen werden könne. „Vor allem muss sie nach der Sanierung wieder genutzt werden, wie zuvor für Veranstaltungen offenstehen und zum Kulturleben vor Ort beitragen.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort