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Muffendorf: Alt St. Martin ist eine der ältesten romanischen Kirchen im Rheinland

Muffendorf : Alt St. Martin ist eine der ältesten romanischen Kirchen im Rheinland

Kirchen sind Orte des Glaubens, des Einkehrens und der Ruhe. Gläubige versammeln sich beinahe täglich in ihnen zum gemeinsamen Gebet. Kirchen sind jedoch auch oft eine (kunst-)historische Fundgrube. Eine davon ist die kleine Kirche Alt St. Martin in Muffendorf.

Mit ihren 1100 Jahren ist sie nur etwa 100 Jahre jünger als der Kölner Dom und eine der ältesten romanischen Kirchen im Rheinland. Im Jahr 913 wurde die Kirche das erste Mal erwähnt, ihre Ursprünge reichen jedoch bis in die Zeit der römischen Besetzung des Rheinlandes zurück.

Bei Sanierungsarbeiten wurde 1911 in einem Seitenaltar ein Weihestein aus dem 2. Jahrhundert freigelegt, der der römischen Göttin Diana geweiht war. Dadurch bestätigte sich eine uralte mündliche Überlieferung, nach der die Kirche auf einem "Heidentempel" gebaut worden sei.

Der Grund für diese ungewöhnliche Vermauerung liegt in der Zeit seiner Anbringung: Der Stifter, Gaius Scribonius, verhinderte durch die Tarnung als christlichen Altar, dass die Christen seine Weihestätte zerstörten, da zu jener Zeit hart gegen den Götzendienst vorgegangen wurde. Eine Nachbildung des Steins steht heute in der Grünanlage oberhalb des Remi-Baert-Platzes.

Von 1300 bis ins 17. Jahrhundert hinein kämpften die Muffendorfer um die Selbstständigkeit ihrer Pfarrei, die bis dahin nur Teil der Mehlemer war. 1635 erreichte der Ortsteil schließlich sein Ziel und nahm im gleichen Jahr noch einige Baumaßnahmen vor. Durch intensive Beweidung und Landwirtschaft war zu dieser Zeit bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Blick über das Rheintal und zum Godesberg möglich.

Generell wurde an der Kirche zeitweise viel gebaut, so dass von dem ursprünglichen karolingischen Gebäude kaum noch etwas übrig ist: Im 12. Jahrhundert wurde ein einschiffiger Neubau aus Trachyt und Tuff errichtet, der schnell um ein nördliches Seitenschiff, einen Turm und eine Apsis ergänzt wurde. Trachyt ist im Übrigen ein Gestein, welches am Drachenfels abgebaut und lange Zeit für den Bau verwendet wurde.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde eine Sakristei und weitere Erweiterungen ergänzt. Als aus Platzgründen 1894/95 eine neue Kirche in Muffendorf gebaut wurde, geriet Alt St. Martin in Vergessenheit und wurde erst fast 20 Jahre später neu saniert und umgebaut. Dabei wurden die Erneuerungen aus dem 17./18. Jahrhundert entfernt und die romanischen Elemente rekonstruiert.

Unter anderem fertigte der Honnefer Bildhauer Saul verschiedene Tierplastiken und Wasserspeier an, die auf Zeichnungen des 12. Jahrhunderts beruhen. Es dauerte noch mal 33 Jahre bis der erste Gottesdienst gefeiert werden konnte. Beeindruckend ist dabei, dass alle Baumaßnahmen stets einer Vergrößerung oder Verschönerung der Kirche dienten, von der Zerstörung durch Kriege blieb sie über alle Jahrhunderte hinweg verschont.

Die letzte große Baumaßnahme fand wohl vor anderthalb Jahren statt, als eine neue Orgel eingebaut wurde. Daran, dass die Orgel fast vollständig durch private Spenden finanziert wurde, zeigt sich die Beliebtheit der kleinen Kirche. Sie wird rege genutzt - nicht nur als Hochzeits-, Tauf- und Friedhofskapelle, sondern auch als "Kunstkirche": Ausstellungen und Lesungen finden hier statt, die Muffendorfer Sonntagskonzerte unter der Leitung von Markus Krebel sind bekannt und gefragt.

Der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg (VHH), selbst schon ein "Urgestein" der Bad Godesberger Geschichte, bindet Alt St. Martin regelmäßig in Veranstaltungen ein. Zum 1 100-jährigen Bestehen soll eine Informationstafel an dem alten Gotteshaus angebracht werden, die der Verein finanziert, und historische Informationen zur Kirche kurz und knapp zusammenfasst.

Ebenfalls widmet sich einer der beliebten Sommerspaziergänge, die der VHH in den Ferien veranstaltet, der Kirche Alt St. Martin und der neuen St. Martin-Kirche in Muffendorf. Am Mittwoch, 14. August, um 17 Uhr ist der geführte Streifzug durch die beiden Kirchen geplant. Für Sonntag, 8. September, ist außerdem eine Führung angesetzt. Beide Veranstaltungen wird die Kunsthistorikerin Pia Heckes leiten. Zu erreichen ist der Verein im Internet unter www.vhh-badgodesberg.de oder zu den Geschäftszeiten (dienstags von 16 bis 18 Uhr) unter der Rufnummer 0228/773258.