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Bad Godesberg: Altstadtsanierung war ein umstrittenes Mammutprojekt

Bad Godesberg : Altstadtsanierung war ein umstrittenes Mammutprojekt

Die 1960er-Jahre waren entscheidend für die Entwicklung Bad Godesbergs. Noch während die politisch Verantwortlichen mit dem Bau des neuen Ortsteils Heiderhof beschäftigt waren, fiel 1962 die erste Entscheidung zu einem Mammutprojekt, das unter dem Namen "Altstadtsanierung" in die lokalen Geschichtsbücher eingehen sollte.

1964, vor 50 Jahren, rollten die ersten Bagger am Fuße der Godesburg an. "Die gesamte Infrastruktur musste angepasst werden", erzählte der frühere Stadtdirektor Fritz Brüse in einem Gespräch vor 15 Jahren.

Wohl mit keinem anderen Wort wie dem der "Altstadtsanierung" assoziiert man in Godesberg so stark den Abriss von Alt-Godesberg. Für manchen alteingesessenen Godesberger wurde mit der so genannten Altstadtsanierung das nachgeholt, was der Krieg nicht geschafft hatte: die Zerstörung des alten Stadtkerns.

"Uns blieb gar nichts anderes übrig", kommentierte Fritz Brüse die damaligen Maßnahmen und verwies beispielsweise auf eine nur fünf Meter breite Burgstraße mit etwa 70 Zentimetern breiten Bürgersteigen. Zahlreiche Häuser im Sanierungsgebiet entsprachen außerdem kaum noch den Anforderungen modernen Wohnens.

"Mit der Altstadtsanierung führt Bad Godesberg gegenwärtig das zurzeit größte und vielleicht auch schwierigste geschlossene Kommunalvorhaben seiner Geschichte durch. Dem Rat, der Verwaltung und nicht zuletzt den Bürgern dieser Stadt stellt sich die Aufgabe, in einem angemessenen Zeitraum ein Gebiet, dessen Funktionsfähigkeit für die Stadt als Ganzes von entscheidender Bedeutung ist, neu zu ordnen", stellte Fritz Brüse im Juni 1965 vor dem Stadtrat zu der ein Jahr zuvor angelaufenen Sanierung der Altstadt fest.

"Diese Neuordnung verfolgt vornehmlich das Ziel, die Wohn- und Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern, das Straßennetz den Anforderungen des überörtlichen und innerstädtischen Verkehrs anzupassen und ein funktionsgerecht angelegtes, für den erhöhten Bedarf auch des Umlandes ausreichendes Geschäftszentrum zu schaffen." Auch 34 Jahre später ließ Brüse kaum Zweifel an der Notwendigkeit aufkommen: "Das musste einfach passieren."

Ursprünglich hatte man eine Fläche von 59 Hektar im Visier, reduzierte aber zu Beginn der siebziger Jahre das Terrain auf 24 Hektar. Hauptachse der Altstadtsanierung war die Burgstraße. An ihr entlang und von ihr ausgehend erfolgten die Baumaßnahmen.

Bereits Mitte der siebziger Jahre stellte die Stadt Bonn in einem Bericht fest, dass die Sanierungsziele in Bad Godesberg weitgehend erreicht waren. Neben dem Kaufhaus Hertie waren das Fronhof-Center und das Aennchen-Center fertiggestellt oder im Bau.

Die alte Burgschule war abgerissen, so auch die alte Feuerwache. Auf der Schweinheimer Höhe stand jetzt das neue Altenwohnheim der Arbeiterwohlfahrt, und unten in der Stadt breitete sich rund um den Theaterplatz die neue Fußgängerzone aus. Hand in Hand mit der Sanierung erfolgten auch zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen zwecks Sicherung alter Bausubstanz.

Die spektakulärsten Einzelbeispiele waren wohl die Versetzung des Schwan'schen Hauses von der Burgstraße zur Redoute, der Wiederaufbau des "Ännchen" und des kurfürstlichen Gärtnerhäuschens, dem heutigen "Redüttchen". Allerdings: Erst mit dem Abriss des Hauses in der Pfarrer-Minartz-Straße 1 1994 war die Altstadtsanierung endgültig beendet.

Umfangreich dokumentiert hat all das Wilfried Rometsch in seinem Buch "Die Geschichte von Bad Godesberg". Sein Fazit: "Man sucht vergeblich nach Spuren dafür, dass die Verantwortlichen für die Altstadtsanierung eine auch nur annähernd wirklichkeitsnahe Vorstellung davon hatten, wie sich Struktur und Erscheinungsbild der Innenstadt nach dem Abzug der letzten Bauarbeiter darstellen könnten."

Und: "Man begnügte sich mit der Feststellung von Missständen im Sanierungsgebiet als Motiv und mit den abstrakt formulierten Zielen zu ihrer Überwindung, obwohl es bei der Altstadtsanierung um eine tief in das Herzstück der Godesberger City einschneidende Operation ging." Den größten Teil der Beschlüsse zur Sanierung fassten die Kommunalpolitiker übrigens einstimmig.