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Erlöser-Kirchengemeinde Bad Godesberg: Angeregte Debatte bei „DenkMahl“

Erlöser-Kirchengemeinde Bad Godesberg : Angeregte Debatte bei „DenkMahl“

Ingwer-Kürbissüppchen, Maultaschen und Dessert und dazu eine Debatte über die Ökumene. Beim ersten "DenkMahl" der Erlöserkirche tauschten die Diskussionspartner nicht nur Nettigkeiten aus.

Was für „eine wunderlich gemischte Schar“, die vor fast 500 Jahren am Esstisch des Martin Luther aß und debattierte, so zitierte Pfarrer Norbert Waschk von der Erlöser-Kirchengemeinde schmunzelnd einen Zeitgenossen des Reformators. „Lassen Sie uns also diese angeregten Tischgespräche ab heute weiterführen“, wünschte er sich im Historischen Gemeindesaal für vier Luther-„DenkMahle“.

Da saßen also Jung und Alt, Glaubensschwestern und -brüder, evangelische und katholische Christen gemeinsam an gedeckten Tischen, auf denen gleich die Suppe dampfen würde. Statt des Wittenberger Kommunikators waren zwei heutige prominente Kirchenvertreter, und zwar ökumenische, geladen. Und die ließen sich nicht lange bitten, über Brot, Butter und Wein sozusagen ihre Thesen in den Saal zu „hämmern“.

Der Protestantismus müsse in der Pluralität seiner Positionen endlich klären, wie er das allgemeine Priestertum der Gläubigen zum besonderen Dienst des ordinierten Amtes stelle, setzte der Bochumer katholische Theologieprofessor Thomas Söding nach den ersten Nettigkeiten in den Raum. „Dies ist ein Schlüsselthema für die Anerkennung als Kirche.“

Ja, gerade seine Rheinische Landeskirche möge doch bitte Laien nicht in alle Beauftragungen schicken, stimmte Thies Gundlach, Vizepräsident in der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit ein. Das bewirke Chaos im Amtsverständnis. Ein Raunen ging durch den Saal. Der Mann aus Hannover kritisierte die Düsseldorfer Kollegen. „Die katholische Kirche kann aber von der evangelischen lernen, dass geistliche Begabung und spirituelle Kompetenz nicht vom Geschlecht oder von der sexuellen Neigung abhängen“, schoss Gundlach nun den Ball zum Katholiken zurück.

Dank weiterer Thesen gab's für den Abend über Ingwer-Kürbissüppchen, Maultaschen und Dessert an den Tischen also jede Menge Gesprächsstoff. Zumal die beiden „Promis“ in der von Imke Schauhoff geschickt moderierten Podiumsdebatte alsbald über die Abendmahlsfrage die Klingen kreuzten.

Widerspruch kam von den Tischen: Sei denn nicht hauptsächlich der Ritus das, was die Schwesternkirchen trenne, und nicht der viel wichtigere gemeinsame Inhalt? Der ökumenische Gesprächsreigen über leckere Speisen, dieses originelle Format, ist also eingeläutet. Nächstes Mal treffen am 5. Mai Juraprofessor Udo di Fabio und der Marburger Theologe Professor Dietrich Korsch aufeinander.