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Grün in Bad Godesberg : Anlieger der Weißenburgstraße wollen keine neuen Bäume

Grün in Bad Godesberg : Anlieger der Weißenburgstraße wollen keine neuen Bäume

Im Flussviertel, in Friesdorf und in Mehlem wollen Anwohner verhindern, dass Bäume wegen Bauarbeiten gefällt werden. Anders an der Weißenburgstraße: Dort gehen Anwohner dagegen vor, dass die Stadt neue Bäume pflanzt.

In der Vergangenheit haben die Bad Godesberger bewiesen, dass ihnen „ihre“ Bäume am Herzen liegen. Im Flussviertel, in Friesdorf oder auch in Mehlem machen Anwohner mobil, um zu verhindern, dass der Bestand im Zuge von (geplanten) Baumaßnahmen gefällt wird. Im Park der Villa Carstanjen trifft sich regelmäßig eine Gruppe, um die alte Blutbuche zu gießen. In der Mühlenstraße machen einige Plittersdorfer mit „Dieser-Baum-verdurstet“-Schildern auf die aktuelle Situation aufmerksam. Und in Bad Godesberg-Nord gibt es Anlieger, die sich darüber ärgern, dass zwar in Rüngsdorf, Villenviertel und Co. neue Bäume die leeren Beete verschönern, entlang der Truchseß- und der Weißenburgstraße aber weiterhin Ödnis herrscht.

Diese Auffassung allerdings teilen nicht alle Anwohner. Das zeigen vier ähnlich lautende Bürgeranträge, die die Bezirksvertretung beschäftigen werden. Sämtliche Anlieger wehren sich gegen den Plan, entlang der Weißenburgstraße, zwischen Friesdorfer und Bonner Straße, 24 neue Bäume zu pflanzen. Denn, so das Hauptargument, durch die Maßnahme würden diverse Parkplätze wegfallen. Ein Problem in der ohnehin von Stellplatzproblemen geprägten Straße. Die Bäume schränkten „den schon jetzt knappen öffentlichen Parkraum immens ein“. Man würde es begrüßen, „wenn die Anwohner an einem Gesamtkonzept zur Gestaltung der Straßen beteiligt würden“, heißt es in einem Antrag.

Anwohner: Zu viele Bäume, zu große Baumbeete

Grün ja, teure, pflegebedürftige Bäume nein, so eine weitere Meinung. Und: Die ungepflegten, heruntergekommenen Beete zu verschönern, sei eine gute Idee, so ein Antragsteller. Aber die Zahl der neuen Bäume und die markierte Größe der Beete „halte ich für absolut überzogen.“

Parkplätze oder Bäume ist eine Frage, die sich im Kurpark nicht stellt. Auf der (autofreien) städtischen Grünfläche wachsen 580 Bäume, insgesamt sind es 120 Arten. Linden, Kastanien und Ahornbäume sind am meisten vertreten. „Im Park gibt es botanische Raritäten wie zum Beispiel den Kolchischen Ahorn“, erzählt Rolf Dung vom Amt für Stadtgrün. Außergewöhnlich seien auch die Sumpfzypresse und die geschlitztblättrige Rosskastanie vor der Redoute, die als Naturdenkmal gelistet ist. Diese hat übrigens Nachwuchs bekommen, der, so Dung, hinter der Stadthalle steht.

 „Wir haben einen gemischten Bestand mit alten und jungen Bäumen, das macht den Park so interessant“, stellt Dung fest. Darunter seien bewusst exotische und heimische Arten gepflanzt worden, um den Erlebniswert der Anlage zu steigern. So könne der Spaziergänger Blütengehölze, wie die Kornelkirsche, Ahornbäume mit besonderen Rindenmustern, Tulpenmagnolien und die Hopfenbuche bestaunen. Überragt werden sie von mehreren Mammutbäumen, die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts im Park stehen. Sie stammen ursprünglich aus Amerika, „um 1850 waren sie in Europa voll im Trend“, sagt Dung.

Neben den markanten Riesen werden auch andere Bäume immer wieder neu gepflanzt. So wurde im Frühjahr 2017 der Bestand verjüngt. Einige Bäume, berichtet Dung, waren altersbedingt in einem so schlechten Zustand, dass sie gefällt werden mussten. Parallel aber wurde für Ersatz gesorgt. Maßnahmen, die sich ausgezahlt haben, betont der Baumexperte: „Der Pflegezustand im Park ist gut.“

Die Bäume im Kurpark werden alle 15 Monate kontrolliert

Damit das so bleibt, werden die Bäume alle 15 Monate kontrolliert, das nächste Mal im Herbst, berichtet Dung. Sicher sei, dass die meisten Bäume die extreme Dürre der vergangenen Jahre gut überstanden haben: „Es ist keine signifikante Häufung von Schäden erkennbar und die Bäume sind verkehrssicher.“ Ein Restrisiko gebe es zwar, aber die Gefahr sei gering. Bewässert werden die meisten Bäume übrigens nicht: „Ist das Wurzelwerk ausreichend gewachsen, können sie aus der Erde genug Wasser ziehen“, erklärt Dung. „In einem normalen Jahr sollte ein Baum ohne zusätzliches Wasser zurechtkommen.“ Problematischer sei es bei jüngeren Bäumen, „die noch keinen richtigen Anschluss in den Erdboden haben“. Diese werden laut Dung von Fachbetrieben extern versorgt „und bis zu 20 Mal im Jahr gegossen“.

Insgesamt kümmert sich die Stadt um mehr als 100 000 Bäume. Um einen guten Überblick über Alter, Größe und Pflegezustand behalten zu können, sind sie digital erfasst. „Das Baumkataster, in dem jeder Baum eine eigene ID besitzt, ist für uns eine wichtige Hilfe um effizient und gezielt zu gestalten zu können“, sagt Dung. So sei für jeden Baum eine schnell abrufbare Kontroll- und Pflegehistorie festgehalten. „Man kann sogar schauen, welche Pflege und Mängel wann und wie bearbeitet wurden.“

Im Kurpark mussten bisher keine Bäume gefällt werden, das könne sich aber durch die Trockenheit in den nächsten Jahren schnell ändern, stellt Dung fest. „Auch Bäume leben von Reserven, wenn sie zu Neige gehen wird es ungünstiger.“ Man müsse das alles im Auge behalten. Aber: „Es gibt Arten die haben einen größeren, andere einen kleineren Wasserstress.“