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Kanalbauarbeiten in der Hochkreuzallee: Anlieger drohen Stadt mit Anwalt

Kanalbauarbeiten in der Hochkreuzallee : Anlieger drohen Stadt mit Anwalt

Eigentlich sollte nur der Kanal neu verlegt werden in der Hochkreuzallee. Doch die Stadt hat festgestellt, dass auch der Straßenuntergrund marode ist und saniert werden muss. Nun drohen den Anliegern noch höhere Kosten.

„Langsam nervt es.“ Marcus Flory ist mittlerweile nicht mehr gut auf die Baustelle in der Hochkreuzallee zu sprechen. Der Anwohner hat wie einige seiner Nachbarn bereits oft genug ertragen müssen, dass bereits morgens um 6 Uhr die Motoren der Maschinen liefen. „Vor allem in den letzten Sommerwochen war das anstrengend“, sagt er.

Bereits seit November letzten Jahres werden in der Hochkreuzallee zwischen Bernkasteler Straße und Südstraße neue Abwasserrohre verlegt. Doch damit nicht genug. Anfang August teilte die Stadt den Anliegern mit, dass bei den Tiefbauarbeiten festgestellt wurde, dass der Straßenuntergrund mangelhaft sei. Folge: Entgegen der geplanten Baumaßnahme müsse nun auch dieser Untergrund erneuert werden.

Längere Bauarbeiten und höhere Kosten

Für die Anwohner bedeutete das, eine Verlängerung der Bauarbeiten um mindestens zwei Wochen bis Mitte Oktober und vor allem zusätzliche Kosten. „Ich wette, dass sich dahinter ein Muster verbirgt“, sagt Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn (BBB). Es sei nicht das erste Mal, dass die Stadt während Kanalbauarbeiten Straßenunterbauten für miserabel erklärt und dann die Anwohner zur Kasse bittet.

In der Herder- und in der Seufertstraße sei den Anliegern das schlechte Fundament der Straße auch erst im Laufe der Arbeiten mitgeteilt worden, so Schmitt. „Das ist doch eine Masche“, empört sich Schmitt und hat mit seiner Fraktion deshalb vergangene Woche eine Große Anfrage bei der Stadt gestellt: Ist die Erneuerung der Tragschicht jetzt wirklich notwendig und um wie viel höher werden die Kosten der gesamten Baumaßnahme durch die zusätzlichen Arbeiten sein?

Die Antworten auf solche und weitergehende Fragen blieben bisher aus und auch das Presseamt der Stadt Bonn wollte auf Nachfrage des General-Anzeigers am Dienstag nicht auf das Thema eingehen. Vizestadtsprecher Marc Hoffmann verwies auf die Große Anfrage des Bürger Bunds. Vor deren Beantwortung wolle man dazu keine Stellungnahme abgeben.

Bürger Bund: Die Anlieger wissen nicht, was ihnen blüht

Dass die Tragschicht jetzt plötzlich erneuert werden müsse und die Kosten dafür auf die Anwohner abgewälzt würden, spare der Stadt Geld, so Schmitt. „Die Anlieger hingegen wissen gar nicht, was ihnen da blüht.“

Das stimmt so nicht ganz. Denn einige ahnen bereits durchaus, dass Mehrkosten auf sie zukommen können, und haben sich deshalb mit Nachbarn zusammengeschlossen. Sollte die Stadt von ihnen einen höheren Anliegerbeitrag als die ursprünglich vorgesehenen rund 9000 Euro verlangen, werden sie einen Anwalt einschalten.

„Dass die Stadt das so versucht, ist klar. Aber ich werde davon gar nichts zahlen“, sagt auch Flory und fügt hinzu: „Man hätte hier ein ganzheitliches Sanierungskonzept durchführen müssen. Dann wären viele von uns sicher auch bereit gewesen, mehr zu zahlen. Aber doch nicht so im Nachhinein.“

Stattdessen werde seit Jahren immer wieder nur partiell ausgebessert. Die Hochkreuzallee sei eben eine Allee und die Wurzeln der Platanen seien nicht zu übersehen. „Gerade der Fahrradweg ist so ein Problem“, sagt Flory und wünscht sich wie einige aus der Nachbarschaft zumindest für das nächste Mal eine sinnvolle und von vorne herein gut kalkulierte und besser kommunizierte Baumaßnahme. „Das muss doch möglich sein“, sagt Flory.