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Mehlemer Entlastungskanal: Arbeiten ruhen - der Rhein ist zu hoch

Mehlemer Entlastungskanal : Arbeiten ruhen - der Rhein ist zu hoch

Die Arbeiten am Entlastungskanal für den Mehlemer Bach ruhen, weil der Rhein zurzeit zu viel Wasser führt. Dennoch liegen sie nach Angaben der Stadt Bonn im Plan.

Eine 15 Meter breite Schneise aus matschigem Erdreich zieht sich vom Spielplatz des Drachensteinparks nahe der Villa Schnitzler bis hinunter zum Rhein. Dort, wo die Nibelungenstraße hindurch verläuft, stehen sich zwei weiße Schaufelbagger mit gesenkten Armen gegenüber. Drüben, auf der anderen Seite des Rheins, blickt die Drachenburg von ihrer Anhöhe auf die Baustelle hinab. 28 Kanalröhren mit einem Durchmesser von drei Metern stehen wie vergessene Giganten innerhalb der Bauumzäunung und warten darauf, im Erdreich versenkt zu werden. Rohre, Schläuche und mit Regenwasser gefüllte Furchen säumen das Gelände.

Gebaut wird im Drachenpark seit November in offener Bauweise auf 310 Meter Länge vom Rhein ausgehend in Richtung Mainzer Straße ein Teilstück des Entlastungskanals, der das Hochwasserrisiko in Mehlem reduzieren soll. Anschließend werden in einem zweiten Bauabschnitt weitere 740 Meter Stahlbetonrohre vom Drachensteinpark bis zur Bachemer Straße verlegt. Der Kanal soll unter den Gleisen der Deutschen Bahn und der B9 führen und den Hochwasserschutz am Mehlemer Bach verbessern.

Zurzeit ruhen die Arbeiten allerdings. Grund dafür ist seit Anfang Februar der Rheinpegel. Laut Stadt dringt bei steigendem Pegel Rheinwasser über die Mündung in den Entlastungskanal ein. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Baugrube vom Rhein aus geflutet werde. Der Kanal könne auch nicht verschlossen werden, um dies zu verhindern, da sonst ein Auftrieb entstehen würde. Regen, ausgenommen Starkregen, würde die Bauarbeiten hingegen nicht verzögern. Weil entgegen der späteren Fließrichtung des Wassers gebaut werde, komme kein Regenwasser im Entlastungskanal an und der Kanal bleibe nahezu trocken.

Wann die Arbeiten wieder losgehen, sei zurzeit nicht absehbar. Nach Angaben der Stadt liegen sie aber im Zeitplan. Die Bauzeit für die ersten beiden Bauabschnitte sei bis Ende Mai vorgesehen und werde voraussichtlich eingehalten. Auch liege die Maßnahme bislang vollständig im Kostenrahmen.

8,2 Millionen Euro soll der Bau insgesamt kosten. Für den ersten Abschnitt, die Verlegung der Rohre im Drachensteinpark, sind 1,32 Millionen Euro veranschlagt. Ende 2017 soll der Entlastungskanal fertig sein. Nach seiner Fertigstellung soll er in der Lage sein, bis zu 54 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abzuführen. Laut Stadt entspricht das der Niederschlagsmenge des Unwetters vom 3. Juli 2010. Damals hatte ein Jahrhunderthochwasser große Schäden in Mehlem und Wachtberg verursacht. Im Anschluss werden die offenen Fließstrecken des Baches sowie die Rohre zwischen Mainzer Straße und Rhein saniert. Das soll bis Ende 2018 geschehen und weitere drei Millionen Euro kosten.

An der Uferpromenade des Rheins sind an diesem verregneten Vormittag nur vereinzelt Spaziergänger unterwegs. Die Bauarbeiten seien zwar nicht schön aber notwendig, sagt ein Ehepaar, das sich noch an das Unwetter 2010 erinnert und daran, wie das Wasser Straßen überschwemmte. Im Park selbst sind hingegen keine Passanten zu sehen. Ein Großteil des Areals ist Baustelle und von Bauzäunen umgeben.

Damit es im Drachensteinpark nach Abschluss der Arbeiten wieder ansehnlich aussieht, begleitet ein Landschaftsplaner den Bau des Entlastungskanals. Er prüft die Maßnahme aus ökologischer und landschaftsplanerischer Sicht und soll die ordnungsgemäße Wiederherstellung des Parks leiten. Außerdem hat die Stadt die Denkmalbehörde eingebunden, weil die Brunnenanlage, der alte Baumbestand und die Sichtachse von der Villa Schnitzler aus zum Drachenfels als gestalterisch wertvoll gelten.