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Musikklub "Underground": Auch die Scorpions standen auf der Bühne in Muffendorf

Musikklub "Underground" : Auch die Scorpions standen auf der Bühne in Muffendorf

Das "Underground" war legendär - und verrucht. Vor 40 Jahren wurde der Musikclub auf öffentlichen Druck hin geschlossen.

Allein der Name! "Underground". Der reichte Eltern damals schon, um zu erschaudern. Der legendäre Club an der Muffendorfer Hauptstraße musste sich nach etwas mehr als fünf Jahren dem enormen Druck beugen und schloss heute vor 40 Jahren endgültig seine Türen.

"Wir haben Demos organisiert, sind mit Megafonen auf die Straße gegangen - genutzt hat das alles nichts", sagt Juppi Schaefer. Heute kann der 67-Jährige drüber schmunzeln. Lustig fand der damalige Betreiber das nicht.

"Heute hat es die sogenannte populäre Kultur ja viel einfacher als wir damals", meint er. "Heute überträgt ja sogar das Fernsehen Konzerte aus der "Harmonie". Uns hat man damals nur Knüppel zwischen die Beine geworfen. Andauernd stand das Ordnungsamt in der Tür, dann kam die Bauaufsicht und die Feuerwehr. Die haben ja die Krise gekriegt, wenn die all die Matratzen gesehen haben."

Der Saal, der rund 400 Leute aufnahm, war damit ausgelegt. So mancher schlich sich von zu Hause weg, um einmal eine der großartigen Bands zu sehen, die Juppi Schaefer ins beschauliche Muffendorf holte.

Nektar mit ihrer beeindruckenden Lichterschau, Guru Guru mit Schlagzeuger Mani Neumeier, der so manches Fabelwesen auf der Bühne zum Leben erweckte.

Uriah Heep, die damals schon eine große Nummer war, die deutschen Rockhoffnungen Birth Control, Scorpions oder Frumpy. Das Underground erlangte jedenfalls schnell einen Ruf, der weit über die deutschen Grenzen ging.

Wer weiß - ohne das "Underground" würde es heute die "Harmonie" in der heutigen Konzeption vielleicht nicht geben. "Das waren unsere ersten Live-Erfahrungen", so Wolfgang Koll, einer der drei Betreiber der "Harmonie". Er kann sich noch gut an die ersten Konzerte im "Underground" erinnern.

"Das war eine Institution, es war ein nicht wegzudenkender Teil und kultureller Spielort einer ganzen Jugendbewegung", so Konzertveranstalter Ernst-Ludwig Hartz aus Bad Godesberg.

"Hier wurde der Grundstein für so manche berufliche Vorentscheidung gelegt. Ohne das “Underground„ wäre ich nicht Konzertveranstalter geworden."

"Die Liebe zur Live-Musik und dessen Umfeld habe ich zweifelsohne dem “Underground„ zu verdanken", sagt auch der ehemalige "Rockpalast"-Regisseur und Produzent Gerd F. Schultze, der für Künstler wie die Scorpions, Joe Cocker, Bryan Adams oder Linkin' Park Konzertaufzeichnungen produziert, die weltweit auf DVD oder Blu-Ray ausgewertet werden.

Schultze und Hartz wollen Juppi Schaefers "kulturelle Leistungen" und die Bedeutung des "Underground" nicht in Vergessenheit geraten lassen. "Das war ja nicht nur ein wesentlicher Bestandteil der Kulturgeschichte Bad Godesbergs und der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn, sondern auch einer ganzen Generation", sind die beiden überzeugt. Schultze: "Wir wollen den Spirit des “Undergrounds„ weiterleben lassen." Dazu gehören Konzerte von The Pretty Things und Nektar sowie weiteren Bands, die seit dem Underground in Bonn ein Stück musikalisches Zuhause und ein generationsübergreifendes Publikum gefunden haben. Geplant sind weitere Konzerte mit "Underground"-Künstlern in der Harmonie, Aktionen und ein Film über den legendären Club.

Juppi Schaefer denkt nicht nur an die Bands, die einst bei ihm spielten. Etwa an Queen, die eines Tages mit ihrer Plattenfirma unangemeldet vor ihm standen. "Das “Underground„ war viel mehr als ein Club", sagt er. "Da kamen Leute aus Dortmund, Wuppertal und weiß ich woher. Sie kamen freitags, schliefen im Saal und fuhren sonntags wieder weg. Es war eine richtige Gemeinschaft."