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Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste in Bonn: Auch in Deutschland sind sie Brückenbauer

Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste in Bonn : Auch in Deutschland sind sie Brückenbauer

Die Bonner Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste informierte am Mittwoch über Entwicklungshilfe im Ausland. Auf dem Tagungspodium war man sich einig: Die Rückkehrer sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt gern gesehen.

Warum Dariush Ghobad 2013 für drei Jahre als Entwicklungshelfer nach Kambodscha ging? Das habe mit seiner Angst vor Spießigkeit zu tun, hat der heute 45-Jährige in der am Mittwoch auf einer Tagung im Gustav-Stresemann-Institut präsentierten Publikation „Die Welt im Gepäck“ erzählt. Veranstalter der Tagung und Herausgeber der aktuellen Studie war die Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste (AGdD).

„Wenn wir als Familie ins Ausland gehen, dann sollte das eine Sinnhaftigkeit und Relevanz haben“, so Ghobad. „Für mich war das definitiv kein Karriereknick, sondern vielmehr eine wertvolle Erfahrung für den weiteren beruflichen Weg“, sagt der Rückkehrer heute. Er arbeitet nun als Führungskraft für die Caritas und saß am Mittwoch auf dem Tagungspodium. „Weil wir jetzt als Fürsprecher der Entwicklungszusammenarbeit in unsere Gesellschaft hineinwirken müssen“, so der 45-Jährige.

Glückliche Neueinstiege in den hiesigen Berufsalltag wie seiner sind natürlich nicht die Regel. Die Hälfte der an die 900 Befragten gab in der Studie an, dass sich ihre berufliche Situation zwei Jahre danach verbessert habe. Fast zwei Drittel würden sofort wieder ins Ausland gehen. Andere erklärten in der Studie aber, die Arbeitssuche danach als belastend erlebt zu haben, informierte die AGdD-Geschäftsführerin Gabi Waibel.

Herausforderungen für Familienangehörige

Auch für die Familienangehörigen gehe die Rückkehr mit vielen Herausforderungen einher. „Rund 40 Prozent der derzeit rund 1000 Entwicklungshelfer sind mit Familie im Ausland“, so Waibel. Bei der Rückkehr sei das Förderungswerk der AGdD die Anlaufstelle. „Wir haben sehr spezifische Angebote, die auf genau diese Zielgruppe zugeschnitten sind.“ Der Dachverband vertritt von Bonn aus die sieben staatlich anerkannten Träger deutscher Entwicklungsdienste.

Auf dem Podium hatte Waibel auch Heiner Nolte von der Bonner Agentur für Arbeit geladen. „Zurückgekehrte Entwicklungshelfer sind meine liebste Bewerbergruppe“, meinte der Arbeitsvermittler unter Beifall. Sie seien interdisziplinär unterwegs, könnten improvisieren, wüssten, sich zu verkaufen und hätten klare Zielsetzungen.

Wirtschaft benötigt mehr soziale Kompetenz

Antje Schultheis vom Bonner Jobportal Spinnen-Netz sagte, sie erlebe Bewerber mit dieser Auslandserfahrung ebenfalls als bereichernd. „Bei denen gibt es kein Klein-klein-Denken.“ Christian Kampfer von der Bonner Unternehmerberatung Madiba Consult betonte, ehemalige Entwicklungshelfer besäßen zudem das, was in der heutigen Wirtschaft zu wenig ausgeprägt sei: soziale Kompetenz. „Sie sind ein besonderer Schatz. Sie sind auch in unserer Gesellschaft fähig, wichtige Brücken etwa auch zu Flüchtlingen zu bauen“, ergänzte Kampfer, der sich anschließend selbst als Rückkehrer entpuppte.

„Heutigen Entwicklungshelfern geht es im Kern um ihren persönlichen Beitrag, sich bei der Überwindung von Ungerechtigkeit, Armut oder Konflikten einzubringen“, erklärte Waibel den Wert des Dienstes auch für die hiesige Gesellschaft. „Es geht Entwicklungshelfern darum, Institutionen, Kulturen und Menschen besser zu verstehen, also im gemeinsamen Handeln, Leben und Arbeiten dazuzulernen.“

Voraussetzung für den Dienst sind laut Waibel eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie Berufserfahrung. Die durchschnittliche Dienstzeit liege bei 33 Monaten. Seit den 1950er Jahren hätten insgesamt 32.000 Entwicklungshelfer auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland vorbildliches soziales Engagement bewiesen, betonte Waibel. „Das hat durchaus eine politische Dimension.“