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Futurecamp der Godesberger Siebengebirgsschule: Auch Roboter brauchen Grenzen

Futurecamp der Godesberger Siebengebirgsschule : Auch Roboter brauchen Grenzen

Im Futurecamp lernen Siebengebirgsschüler digitale Kompetenzen. Dort steht kein Schulstoff auf dem Lehrplan, sondern die Schüler können viel selbst ausprobieren.

Der 3D-Drucker surrt sonor vor sich hin und erfüllt die Aufgabe, die er an diesem Morgen von einem Teilnehmer des Futurecamps erhalten hat. In Grün entsteht eine Büste aus einem japanischen Comic. Am ersten Tag des Camps, das Siebengebirgsschule, Godesheim und die gemeinnützige Gesellschaft stadtgrenzenlos veranstalten, hat Mischka die moderne Druckerart, die plastisch arbeitet, nicht mal gekannt. „Jetzt kann ich alle Schritte selbst durchführen, um am PC ein Mini-Schwert zu erstellen und dies dem Drucker weiterzugeben“, sagt der Zwölfjährige stolz.

Dass er in einem Standort seiner Schule in Schweinheim sitzt, während Kumpel freihaben, macht ihm nichts aus. „Genau darauf setzen wir, auf die Freiwilligkeit“, erklärt Schulleiter Achim Bäumer am Freitag. Das Camp ist eine Art Corona-Projekt, das sich Schule und Godesheim, in dem einige Schüler wohnen, ausgedacht haben. „Wir waren ja vom Land aufgefordert, in den Ferien etwas anzubieten, um Versäumtes nachzuholen“, so der Schulleiter. Herausgekommen ist ein Programm, in dem sich zwölf Fünft- bis Siebtklässler Themen wie 3D-Modellierung und Druck, Geocaching sowie Robotik und Programmierung widmen.

Kinder sollen lernen, Dinge zu produzieren und nicht zu konsumieren

Doch auch wenn die Digitalisierung künftig immer wichtiger wird, wäre Deutsch und Mathe nicht besserer Lernstoff? Nein, sagt Bäumer, dann wäre die Akquise viel schwieriger gewesen, denn die Schüler sollten sich freiwillig melden. „Wir möchten hier Struktur und Gemeinschaft geben sowie eigenverantwortliches Lernen allein und in Gruppen fördern“, betont er. Die Kinder könnten lernen, Dinge zu produzieren und nicht nur zu konsumieren.

Dass dem so ist, macht zu großen Teilen das Godesheim möglich, das nicht nur den finanziellen Teil regelt. Über das Projekt „stadtgrenzenlos“ der evangelischen Jugendhilfe, das dem Nachwuchs Medienkompetenz beibringt, sind direkt die Fachleute wie Paul Graf mit an Bord. „Uns schwebte schon lange ein Ferienprojekt mit der Siebengebirgsschule vor, denn wir kooperieren ja auch sonst viel“, so Graf, der seit sechs Jahren dabei ist. Bäumer, seit acht Jahren Chef der Schweinheimer Bildungseinrichtung, hat nie verstanden, warum Schulen in den Ferien leer sein sollen: „Deshalb arbeiten wir gerade an einer Fortsetzung für den Herbst, die Physikräume zu öffnen, wäre herrlich.“

Digitale Plattform war sogar für Deutschen Schulpreis nominiert

Dass Lennard gerade daddelt, ist für alle Betreuer mehr als okay. Denn der Zwölfjährige hat sich den Roboter selbst programmiert. Deshalb ist nicht entscheidend, dass die „Musik“ eher eine Abfolge von Tönen ist, sondern, dass er sie sogar auf Endlosschleife setzen kann. Doch Lennards „Schüler“ zeigt Eigenheiten, vor allem im Parcours auf dem benachbarten Tisch. „Der ist wie ein Bulldozer und reißt alles weg.“ Beim nächsten Mal wird er dem Roboter engere Grenzen vorgeben.

Zurück zu Deutsch und Mathe. In allen Fächern können sich die Siebengebirgsschüler über die digitale Plattform, die fast den Deutschen Schulpreis abgesahnt hätte, in den Ferien weiter fit machen. „Unsere Schüler brauchen nicht sechs Wochen lang gar nix“, betont Bäumer den Bedarf seines Klientels.