1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Friedenswoche in Plittersdorf: Aus der Mauer eine Treppe bauen

Friedenswoche in Plittersdorf : Aus der Mauer eine Treppe bauen

Die Hebo-Privatschule in Plittersdorf führt mit ihren Schulkindern eine vom Forum ZFD organisierte Friedenswoche mit Theater, Workshops und Vorträgen durch.

Vor den Mitschülern darüber zu sprechen, dass man früher an der Schule „Stinktier“ genannt wurde, ist mutig und spricht dafür, dass die Klassengemeinschaft funktioniert. Für den Schüler der Hebo-Privatschule war das soweit nicht schlimm, solange es Freunde waren, die ihn so genannt hatten. Aber jüngere Schüler hätten das mitbekommen und einfach auch gemacht, ohne ihn zu kennen, und das sei kränkend gewesen, berichtete er beim Workshop „Wie geht eigentlich Frieden?“, den in dieser Woche alle Schüler mitmachen.

Kränkung als Baustein

„Kränkung“ war ein Baustein der Mauer, die er und seine Klassenkameraden der 9a in der Unterrichtsstunde mit Workshopleiter Guido Küßner aufbauten. Es ging darum, was ein friedliches Miteinander einschränkt oder gar gefährdet, wie Rassismus, politische oder religiöse Meinungen, sexuelle Neigungen, Vorurteile, Diskriminierung, Gruppenzwang oder auch Mobbing. Die Schüler sollten das alles auf Zetteln zusammentragen und als Mauer an die Tafel kleben. Da kamen einige Erfahrungsberichte zusammen, denn viele der Schüler sind an der Hebo-Privatschule, weil sie an einer anderen Regelschule nicht zurechtkamen, sei es im Unterricht oder mit den Mitschülern. Mobbing sei ein zentrales Thema an der Schule, erklärte Klassenlehrerin Andrea Schwark. „Man muss dabei sehen, dass viele, die von öffentlichen Schulen kommen, Mobbingopfer sind. Und wenn wir die dann hier aufnehmen, dann ist bei einigen schon der Reflex: Jetzt mobbe ich.“ Denen halte man in vielen Gesprächen den Spiegel vor: „Du weißt, wie sich dein gegenüber fühlt, wenn du es mobbst, du hast es ja selbst erfahren.“ Küßner fühlte mit den Betroffenen. „Das zu ertragen macht in der Seele krank.“ Deshalb sei es wichtig, das Problem nicht runterzuschlucken, sondern sich den Lehrern mitzuteilen.

Beeindruckt vom Mitmach-Willen

Schwark war beeindruckt davon, wie gut die Schüler mitmachten. Für Maurice (17) war das eine wichtige Erfahrung, diese Mauer zu errichten, „damit man klar machen kann, was das Problem ist, und mit anderen darüber regen kann, was geht und was nicht geht“. Probleme gebe es an der Schule genug, sagte Nic (15). „Ausgrenzung, Diskriminierung, eigentlich alles Mögliche, auch wegen der LGBTQ-Community, aber auch wenn Leute sich anders kleiden.“ Im Klassenverband gebe es aber kaum Probleme damit, meinte Ryan (16). Provoziert werde nur aus Spaß. „Das mit der Mauer bringt einen wirklich dazu, noch mal zu reflektieren, wenn man etwas nur aus Spaß sagt, dass man noch mal überlegt, was man sagt oder ob das vielleicht jemanden verletzt“, meinte Nic.

Die Mauer muss eingerissen werden

Im Workshop ging es dann darum, die Mauer einzureißen und zu den Schlagworten Lösungen zu finden: etwa indem man Menschen nicht bewertet, auf andere zugeht, Kompromisse schließt, mehr Dialog zwischen Schülern und Lehrern wagt, Akzeptanz statt Ausgrenzung und dergleichen. Diese Lösungen wurden auf die Rückseiten der Zettel geschrieben und aus diesen entstand dann eine „Friedenstreppe“. Einstig in die Workshopstunde war, dass Küßner ihnen erklärte, warum es eine Mauer zwischen Israelis und Palästinensern gibt. Das Thema Ukraine wurde nur gestreift, die Schüler sollten die Konflikte in ihrem Umfeld beschreiben. „Das finde ich ganz wichtig, immer in die Lebenswelt der Kinder einzutauchen“, sagte Referent Küßner.

Zur Projektwoche gehörten auch ein Theater- und ein Filmworkshop und ein Erlebnisbericht eines syrischen Flüchtlings. Organisiert wurde alles von Christine Lieser vom Forum Ziviler Friedensdienst (ForumZFD). Der führt in Bonn und anderen Städten normalerweise im September Friedensläufe durch, die aber coronabedingt ausfielen. Stattdessen kam man auf die Idee der Friedenswoche.