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Spielzeugmarkt in der Stadthalle: Aus Liebe zum Detail

Spielzeugmarkt in der Stadthalle : Aus Liebe zum Detail

Der Spielzeugmarkt in der Bad Godesberger Stadthalle war auch dieses Jahr ein Erfolg. Vor gut einem Jahr war selbst "der Bundeskanzler in spe" hier auf dem Markt, erinnert sich der Veranstalter Jürgen Wörner. Der Bad Godesberger Peer Steinbrück sammle selbst. "Also nicht Eisenbahnen, aber irgendeine andere Spezies."

Gedankenversunken streicht Raimund Grabitz auf dem Modellspielzeugmarkt über den kleinen Eisenbahn-Kesselwagen. "Noch echte Blechverarbeitung, kein Kunststoff und funktionstüchtig dazu", erläutert der pensionierte Maschinenbauingenieur. Für seine Modelleisenbahn-Anlage zu Hause müsste dieses Schätzchen doch wunderbar in die Sammlung passen. "Obwohl ich alles ja nur zu Weihnachten aufbauen darf. Wir haben halt zu wenig Platz", sagt Grabitz, schmunzelt und entscheidet sich für den Kauf.

"Ein bisschen Handeln muss aber sein", meint der Liebhaber. Und ersteht das gute Stück nebst Zubehör für 75 Euro. Sorgfältig verpackt der Händler die Ware. Denn Grabitz will ja noch weiter auf der Messe stöbern. 55 Händler aus ganz Deutschland haben sich an diesem Sonntag mit ihren Modelleisenbahnen, Modellautos, Zubehör und alten Blechspielzeugen eingefunden.

"Die Godesberger Stadthalle ist immer noch ein guter Standort für einen schwieriger werdenden Markt", sagt Veranstalter Jürgen Wörner von der Adler Märkte GmbH. An die 500 hauptsächlich "große und kleine Jungs" könne er hier pro Termin aus Bonn und dem gesamten Umland begrüßen.

"Der echte Liebhaber fährt dafür auch seine 300 Kilometer. Da ist der schmerzfrei. Denn er will ja alle Modelle haben." Etwa wie der Herr da vorne. Wörner zeigt auf einen Mann, der mit seinem Handwagen durch die Reihen streift. Er käme jedes Mal, packe dann am Stand seine Listen aus und schaue nach, ob er die entsprechenden Modelle dann nicht doch schon in seiner Riesensammlung habe. Aber wenn auf Händlerseite jemand seinen Bestand etwa aus Platzgründen abgeben müsse, dann könne der Mann immer wieder seine Kollektion ergänzen, sagt Wörner. Vor gut einem Jahr war auch "der Bundeskanzler in spe" hier auf dem Markt, sagt Wörner dann. Der Bad Godesberger Peer Steinbrück sammle selbst. "Also nicht Eisenbahnen, aber irgendeine andere Spezies."

So herrliches Wetter wie am Sonntag könne der Veranstaltung natürlich auch einen Strich durch die Rechnung machen. "Da darf der Mann dann nicht zur Modellspielzeugmesse. Die Frau will ja ins Freie", zuckt Wörner mit den Achseln. Außerdem bestünden in der Branche Nachwuchsprobleme. Die Sammler kämen halt in die Jahre. Nachwuchs sei kaum zu begeistern.

Da sticht ein junger Mann wie Jan-Patrick Steincke besonders heraus. Der Wirtschaftsingenieur-Student beugt sich gerade über die roten LS Eisenbahn-Modelle der 80er Jahre. "Sehen Sie mal hier die Details, wie aufwendig die gemacht sind. Davon gibt es nur rund 300 Stück." Die Augen des "Vitrinensammlers" glänzen.

Doch sein Portemonnaie wird für das Prachtstück heute nicht groß genug sein. Daneben prüft Paul Merton eine Palette von älteren Miniautos: "Spur N, im Maßstab 1:160", kommt es fachmännisch rüber. Der Vorteil seiner Lieblingsmodelle sei ja, dass er davon viermal so viele wie normale Modellautos unterbringen könne. "Leider kosten die aber genauso viel", bedauert er dann. Sorgfältig prüft er die Wägelchen. "Und irgendwie kommen ja beim Sammeln auch die Erinnerungen an die Kindheit wieder hoch."