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Schau "The Middle Passage": Auseinandersetzung mit der Sklaverei

Schau "The Middle Passage" : Auseinandersetzung mit der Sklaverei

Künstlerin Cheryl McIntosh zeigt in einer zur Galerie umfunktionierten Privatwohnung ihre Malerei.

Das großformatige, in Rottönen gehaltene Bild liegt auf dem Boden und zeigt eine verletzte Person - am Rand ist ein abgehackter Fuß zu erkennen: Dass sich mancher Betrachter spontan an einen Tatort erinnert fühlt, ist von der Künstlerin dennoch so nicht beabsichtigt: "Ich wollte die Verletzung zeigen und dass das Opfer am Boden liegt", erläuterte Cheryl McIntosh.

Das Werk war nur eines von mehreren Dutzend Gemälden, die die 56-Jährige seit Mittwochabend in einer vorübergehend zur Galerie zweckentfremdeten Privatwohnung in der Godesberger Dechant-Heimbach-Straße zeigt.

"The Middle Passage" heißt die Schau, bei der die Künstlerin noch bis zum 26. Januar die zwischen 2015 und 2017 entstandenen Arbeiten zeigt. Der Begriff bezeichnet im Kontext des sogenannten "Dreieckshandels", die Route, auf der Sklaven aus Afrika über den Atlantik nach Amerika gebracht wurden.

Als Dreieckshandel bezeichnet man ein Erklärungsmodell für den transatlantischen Handel der frühen Neuzeit, in der die versklavten Afrikaner genau wie Baumwolle oder britische Fertigprodukte als Ware betrachtet wurden. In Jamaika geboren und heute in Deutschland lebend, hat die studierte Raumplanerin über zehn Jahre in Afrika gelebt und gearbeitet: "Inhaltlich beschäftige ich mich in meiner Kunst mit dem Sklavenhandel sowie der Sklaverei an sich", sagt McIntosh am Rande der Vernissage.

Sie trage wie viele Jamaikaner das Erbe von Opfern und Tätern in sich: "Ich habe erst vor kurzer Zeit erfahren, dass einer meiner Ahnen, dem ich auch meinen Nachnamen verdanke, aus Schottland stammt", so McIntosh. Die meisten der ausgestellten Werke sind nicht nur reine Acrylmalereien, sondern verdanken ihre besondere Wirkung dem Ruß von Kerzen, mit dem die Künstlerin die dunklen Teile der Leinwand vor dem Farbauftrag schwärzte.

So entstand eine Reihe von beeindruckenden Bildern, die ob ihrer Dominanz von Schwarz- und Rottönen oft eine beängstigende Wirkung erzielen. "Durch meine Zeit in Ghana, Benin und Tunesien spürte ich den Drang, Verständnis für die schwarze Bevölkerung und ihre Ahnen zu entwickeln", so McIntosh.

In der historischen bildenden Kunst würden schwarze Menschen oft als unterwürfig, clownesk oder dämonisch dargestellt. Im Gegensatz dazu versuche sie, diesen Menschen ein Gesicht oder eine Identität zu geben.

Die Schau "The Middle Passage" ist bis zum 26. Januar in der Dechant-Heimbach-Straße 62 montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.