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Bad Godesberg: Abschied im Päda - Schulleiter Mirgartz und Geschäftsführer Kühne verlassen Otto-Kühne-Schule

Verabschiedung in Bad Godesberg : Schulleiter und Geschäftsführer verlassen das Päda

Schulleiter Willi Mirgartz und Geschäftsführer Christian Otto Kühne nehmen Abschied vom Päda in Bad Godesberg. Die beiden 64-Jährigen haben das altehrwürdige Privatgymnasium über Jahrzehnte erlebt und geprägt. Ihre Nachfolge ist bereits geregelt.

Über Jahre haben Willi Mirgartz und Christian Otto Kühne, beide 64 Jahre alt, ihren beruflichen Alltag Tür an Tür verbracht. In der altehrwürdigen Otto-Kühne-Schule, seit gefühlter Ewigkeit allgemein bekannt als „Päda“, sind sich der Direktor und der Geschäftsführer der Trägergesellschaft auf vielen Ebenen begegnet – in den zahlreichen Belangen des Schullebens und eben auch räumlich. Noch teilen sie sich ein Vorzimmer mit Abzweig zu ihren jeweiligen Büros im Pädagogium. Diese werden sie allerdings in naher Zukunft räumen.

Mirgartz geht nach 32 Dienstjahren am Päda in Rente, damit endet auch seine Zeit als Direktor nach acht Jahren mit dem Schuljahr. Kühne, Spross der Gründerfamilie des privaten Gymnasiums, ist noch bis zum kommenden Jahr präsent. Verabschiedet werden sie aber jetzt schon gemeinsam an diesem Donnerstag bei einer Feierstunde in der Schule.

Als Einheit im Sinne des Gründers fungiert

„Wir haben als Einheit funktioniert“, sagt Mirgartz auf die Frage nach dem Verhältnis zu seinem Büronachbarn, der außerdem sein Chef ist. Er, der pädagogische Leiter, habe immer das Wohlwollen gespürt, mit dem Kühne, Urenkel des Gründers und Namenspatrons, der pädagogischen Umsetzung begegnet sei. „Willi Mirgartz hat das Haus im Sinne der Ideen geführt, die mein Urgroßvater hier etabliert hat“, sagt Kühne im Gegenzug. Im Büro der Geschäftsführung ist eine ganze Menge von dem Ambiente zu spüren, was dieser Ort innen wie außen versprüht. Die historische Substanz des markanten Backstein-Gebäudes aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende beherbergt aber auch längst moderne und digitale Unterrichtsmittel, betont der scheidende Direktor.

„Ich führe das Unternehmen gemeinsam mit meinem Bruder, Herr Mirgartz kümmert sich um das Pädagogische“, formuliert Kühne knapp das Aufgabenverhältnis der beiden. Seine Familie lenkt die Geschicke der Schule seit mehr als 130 Jahren, als Professor Otto Kühne erst Leiter und dann Eigentümer des 1883 gegründeten Pädagogiums wurde. Unternehmen – dieser Begriff sorgt bisweilen und durchaus nachvollziehbar für Irritation, wenn er im Zusammenhang mit einem Gymnasium verwendet wird. Als Ersatzschule mit privatem Träger sei man losgelöst vom staatlichen System und dessen Lehrplänen. „Wir haben die Möglichkeit, eine eigene Art und Vorstellung von Schule umzusetzen“, sagt Mirgartz.

Musischer Schwerpunkt zeichnet das Päda aus

Ein zentrales Element sei Mitbestimmung. „Wir können selbst entscheiden, wen wir einstellen. Und wir können die Inhalte und die Organisation der Bildung vor Ort steuern.“ Dazu gehört seit langem ein musischer Schwerpunkt, kulturelle Bildung und aktive kreative Gestaltung, etwa mit Kunst und Theater. „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“, zitiert Kühne aus dem Selbstverständnis. „Wir diskutieren und pflegen den Austausch auf vielen Ebenen. So intensiv ist dies in Schulen in öffentlicher Trägerschaft gar nicht möglich, das zeigt der Austausch mit Kollegen von dort.“

Den künftigen emeritierten Schulleiter hatte das „Päda“-Konzept vor mehr als drei Jahrzehnten überzeugt. „Zum Ende meines Referendariats erfuhr ich vom Konzept des Päda und von der Perspektive, dort zu arbeiten“, sagt Mirgartz, der aus Eschweiler bei Aachen stammt. Seine Neugier war geweckt, in der Folge schlug er eine Stelle an einer öffentlichen Schule im Ruhrgebiet aus und wagte das „mittlere Abenteuer“ in Bad Godesberg. Seitdem unterrichtet er Mathematik und Physik, „natürlich weniger, seitdem ich Schulleiter wurde.“

Erfahrungen helfen bei der Führung einer Schul-GmbH

Der scheidende Geschäftsführer ist selbst ehemaliger Päda-Schüler, „ich wusste also, auf was ich mich einlasse“, sagt Christian Otto Kühne mit einem Lächeln. Vor ihm waren vor allem „Externe“, also Nicht-Familienmitglieder auf dem Chefsessel präsent. Die Familie ist in verschiedene Unternehmensstrukturen involviert, unter anderem bei der Audax Verwaltung GmbH, zu der auch die Trägergesellschaft des Päda gehört. „Ich habe mich damals erst einmal umgesehen, bevor ich hier meine Rolle übernommen habe“, sagt Kühne und meint Ausflüge in Wirtschaft und Verwaltung. „Ich wollte möglichst viel lernen, um auf die vielfältige Aufgabe vorbereitet zu sein.“ Was diese Aufgabe ausmacht? „Die Vielfalt eben. Ich mache alles, was nicht pädagogisch ist. Da bleibt eine Menge übrig, glauben Sie mir.“

Mitbestimmen konnte Mirgartz ebenso wie der Kollegenkreis auch bei der Auswahl der Nachfolge. Die Zustimmung für Laura Hannemann als neue Leiterin sei riesig gewesen. Auf dem Posten in der Geschäftsführung rückt Maximilian Caldeweyher nach, der seit rund einem Jahr im Unternehmen ist und „grandios in den Job hereingewachsen ist“, sagt sein Vorgänger.

Wie Mirgartz freut sich auch Kühne auf ein Leben nach dem Berufsleben. „Der Kontakt zum Haus wird bleiben“, sagen beide übereinstimmend. Der eine (Mirgartz) will im Förderkreis Einfluss nehmen, der andere (Kühne) bleibt „fast zwangsläufig nah dran“, wie er es ausdrückt. „Mein Bruder ist weiter Teil der Geschäftsführung, ich wohne quasi um die Ecke, die Schule ist Teil meines Lebens“. Einig sind sich beide im Grunde auch bei dem, was sie womöglich vermissen: „Die Gemeinschaft, das Miteinander, das sich ständig wandelnde Bild unseres Hauses, das von Lehrkräften und Schülerschaft geprägt wird“.