Komplett entwurzelt Baum stürzt in Bad Godesberger Kurpark um

Bad Godesberg · Im Bad Godesberger Kurpark ist ein Baum entwurzelt worden. Der Bereich ist abgesperrt, das Gehölz wird nach und nach entfernt. Nun wird geklärt, wie es dazu kommen konnte und ob auch andere Bäume gefährdet sind.

 Der Bereich rund um den umgestürzten Baum im Kurpark ist abgesperrt.

Der Bereich rund um den umgestürzten Baum im Kurpark ist abgesperrt.

Foto: Richard Bongartz

Wer aktuell im Bad Godesberger Kurpark unterwegs ist, kommt an ihm nicht vorbei: Angrenzend an die Straße Am Kurpark, in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle, liegt mitten auf der Wiese ein Baum. Dieser aber wurde nicht kontrolliert gefällt, er ist komplett entwurzelt worden und umgestürzt. Ein Anblick, der nicht nur fragende, sondern vor allem auch entsetzte Blicke bei den Passanten hervorruft. Denn, so ist zu hören: Was wäre geschehen, wenn jemand im Park, auf der Wiese unterwegs gewesen wäre? Oder wenn der Baum gar in die andere Richtung, auf Bushaltestelle und Fahrbahn, gefallen wäre?

„Der Baum ist bei dem Sturm letzte Woche umgekippt“, teilt Andrea Schulte vom städtischen Presseamt auf Anfrage mit. Der Grund: An den Wurzeln sei Pilzbefall zu erkennen. Ob nun auch andere Bäume gefährdet sind? Fachkundige Baumkontrolleure hätten die Gehölze im Blick und würden sie regelmäßig unter anderem auf ihre Standfestigkeit überprüfen, so Schulte. Komplett ausschließen, dass irgendwann einer der Bäume umkippe, könne man allerdings nicht. Denn: „Nicht alle Defizite sind sofort erkennbar.“

Um welche Baumart es sich bei dem umgekippten Exemplar im Kurpark handelt, konnte Schulte nicht sagen. Ein Blick in das Katastersystem Bonn, in dem Baumstandorte vermerkt sind, lässt vermuten, dass es sich um einen Spitz-Ahorn gehandelt hat. Die Visualisierung der städtischen Daten stammt von der Firma Esri Deutschland Content, die Geoinformationssysteme zur Verfügung stellt. Der Baum im Kurpark wurde laut Schulte bereits klein geschnitten „und wird im Laufe der nächsten Woche abtransportiert“. Darüber hinaus werde bald ein neuer Baum als Ersatz gepflanzt.

25.000 städtische Bäume werden vom Tiefbau-, vom Liegenschafts- und vom Sport- und Bäderamt betreut. Für rund 100.000 Exemplare im Stadtgebiet trägt das Amt für Stadtgrün die Verantwortung. Ihre Begutachtung obliegt laut Schulte den besagten Kontrolleuren, die darüber hinaus mögliche Pflegemaßnahmen vorschlagen. Die Dokumentation erfolgt dabei nebst einem digitalen Baumkataster, in das schon unterwegs alles eingetragen werden kann. Dort wird auch ersichtlich, wenn die Baumpfleger vor Ort waren und die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt haben.

Noten für den Gesamtzustand

Mindestens alle 15 Monaten nehmen die Kontrolleure die Bäume in den Blick. So wird jedes Gehölz abwechselnd in den Sommer- und Wintermonaten in Augenschein genommen. Dabei wird jeder Baum nach einem vorgegebenen Schema geprüft, im Mittelpunkt steht eine visuelle Begutachtung. Sieht er gesund aus? Gibt es Totholz? Wie entwickelt sich die Krone? Ist die Rinde verletzt? Gibt es Anzeichen für Erkrankungen? Sein Gesamtzustand wird dann „nach dem Schulnotensystem erfasst und regelmäßig aktualisiert“, so Schulte.

Welche Pflegemaßnahmen nötig sind, „ist immer eine Abwägungsfrage und hängt vom Zustand des Baumes, von der Baumart und von seinem Standort ab“. Heißt: Wo viele Menschen unterwegs sind, steht die Verkehrssicherheit an erster Stelle. Abgestorbene Äste müssen also sofort entfernt werden. Steht der Baum abseits, zum Beispiel in einer Hecke, „kann das ökologisch wertvolle Totholz auch mal da bleiben, wo es ist“, so die Sprecherin. So bleibe er als sogenannter Habitatbaum erhalten und biete Tieren wie Insekten und Vögeln einen Lebensraum.

Unter Totholz versteht man übrigens die Äste in der Baumkrone, die bereits abgestorben und eingetrocknet sind. Je nach Baumart stellen sie ein Sicherheitsrisiko dar, können jederzeit herunterfallen.

Neben der Totholzentfernung gibt es laut Stadt weitere Pflegemaßnahmen. Dazu gehören unter anderem die Kronensicherung mit Seilen, um den Baum zu stabilisieren, und regelmäßige sogenannte Erziehungsschnitte. Dabei werden junge Bäume, so Schulte, in Form gebracht. Denn wenn frühzeitig dafür gesorgt wird, dass sie einen hohen Kronenansatz ausbildet und gerade wächst, „dann können die späteren Rückschnittmaßnahmen reduziert werden“.

Sechs-Augen-Prinzip

Sollte ein Baum nach Meinung der Kontrolleure nicht mehr zu retten sein, schlagen sie die Fällung durch. Diese erfolgt allerdings erst dann, wenn zusätzlich zwei Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün grünes Licht gegeben haben. Bei besonders wertvollem Altbestand oder Naturdenkmalen wird außerdem ein Gutachten in Auftrag gegeben.

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