1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Bad Godesberg: Elterninitiative an der Moltkestraße ist die zweitälteste

Vom Mädchenpensionat zum Kinderhaus : Elterninitiative an der Moltkestraße ist die zweitälteste in Bad Godesberg

Die Elterninitiative Kinderhaus an der Moltkestraße ist die zweitälteste in Bad Godesberg. 1982 ist die Kita in das jetzige Domizil an der Moltkestraße gezogen, in dem zu früheren Zeiten das Mädchenpensionat Ulmenhaus untergebracht war.

Sicher war der Mittwoch für die Kleinen im Kinderhaus Bonn an der Moltkestraße ein schöner Tag. Nicht nur, weil er so sonnig war, sondern auch, weil sie zum ersten Mal auf das neue, mit Spendengeldern finanzierte Klettergerüst durften. Das Spielgerät steht im Garten der Kita, ist aber noch mit Flatterband abgesperrt. Es wird eigentlich erst am kommenden Mittwoch abgenommen und freigegeben, aber für ein Foto machten Leitung und Vorstand eine Ausnahme.

„Das alte Klettergerüst hätte nicht weiter bespielt werden dürfen“, sagt Maria Embgenbroich, zweite Vorsitzende des Vereins Kinderhaus Bonn. Der Zustand sei schlecht gewesen. Es musste ein neues her, und das wurde letzte Woche aufgebaut. Bagger im Außengelände: Die Kinder waren begeistert. Und erst recht vom neuen Gerüst, das aus stabilem Robinienholz gebaut ist. „Dann können wir wieder klettern“, freut sich Justus (5). Und es ist jetzt sogar viel besser: „Das letzte hatte keine Rutschstange“, sagt Till (5). Und Amelia und Moritz (beide 4) und all die anderen Kinder stimmen zu: Die Stange ist das beste Spielgerät.

Geld war nach den Modernisierungsarbeiten der letzten Jahre knapp, die Rücklage weitgehend aufgebraucht, berichtet Embgen­broich. „2016 haben wir begonnen, die Innenräume zu renovieren.“ Das war das erste Mal, seit die Kita 1982 in das altehrwürdige Gebäude einzog, das irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts als Lehranstalt für Mädchen aus höherem Haus mit Schwerpunkt Haushaltslehre, Kunstgeschichte, Sprachen und Sport errichtet worden war und den Namen „Ulmenhaus“ trug. Der Boden war kaputt, Kabel hingen aus der Wand, das Bad musste saniert, der Flur neu gestrichen werden und so weiter.

2019 waren die großen Gruppenräume dran, und während des Frühlings-Lockdowns in diesem Jahr wurde der Sandkasten erneuert, der noch aus der Anfangszeit stammte. Immer fand man Spender: Neues Mobiliar wurde mit Geldern von der Ikea-Stiftung bezahlt, der neue Sandkasten von der BB-Bank gefördert. Und das neue Klettergerüst mit seiner Rutsche, der Hängebrücke, einer Sprossenwand, Leitern, Netzen und der Rutschstange konnte durch eine Spende des Vereins Bild hilft „Ein Herz für Kinder“ realisiert werden.

Damit ist schon viel erledigt. Die Küche wäre drinnen als Nächstes dran, und für den Außenbereich wünscht sich Kinderhaus Bonn noch eine Spielmöglichkeit für U3-Kinder, die mit dem neuen Klettergerüst überfordert sind. „Aber ohne Förderung kriegen wir das nicht hin“, so Embgenbroich. Einige Renovierungsmaßnahmen im Innenbereich wurden über die „Kibitz“-Förderung des Landes bezahlt, die aber dafür nicht vorgesehen sei.

Derweil freut man sich, dass der Betrieb weiterläuft, und tut alles, damit das so bleibt. Alle 20 Minuten wird stoßgelüftet, Spielsachen, Badezimmer und Wickeltisch werden täglich desinfiziert, Eltern dürfen nicht in die Räume, beim Bringen und Abholen gilt Maskenpflicht und die sonst üblichen und manchmal wichtigen Gespräche zwischen Tür und Angel fallen weg. Unterstützung hat man sich von zwei „Alltagshelfern“ geholt, deren Finanzierung man als Billigkeitsleistung vom Land beantragen kann, um kein pädagogisches Personal einstellen zu müssen, erklärt die pädagogische Leiterin Uschi Könkes. Außerdem sind diese Helfer Ansprechpersonen für die Kinder und begleiten sie auch bei Ausflügen.

Im Sommer waren die Kinder ihr zufolge 80 Prozent der Zeit draußen, ein Vater hatte dafür extra eine Waschstation draußen installiert. Überhaupt seien die Eltern sehr engagiert, lobte Könkes. Das pädagogische Team dankte es ihnen und den Kindern während des ersten Lockdowns mit vielen Aktionen: Man schrieb Briefe, Mails und Postkarten, brachte Bastelangebote teils bis an die Haustüre, wo man auch miteinander sprechen konnte. „Wir wollten Kontakt halten“, so die Leiterin.

Inzwischen haben die Kids die Sondermaßnahmen wegen des Virus verinnerlicht, sagt sie. „Jeder Toilettengang wird gemeldet.“ Denn danach muss desinfiziert werden – die Kinder machen sich einen Scherz daraus: „Kann infiziert werden.“ Busfahrten fallen derzeit leider weg, es gab auch kein Sommerfest, und die Vorschulkinder konnten nur in sehr kleinem Rahmen verabschiedet werden. Das Martinsfest fiel ebenfalls sehr klein aus. Es darf kein Spielzeug mit in die Kita genommen werden, viele Kinder seien darüber traurig, so Könkes.

Die Kinder dürften derzeit auch nicht fröhlich ihr mitgebrachtes Essen tauschen oder teilen. Aber sie wissen, warum das alles sein muss: „Wegen Corona.“ Und, dass es irgendwann wieder anders sein wird.  Bis dahin können sie sich mit dem neuen Klettergerüst mit Rutschstange trösten.