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Bad Godesberg: Kanalarbeiten in der Ubierstraße

Kanalarbeiten in Bad Godesberg : Die Ubierstraße wird zur Einbahnstraße

Irgendwo steht man auf der so genannten MUK-Strecke in Bad Godesberg immer im Stau. Derzeit auf der Ubierstraße, wo das Tiefbauamt für 1,65 Millionen Euro den Kanal saniert. Voraussichtlich ab 20. September wird die Straße zur Einbahnstraße und in den Sommerferien 2022 komplett gesperrt.

Den Weg zu ihrem Haus hat Marie-Luise Müller in den zurückliegenden Jahren meist im Schneckentempo erreicht. „Gefühlt jedenfalls“, meint die Seniorin, die eigentlich anders heißt. Sie wohnt seit langer Zeit in einem der schmucken Einfamilienhäuser an der Ubierstraße und erinnert sich an so einige Baumaßnahmen auf dem Stück, das zur so genannten MUK-Strecke zählt. Mittelstraße, Ubierstraße und Konstantinstraße gelten als Ausweichroute bei Tunnelsperrungen oder eben Heimatroute für Anlieger.

Seit Januar ist wieder Baustellenzeit. Wie berichtet, erneuert die Stadt den Kanal auf der Ubierstraße. Los ging es im Bereich Am Arndtplatz, seitdem wandert die Baustelle Richtung Rheinallee. Für die Autofahrer bedeutet das neben Wartezeiten an der mobilen Ampel auch ein kreatives Fahrverhalten dank wechselnder Spurführung. Für die Anlieger mutmaßlich Stress, gegenüber dem GA wollte sich niemand namentlich äußern. Derzeit sind die Arbeiten an der Denglerstraße angelangt. Zeit also, beim Bonner Tiefbauamtschef Peter Esch nachzufragen, warum an der MUK-Strecke so häufig gebuddelt wird.   

Vor Ort betont er, dass es für alle Beteiligten eine „anspruchsvolle Baustelle“ sei, eben auch wegen der Verkehrssituation. „Aber Sie können sicher sein, dass wir nicht zweimal dieselbe Stelle machen“, sagt Esch. Meist handele es sich um Leitungsbau, ausgelöst entweder durch Betonkorrosion oder Hydraulikprobleme. „Schäden stellen wir durch Befahrung mit kleinen Kamera-Robotern fest, sind die Rohre größer auch durch Begehungen“, erklärt der Amtsleiter. Die Stadt sei sowohl aus Umwelt- als auch aus strafrechtlichen Aspekten verpflichtet, beschädigte Elemente zu sanieren.

Im aktuellen Fall verlegt die Mehlemer Firma Wekan im Auftrag der Verwaltung 325 Meter Eiprofil (40 x 60 Zentimeter) in bis zu 5,50 Tiefe und 200 Meter Eiprofil (60 x 90 Zentimeter) in bis zu sechs Metern Tiefe. Die unterschiedlichen Tiefen hängen mit dem Gefälle zusammen. Was dem Profi leicht über die Lippen geht, muss der Laie erstmal verstehen. Warum sind die Rohre nicht einfach rund? „Die enge Parabelform garantiert einen schnellen Abfluss auch bei geringen Mengen, so dass sich keine Sedimente ablagern können“, erklärt Esch. Nehme das Durchflussvolumen zu, könne der größere Querschnitt im oberen Teil die steigende Wassermenge trotzdem gut aufnehmen. Für ihn ein perfektes System.

Vermutlich stammt der Kanal aus dem Jahr 1917

1,65 Millionen Euro kostet die Stadt das Projekt. Dafür ist der Kanal nicht nur neu, sondern auch etwas größer dimensioniert. Von wann der ausgediente Vorgänger stammte, ist unklar. „Über das Baujahr liegen keine gesicherten Daten vor, in der Datenbank wird es auf 1917 datiert“, so Esch. Hydraulische Erweiterungen seien seltener, doch an der Plittersdorfer Straße werde es 2023 eine solche geben. „Dass der Kanal unterdimensioniert ist, haben wir bei der Erstellung des Generalentwässerungsplans für die Stadt festgestellt, den wir gerade erarbeiten“, so Esch.

 An der Seite liegen die Eiprofile, die am Ende den Kanal bilden.
An der Seite liegen die Eiprofile, die am Ende den Kanal bilden. Foto: Petra Reuter

267 Kanalmeter gilt es dann, zwischen Körner- und Ubierstraße auszutauschen. Problem: „Das Verzweigungsbauwerk liegt unter dem neuen Kreisel.“ Zumindest dort soll der Bau deshalb unterirdisch erfolgen, um oberirdisch nicht wieder alles aufzureißen. „Wir wollen das auch für den Rest prüfen, es würde die Maßnahme sehr verteuern, den Verkehr aber weniger beeinträchtigen“, sagt Esch. Bei der Ubierstraße sei die Stollenbauweise nicht rentabel gewesen: „Bei den vorliegenden Rahmenbedingen wären die Bauzeit und die Baukosten ungefähr beim Faktor sechs“, so der Chef des Tiefbauamtes. Für die Schächte hätten ebenfalls Baugruben auf der Strecke hergestellt werden müssen, die den Verkehr gestört hätten.

BonnNetz erneuert die Versorgungsleitungen

Während die Firma Wekan das Ende in Form der Rheinallee ganz langsam vor Augen hat, stehen bereits die Stadtwerke Bonn (SWB) in den Startlöchern, um nach und nach 640 Meter Wasser- und 1420 Meter Stromversorgungsleitungen im gleichen Teilstück auszuwechseln. Die SWB investieren circa 600.000 Euro. „Die Kollegen von BonnNetz gehen derzeit von einem Baubeginn am 27. September aus“, so die stellvertretende Pressesprecherin Veronika John auf Anfrage. Zudem würden Gas,- Wasser- und Stromhausanschlüsse getauscht oder auf die neuen Leitungen umgeklemmt.

Um die Baustelle einzurichten, müsse die Ubierstraße in Richtung Mehlem voraussichtlich ab dem 20. September gesperrt werden, in Richtung Bonn bleibe sie als Einbahnstraße befahrbar, kündigt John an. Die Umleitung gen Süden erfolgt laut Esch über Plittersdorfer Straße, Beethovenallee, Uhlandstraße und Rheinallee. „Der Umleitungsweg für die Busse durchs Villenviertel wird eine Fahrzeitverlängerung von circa zwei bis drei Minuten in Anspruch nehmen“, sagt die Sprecherin. Betroffen seien die Linien 610, 638 und N10.

Für den Straßenbau wird die Ubierstraße voll gesperrt

Bis Sommer 2022 dauert die Einbahnstraßen-Regelung an. Und dann kommt es für Anwohner und Nutzer – wahrscheinlich nicht nur gefühlt – schlimmer. Für den abschließenden Straßenbau muss das Stück zwischen Am Arndtplatz und Rheinallee in den Sommerferien 2022 komplett gesperrt werden. Was Letzterer die Anlieger kosten wird, kann die Stadt erst nach Abschluss aller Arbeiten sagen. „Die zu erwartenden Beiträge je Quadratmeter Grundstücksfläche liegen bei 6,50 bis 8,50 Euro bei zwei- bis viergeschossiger Bebaubarkeit bei Grundstücken, die überwiegend zu Wohnzwecken genutzt werden und bei 10,50 bis 11 Euro bei viergeschossiger Bebaubarkeit mit Gewerbezuschlag“, so Tiefbauamtschef Esch.