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Bad Godesberg: Kassenärztliche Vereinigung verteilt Schutzausrüstung für Ärzte

Drive-in in Bad Godesberg : Kassenärztliche Vereinigung verteilt Schutzausrüstung an Ärzte

Drive-in für Ärzte: Kein Corona-Test, sondern die Kassenärztliche Vereinigung hat auf der Rigal’schen Wiese Schutzausrüstung verteilt. Die Mediziner mussten lediglich mit dem Auto vorfahren.

Die Zeiten, in denen die Laster der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein Millionen wert waren, sind mittlerweile vorüber. Am Mittwoch parkten sie auf der Rigal’schen Wiese, wo Mitarbeiter Kartons mit Masken, Kitteln und Desinfektionsmitteln an Ärzte verteilten. „Im März und April standen die Lkw und unser Zentrallager unter Polizeischutz“, sagt Dirk Skalla von der KV, der für die Ausgabe verantwortlich ist. „So ein Lkw war damals 1,2 Millionen Euro wert.“ Mittlerweile sind viele der Dinge wieder problemlos auf dem Markt erhältlich, anders als noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Dennoch gibt die KV nicht öffentlich bekannt, wo sie die Schutzausrüstung verteilt. Auch wo sich das Zentrallager befindet, verrät Skalla nicht. Abends fahren die Laster dorthin, werden beladen, bevor es morgens zur nächsten Ausgabe geht.

An diesem Tag sind die rund zwölf Mitarbeiter also auf der Riga, um die Ladung der drei Lkws zu verteilen. Bevor es losging, hatten sich am Vormittag schon lange Autoschlangen gebildet. Im Internet konnten sich die Ärzte vorher registrieren. Vor Ort kontrollieren die Mitarbeiter die Registrierung, dann laden sie die Pappkartons in die Autos – pro Arzt jeweils ein Paket. „Die enthalten 300 Mund-Nasen-Schutze, 200 FFP2-Masken – und teilweise Kittel und Desinfektionsmittel“, sagt Skalla. „Weil wir davon nicht genug auf Lager hatten, haben wir die zufällig auf die Pakete verteilt.“ Das Material stammt vom Bundesministerium für Gesundheit, die KV gibt es kostenlos weiter. Ein paar Sekunden dauert die Ausgabe: Der Wagen fährt vor, ein Mitarbeiter fragt: „Auf die Rückbank oder in den Kofferraum?“, verstaut die Kartons und schon kann der nächste Wagen vorfahren. Die Aktion findet nicht nur in Bonn statt, sondern auch in anderen Städten – darunter Neuss, Köln und Aachen.

Am Nachmittag sind die Lkws schon so gut wie leer. Die Nummernschilder verraten, woher die Ärzte kommen: Rhein-Sieg-Kreis, Kreis Bergheim, Neuwied und auch aus Aachen. Birte Scheer und Bernd Kallenberg sind aus der Nähe von Aachen angereist, weil sie die Ausgabe dort verpasst haben. „Ich finde, das ist eine super Aktion“, sagt die Internistin. „Vor vier Monaten war fast nichts von den Dingen hier zu bekommen.“ Deswegen seien sie Anfang März verzweifelt. Auch der Blick in die Zukunft bereitet ihr Sorgen. Sie hält es zum Beispiel für schwierig, alle Patienten, die Erkältungssymptome haben, zu testen. Man müsse sich da jetzt durchhangeln. „Was heute gilt, kann morgen schon überholt sein“, sagt sie. „Keiner kann Pandemie.“

Lydia Breuer ist rund 70 Kilometer aus Kall gekommen, um sich mit der Ausrüstung einzudecken. Die Psychiaterin nimmt direkt noch ein paar Pakete für die Kollegen von dort mit. Beim letzten Mal hatte es einer von ihnen übernommen, die Sachen abzuholen. Gerade laufe es ganz gut mit der Versorgung, sagt sie – im Gegensatz zum Beginn der Pandemie. „Da hatte niemand was.“ Dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Krise komme, habe auch damit zu tun, dass es viele niedergelassene Ärzte gebe und Kliniken so nicht überlastet würden. „Meine Nichte lebt in London“, sagt sie. Dort sei kaum ein Termin beim Arzt zu bekommen.