Bahnhof Bad Godesberg Politik ist geteilter Meinung über Fahrradparkhaus-Pläne

Bad Godesberg · Die Stadt möchte an der ehemaligen Klangstation statt einer betriebenen Radstation ein automatisiertes Fahrradparkhaus bauen. Ob es wirklich so kommt, entscheidet die Politik. Die aber ist geteilter Meinung über die „Radstation light“.

 Die Klangstation am Bad Godesberger Bahnhof.

Die Klangstation am Bad Godesberger Bahnhof.

Foto: Axel Vogel

Eigentlich sollte am Bad Godesberger Bahnhof eine Radstation installiert werden, Personal vor Ort, Werkstatt und Verleih inklusive. Doch weil die Caritas den Betrieb nicht übernehmen kann und laut Verwaltung keine Alternative in Sicht ist, sieht die Stadt keine Möglichkeit, das Projekt umzusetzen – und schlägt eine abgespeckte Variante vor: ein Fahrradparkhaus. Die Eckdaten: In der ehemaligen Klangstation soll es 260 Abstellplätze geben. Geplant ist eine automatisierte Zugangskontrolle samt digitaler Überwachung. Abgestellt werden die Räder von den Radlern selbst. Darüber hinaus soll eine öffentliche barrierefreie Toilettenanlage in das Parkhaus integriert werden.

Wieviel die Nutzung kosten wird, ist laut Stadt noch nicht klar. Auch steht noch nicht fest, ob das Projekt, das mit voraussichtlich 1,1 Millionen Euro zu Buche schlägt, überhaupt so umgesetzt wird. Denn nicht nur die Deutsche Bahn als Eigentümer des Gebäudes, sondern auch die Politik muss erst grünes Licht geben. Und Letztere steht – zumindest im Stadtbezirk – dem Vorschlag in Teilen kritisch gegenüber.

Zustimmung und Ablehnung

Ein Fahrradparkhaus stelle „einen Funktionsverlust gegenüber einer Radstation dar“, sagt Uli Barth (SPD). Und zeigte sich verwundert, „dass die Oberbürgermeisterin mit dieser nur begrenzt guten Nachricht an die Öffentlichkeit geht, da noch nicht geklärt ist, ob die Politik die Reduktion des Funktionsumfangs überhaupt gut findet“. Die Verwaltung habe es schon lange versäumt, einen alternativen Betreiber zu suchen, „obwohl schon lange klar war, dass die Caritas nicht mehr zur Verfügung steht“. In einem Antrag regt die SPD daher an, sich erneut auf die Suche zu begeben – und, falls sich niemand finden sollte, die Stadtwerke Bonn mit dem Betrieb der Radstation zu beauftragen. Barths Fazit: Im Stadthaus habe man die Radstation offenbar schon aufgegeben. „Das verblüfft doch sehr, da es vielen anderen Städten gelingt, Radstationen zu realisieren.“

Bezirksbürgermeister Michael Wenzel bewertet den Vorstoß deutlich positiver. „Ich freue mich sehr darüber, dass im Bad Godesberger Bahnhof ein Fahrradparkhaus entstehen soll – auch wenn es sich sozusagen nur um eine ‚Radstation light‘ handeln wird“, so der Grünen-Politiker. Vermutlich werde die abgespeckte Version nicht jedem gefallen, „aber ich glaube, dass das nach Stand der Dinge das Beste ist, was wir kriegen können“. Das geplante Parkhaus sei zweifellos ein großer Fortschritt für die Mobilität in und um Bad Godesberg. Dass außerdem eine barrierefreie öffentlichen Toilette hinzukomme, begrüße er sehr. Und: Die Gesamtkosten scheinen laut Wenzel überschaubar, „umso mehr, als es zahlreiche Fördermöglichkeiten gibt“.

Durch ihre Untätigkeit habe die Verwaltung die Radstation verhindert, heißt es von der CDU. Jahrelang habe man das Projekt nicht umsetzen können, „nun fehlen Zuschüsse und damit auch der Betreiber“, stellt Jens Röskens fest. Da die Radstation nicht mehr möglich sein werde, „unterstützen wir die zweitbeste Lösung des Fahrradparkhauses“. Denn: Der Bedarf bestehe nach wie vor, mit der öffentlichen Toilette könne ein weiteres wichtiges Ziel erreicht werden. „Die Umsetzung muss nun zügig erfolgen und darf nicht erneut verschleppt werden“, so Röskens.

Anders sieht der Bürger Bund Bonn den Vorschlag. „Das ist nicht das, was wir wollten“, so Marcel Schmitt. Zumal sich die Frage stelle, ob ein Betreiber – sollte er überhaupt gefunden werden – eine automatisierte Abstellanlage wirtschaftlich führen könne. Und falls ja, zu welchen Konditionen. Schließlich nutze es nichts, Angebote zu schaffen, die wegen des Preises nicht angenommen würden. Die vier Fahrradparkhäuser in Bonn, für die die Stadtwerke verantwortlich zeichnen, verfügten zwar über eine geringere Kapazität als das geplante in Godesberg, befänden sich dafür aber in städtischem Eigentum. Da stelle sich die Frage, ob es nach Wegfall von Werkstatt und Verleih nicht doch sinnvoller sei, das Parkhaus auf eigener Fläche, zum Beispiel links neben dem Bahnhof, zu errichten.

Privater versus städtischer Grund

Das sieht die FDP ähnlich. Einfacher wäre es doch, so Wolfgang Heedt, das Projekt auf städtischem Grund zu realisieren. Zumal aus Berichten hervorgehe, dass das WC für die Be- und Entwässerung sowie heiztechnisch mit erheblichem Aufwand an die bestehenden Leitungen im Keller angeschlossen sowie unter anderem die Elektronik im Gebäude komplett neu aufgebaut werden müsse. Im Fazit stimme ihn die Vorlage sorgenvoll, „als hätte man aus der Beethovenhalle und anderen Sanierungsfällen immer noch keine Lehren gezogen“. Darüber hinaus werfe die Planung mehr Fragen auf, als dass sie Lösungen bereithalte. So gelte es unter anderem zu klären, ob ein unbewachtes Parkhaus nachgefragt werde und wie es mit Wartung und Versicherung aussehe.

Julia Schenkel (Die Linke) hält den Vorschlag für gangbar. Egal in welcher Variante: „Wichtig ist, dass endlich etwas passiert und man sein Rad sicher und trocken abstellen kann.“ Vor allem die öffentliche Toilette sei ihr ein Herzensanliegen. Nachdem die geplante Öko-Toilette von der Bezirksvertretung mehrheitlich abgelehnt worden sei, „ist das Thema in meinen Augen noch dringender geworden“.

Die AfD bewertet die Pläne als „ein Placebo mehr für Bad Godesberg im Strudel des städtischen Planungsdurcheinanders“, so Wolfgang Truckenbrodt.

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