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Bad Godesberg: SPD plädiert für Hochschulansiedlung in König-Fahd-Akademie

Vorschlag aus Bad Godesberg : SPD plädiert für Hochschulansiedlung in König-Fahd-Akademie

Die Godesberger SPD möchte den neuen Cybersecurity-Studiengang der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gerne in der Lannesdorfer König-Fahd-Akademie unterbringen. Die Stadt muss diese jedoch zunächst erwerben und äußert sich genauso zurückhaltend zum Vorstoß wie die Hochschule.

Schneller als die Stadt Bonn mit ihren Überlegungen, was sie mit einer zurückgekauften König-Fahd-Akademie anstellen könnte, ist die Bad Godesberger SPD. Die Partei schlägt vor, das einstige Schulgebäude des saudi-arabischen Königreichs nach dem geplanten Erwerb der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) anzubieten. „Mit der König-Fahd-Akademie könnte man der Hochschule endlich ein realistisches, gangbares Raumangebot machen, um den neuen Studiengang ‚Cyber Security & Privacy‘ noch während der Pilotphase nach Bad Godesberg zu holen“, sagte am Freitag Uli Barth, Fraktionssprecher in der Bezirksvertretung Bad Godesberg.

Wie mehrfach berichtet, hatte sich vor allem die FDP um Wolfgang Heedt starkgemacht, die Hochschule samt Studiengang in der Kurfürstlichen Zeile unterzubringen. Ex-Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) und die Bonner Landtagsabgeordneten hatten sich ebenfalls eingeschaltet. Allein es half nichts. Im Februar 2020 kam heraus, dass die vom NRW-Wissenschaftsministerium für die dreijährige Pilotphase zur Verfügung gestellten drei Millionen Euro „für den Studiengang, nicht für Beton“ ausgegeben werden sollten, wie H-BRS-Sprecherin Eva Tritschler damals ausgeführt hatte. Die Pilotphase des Studiengangs, der Teil des Projekts Cybercampus NRW ist, dauert bis Ende 2023.

Forderung von Saudi-Arabien soll bei sechs Millionen Euro liegen

Nach den langen Diskussionen um die Kurfürstliche Zeile, die erst noch saniert werden müsste, sei die Gefahr groß, dass Bad Godesberg schlussendlich mit leeren Händen dastehe. „Wir müssen daher handeln und der Hochschule schnell ein vernünftiges Angebot machen, das mit ihren Möglichkeiten zusammenpasst“, betonte Barth. Er sprach von einer Win-win-Lösung für gleich zwei wichtige Themen.

Der Stadt Bonn liegt mittlerweile vom Königreich Saudi-Arabien ein Angebot vor. Nach GA-Informationen soll das seinerzeit vereinbarte Rückkaufsrecht für das Grundstück an der Mallwitzstraße samt Entschädigung für die Immobilie bei sechs Millionen Euro liegen. Die Stadtverwaltung hatte in der Sitzung der Bezirksvertretung am 13. April grundsätzliches Interesse erklärt. Ein „wirtschaftlich tragfähiges Konzept“ für die Nachnutzung müsse aber noch erstellt werden, so Kerim Abulzahab vom Amt für Wirtschaftsförderung in der Sitzung.

Vorteile der einstigen Schule gegenüber der Kurfürstlichen Zeile für die SPD: Der besondere Zuschnitt sowohl mit Seminarräumen als auch Hörsälen, sie sei schnell nutzbar und trotz der Lage außerhalb des Zentrums durch mehrere Buslinien und den Bahnhof Mehlem gut erreichbar. Zudem befänden sich im direkten Umfeld Firmen, die beim Zukunftsthema Cybersicherheit interessante Partner für die Hochschule sein könnten.

Wobei Barth den einstigen FDP-Plan nicht unbedingt komplett verwerfen will: „Ein späterer Umzug oder eine Erweiterung in die Kurfürstliche Zeile ist damit ja nicht ausgeschlossen. In der Zwischenzeit gäbe es die nötige Zeit, um das denkmalgeschützte Ensemble zu sanieren und entsprechend umzubauen.“ Für Parteikollegin und Stadtverordnete Gieslint Grenz würde die Hochschulansiedlung „auf jeden Fall zu einer Belebung des Lannesdorfer Zentrums führen“. Denkbar seien Cafés am Brunnenplatz. Wohnmöglichkeiten für Studierende entstünden in der Nähe.

Von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gab es zum Vorstoß am Freitag nur eine knappe Stellungnahme. „Wir kennen den Vorschlag nicht“, teilte Sprecherin Tritschler mit. Am Stand der früheren Gespräche zwischen Stadt Bonn und Hochschule habe sich nichts verändert. Demnach werden derzeit keine Ansiedlungspläne in Bad Godesberg verfolgt; die Studenten bleiben in Sankt Augustin.

Bei der Stadt, die ebenfalls nichts vom SPD-Ansinnen weiß, umschrieb es Sprecherin Monika Hörig so: Man stehe bekanntlich „hinsichtlich einer mittelfristigen eventuellen Ansiedlung eines Cyber-Security-Campus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Bonn im Kontakt“. Der Standort Fahd-Akademie sei bislang nicht im Gespräch gewesen. Hörig bestätigte GA-Informationen, wonach es nächste Woche einen Ortstermin von Verwaltung und Vertretern des Königreichs gebe. Es handele sich um eine nicht öffentliche Besichtigung.