Denkmalgeschütztes Ensemble So geht es mit der Bad Godesberger Stadthalle weiter

Bad Godesberg · Die Bad Godesberger Stadthalle ist seit 2020 teilweise gesperrt, doch ihre Sanierung lässt nach wie vor auf sich warten. Nun hat die Stadt einen Überblick über den aktuellen Stand der Maßnahme gegeben.

Die Stadthalle in Bad Godesberg soll saniert werden.

Die Stadthalle in Bad Godesberg soll saniert werden.

Foto: Axel Vogel

Es war im Mai 2020 als die Hiobsbotschaft Bad Godesberg traf: Die Stadthalle musste dicht gemacht werden, der Große Saal ist einsturzgefährdet. Teile der Tagungs- und Veranstaltungsstätte sind zwar mittlerweile wieder geöffnet, die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles aber lässt nach wie vor auf sich warten. Nun hat die Stadt den aktuellen Stand der Maßnahme dargelegt, und zwar im Projektbeirat „Sanierung Stadthalle Bad Godesberg“, in dem Vertreter aus den politischen Gremien sitzen und der am Dienstagabend zum ersten Mal im Stadthaus tagte.

Vergabeverfahren: Aktuell sucht die Verwaltung per europaweiter Ausschreibungen nach Planern, die den Architekten unterstützen. Dies erfolgt laut Projektleiter Rainer Mertesacker vom Städtischen Gebäudemanagement in einem dreistufigen Verfahren. Alle zwei Wochen wird eine neue Stelle veröffentlicht, bisher ist das laut Mertesacker bei vieren bereits geschehen. Spätestens Ende September 2024 „haben wir alle zusammen“. Die Stelle des Statikers wurde als erste veröffentlicht, und zwar Anfang November. Ende Mai 2024 rechnet Mertesacker mit dessen Beauftragung. Es folgen der Küchenplaner – gerade in diesem Bereich müsse der Grundriss überarbeitet und angepasst werden, daher die frühe Ausschreibung -, der Planer für die Technische Gebäudeausrüstung, der für Haustechnik und Elektronik gleichermaßen verantwortlich ist, und der Brandschutzplaner, dessen Stelle am 15. Dezember veröffentlicht wird. Danach kommen Bauphysiker, Klima-Engineering, Sicherheits-Gesundheits-Koordinator, Entsorgungsplaner, Veranstaltungs- sowie Beleuchtungsplanung.

Beauftragung des Architekten: Mit im Boot ist das Büro V-Architekten aus Köln um Tim Denninger, Sohn des Stadthallenerbauers Dirk Denninger. Die Architekten werden stufenweise beauftragt, so die Stadt. Die Bestandsuntersuchung ist abgeschlossen, Grundlagenermittlung und Vorplanung wurden nun abgerufen, so die Stadt. Heißt: Das Büro kann starten. Doch warum erst jetzt, wollten die Politiker wissen. „Der Architekt kann nicht alleine arbeiten, er braucht die Planer, die aktuell gesucht werden“, so die Erklärung. Voraussichtlich 2025 soll die Vorplanung abgeschlossen sein.

Ausräumen: Die Stadthalle sei nicht besenrein, sondern voll hinterlassen worden, beschrieb Axel Worm vom Amt für Wirtschaftsförderung. Geschirr und Kochtöpfe, Kühlschränke und Stühle und vieles mehr blieben vor Ort und müssen nun entfernt werden. Im ersten Schritt nahmen Denkmalschutz und Kunstmuseum das Inventar unter die Lupe. Das Ergebnis: Die Pendelleuchten, die schon im ersten Restaurant hingen, werden eingelagert, genau wie eine Kuchentheke, die Plakette des SPD-Parteiprogramms, das in der Stadthalle verabschiedet wurde, und alte Kühlschränke. Für alles andere wurden Käufer gesucht, bislang aber nicht gefunden, so Worm. Nun soll die Stadt auf Wunsch des Projektbeirates an Institutionen wie das Deutsche Rote Kreuz und Vereine herantreten und abklären, ob Kochgeschirr und Co. gebraucht werden. Was mit den runden Leuchtern aus dem Großen Saal geschieht, steht indes noch nicht fest. Diese nämlich liegen auf der Bühne des einsturzgefährdeten Raumes, der aktuell nicht betreten werden darf.

Raumprogramm: Das grobe Raumprogramm für die Stadthalle liegt, nun geht es an den Feinschliff. Die Veranstaltungs- und Tagungsräume bleiben demnach in der Fläche erhalten, lediglich am Gastro-Bereich gibt es einiges zu Bedenken. Wie muss eine Küche aussehen, die für reines Catering geeignet ist, gleichzeitig aber auch alle Möglichkeiten für einen Restaurantbetrieb bietet? Und wie viel Fläche muss für sie zur Verfügung stehen? Das soll nun mit Hilfe des Kücheplaners geklärt werden. „Wir versuchen aktuell die Küche so zu gestalten, dass man hinterher mannigfaltige Möglichkeiten hat“, hieß es von der Stadt. Einen potenziellen Pächter in die Flächenplanung einzubeziehen, sei nicht möglich. Das dauere zu lange. Denn die „Ausgestaltung der Küche hat auch Einfluss auf anderes, zum Beispiel die Belüftungsanlage“. Um denjenigen aber nicht außen vorzulassen, präferiere man momentan die Idee, die Fläche für die Küche festzulegen, sie aber nicht auszustatten. Das könne dann der Pächter nach seinem Wunsch tun.

Musikmuschel: Die Wand der Musikmuschel, in der früher regelmäßig Konzerte stattfanden, war laut Mertesacker in einem „grausigen Zustand“. Wegen eklatanter Schäden konnte sie – anders als geplant – vor einem Jahr nicht noch einmal gestrichen werden. Der Grund: Die innenliegenden Fallrohre waren nicht nur kaputt, sondern auch voller Schutt. Sie wurden mit Hilfe eines Liners gesäubert, saniert und an die Grundleitung angeschlossen, die ebenfalls gelinert wurden, so Mertesacker. Neu gestrichen wird allerdings erst, wenn das Dach abgedichtet worden ist. Auch die Stufen zur Musikmuschel müssen erneuert werden. Mit an Bord ist ein Restaurator, damit sie denkmalgerecht saniert werden.

Glasgang: Der Glasgang kann nicht mehr gestrichen werden. Der Statiker habe gar empfohlen, ihn abzubrechen, so Mertesacker. Stadtkonservatorin Katrin Bisping und das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland aber waren anderer Meinung: Abriss nein, statische Sicherung ja. „Es ist eine der wenigen Konstruktionen, die noch aus der ursprünglichen Zeit stammen“, erklärte Mertesacker. Eine Sanierung sei möglich, allerdings brauche es dafür einen Metallrestaurator.

Rohre: Die Rohre in dem Gebäude wurden teilweise ausgetauscht. Das aber sei tägliches Brot in der Stadthalle, hieß es seitens der Stadt. „Das Gebäude ist in einem schlimmen Zustand. Egal, wann man reinkommt, irgendwo läuft Wasser und es gibt Undichtigkeiten.“ Diese würden dann sofort behoben.

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