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Hans Karl Rosenberg: Bad Godesberger Nazikritiker starb vor 79 Jahren

Hans Karl Rosenberg : Bad Godesberger Nazikritiker starb vor 79 Jahren

Ein Martyrium lag hinter Professor Hans Karl Rosenberg, als er am 17. April 1942 in Bad Godesberg starb. Der Nazikritiker und bekennende Katholik sah sich zuvor – von den Nazis als Halbjude bezeichnet – großen Anfeindungen ausgesetzt.

Am 17. April 1942, vor 79 Jahren, müssen sich dramatische Szenen in der Gneisenaustraße 16 abgespielt haben. Der 51-jährige promovierte Philosoph Hans Karl Rosenberg lag am Herzen schwerkrank darnieder und hätte unbedingt medizinische Hilfe gebraucht. Doch Ehefrau Anna-Maria und die vier halbwüchsigen Töchter mühten sich vergebens, einen Arzt ans Krankenbett zu holen. Zu einem nach der Ideologie der Nationalsozialisten so beschimpften „Halbjuden“, zumal noch zu einem, der das Terrorregime kritisierte, wagte sich kein Mediziner zu kommen. Somit hatte Rosenberg keine Überlebenschance: Er starb jämmerlich „an den Folgen eines ärztlichen Nicht-Beistandes in seiner Wohnung“, wie Prälat Helmut Moll, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für katholische „Zeugen für Christus“, es 2019 in seinem gleichnamigen Buch schrieb.

Da hatte der 1891 in Köln in eine Lehrerfamilie hineingeborene Rosenberg schon ein jahrelanges Martyrium in Bad Godesberg hinter sich. 1930 war er auf die Stelle eines Professors an der Pädagogischen Akademie an seinen Studienort Bonn zurückgekehrt. Zahlreiche Veröffentlichungen wiesen ihn als betont katholischen Gelehrten und Publizisten aus. Die junge Familie lebte anfangs an der Friesdorfer Hochkreuzallee 165. Rosenberg engagierte sich im Kirchenvorstand von St. Servatius. Er stand politisch der von den Nazis bald verbotenen Zentrumspartei nah und sah frühzeitig die Apokalypse auf Deutschland und die Welt zukommen. So warnte er als Redner auf diversen auch internationalen Katholikentagen vor dem aufkommenden Nationalsozialismus. Bis 1940 sollte der mutige Mann in Vorträgen, etwa im Bonner Gesellenverein, kein Hehl aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber der NSDAP, der „Partei der Gottlosen“, machen, hat Moll recherchiert.

Berufliches Leben zerstört

Da hatten die Nazis zumindest sein berufliches Leben schon längst zerstört: 1933 hatten sie ihn, dessen jüdischer Vater schon als junger Mann zur katholischen Kirche gewechselt war, aus rassischen Gründen aus seinem Professorenamt gejagt. 1935 erfolgte das Verbot schriftstellerischer Tätigkeit. Jetzt konnte Rosenberg, der im Ersten Weltkrieg als schwerverwundeter Soldat mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, nur noch unter Pseudonym veröffentlichen, um seine Familie überhaupt zu ernähren. Seiner Frau riet man eindringlich, sich, angeblicher Rassenschande wegen, von ihm scheiden zu lassen. „Sein Haus wurde streng überwacht und jeder Kontakt zu Freunden und Bekannten unterbunden“, schreibt Josef Roth, der Enkel des mit Rosenberg damals befreundeten Friesdorfers Joseph Roth, der ebenfalls Opfer der Nazis wurde (der GA berichtete). Die letzte Lebenszeit beider war von Schikanen und Denunziationen überschattet. Sie sprachen sich nur heimlich.

Bespitzelungen in Friesdorf

Rosenberg versuchte 1939 noch durch einen Umzug nach Plittersdorf, den Bespitzelungen in Friesdorf zu entkommen. Doch seine Kräfte, sich als bekennender Katholik und Nazi-Feind des Psychoterrors zu erwehren, waren am 17. April 1942 aufgebraucht, als keine Ärzte ihm beistehen wollten. Zwei Jahre später klingelte dann doch noch jemand an der Tür nach ihm: Zwei SS-Männer wollten „Hans Israel Rosenberg“ abholen. Seine Witwe zeigte ihnen den Weg zum Zentralfriedhof.

Im Handel erhältlich: Helmut Moll, Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Schöningh Verlag 2019, 2 Bände, 99 Euro.

Josef Roth, Joseph Roth. Bonner Widerstandskämpfer und Märtyrer, BonnBuch Verlag 2020, 18,50 Euro