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Unkraut wuchert auf dem Friedhof: Bad Godesbergerin beschwert sich über Zustand der Gräber

Unkraut wuchert auf dem Friedhof : Bad Godesbergerin beschwert sich über Zustand der Gräber

Überwucherte Gräber und Hecken: Eine Bad Godesbergerin beschwert sich bei der Stadt über den Zustand des Mehlemer Friedhofes. Diese weist die Kritik von sich.

Weißklee, Löwenzahn und Gänseblümchen fühlen sich auf den kleineren Kieswegen des Mehlemer Friedhofs sichtlich wohl. Hecken ragen weit hervor, Gräber werden von rankendem, kletterndem Unkraut zum Teil wild überwuchert. Für einen Friedwald wäre das übersatte Grün natürlich und angemessen – auf einem Stadtteilfriedhof sei ein solcher Zustand allerdings unhaltbar, sagt Christel Steinwarz. Sie beschwerte sich beim Friedhofsamt, das daraufhin für den Grünschnitt sorgte. Allerdings nur am Grab ihres Sohnes.

Seit Jahren finde die Grünpflege auf dem Mehlemer Friedhof kaum noch statt, sagt die 75-jährige Steinwarz. Während man auf anderen Friedhöfen hier und dort Mitarbeiter der Stadt sähe, die sich um Hecken und Wege kümmern, habe die Bad Godesbergerin in Mehlem seit etwa acht Jahren niemanden mehr arbeiten sehen. Und das, obwohl sie das Grab ihres Sohnes täglich besuchte, bevor sie vor vier Jahren erkrankte. Seither kann sie nicht mehr so häufig kommen. „Eine Zeit lang hat mein Schwiegersohn die Ranken weggeschnitten. Aber das konnte ja keine Dauerlösung sein“, sagt Steinwarz. Weil nichts geschah, hatte sie sich schon einmal bei der Stadt erkundigt. „Dann heißt es, sie haben keine Leute oder es wäre kein Geld für die Pflege da“, sagt Steinwarz.

Einem Vergleich mit anderen Bonner Friedhöfen würde der Friedhof in Mehlem nicht standhalten können, meint die 75-Jährige. Einige ihrer Familienmitglieder haben auf dem Südfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Laut Steinwarz würden dort immer mal wieder Wagen den Grünschnitt abfahren – Hecken und Wege wären frei. Auch auf dem Zentralfriedhof sähe es ordentlich aus. „Aber da liegen Prominente. Das ist hier in Mehlem nicht der Fall“, sagt Steinwarz. Auch dass es seitens der Stadt keine Handhabe wegen des von Unkraut überwucherten Nachbargrabes gebe, ärgere sie. „Es wächst auch in die Nachbargräber und in die Hecken, da muss es doch eine Möglichkeit geben.“ Dem Gräberfeld der im Krieg umgekommenen Fremdarbeiter auf der andere Seite des Friedhofes scheint es nicht besser zu ergehen. Das pflege augenscheinlich seit Jahren niemand mehr, sagt Steinwarz. „So schlimm wie jetzt hat es hier noch nie ausgesehen.“

Stadtmitarbeiter sind für Pflegearbeiten regelmäßig vor Ort

Nach Auskunft von Andrea Schulte vom Presseamt der Stadt Bonn, sind für die Pflege der Grabstellen die Grabnutzungsberechtigten zuständig. Das Amt für Stadtgrün kümmere sich mit 35 Mitarbeitern regelmäßig um alle städtischen Friedhöfe. Für spezielle Aufgaben, in denen beispielsweise großes Gerät oder besondere Technik benötigt werden würde, seien entsprechende Unternehmen beauftragt. Die Hecken schneiden die Mitarbeiter laut Schulte nach Bedarf ein bis zwei Mal pro Jahr. Weiterhin seien sie regelmäßig für weitere Pflegearbeiten vor Ort und räumen dabei auch Unrat weg, der den Weg in die Mülleimer nicht gefunden habe – oder wieder herausgeweht wurde, sagt Schulte. Die Mülleimer leert BonnOrange ein Mal wöchentlich.

Der Stadt sei der Zustand des Mehlemer Friedhofs bekannt, dieser sei so aber nicht üblich, heißt es seitens der Stadt. Der Rückstand bei den Grünpflegearbeiten sei durch personelle Engpässe in der Urlaubszeit und durch Krankheitsfälle entstanden. „Dies soll in den nächsten Wochen aufgeholt werden“, sagt Schulte. Für die Argumente der städtischen Mitarbeiter hat Steinwarz zwar Verständnis, sie bemängelt aber die Verhältnisse der Grünanlagenpflege der Stadt: „In der Rheinaue werden in großen, wunderschönen Beeten Blumen gepflanzt. Das verlangt man hier auf dem Friedhof ja gar nicht. Aber ein bisschen Ordnung wäre schön.“ Schließlich würden die Nutzer hohe Beträge für die Grabstellen zahlen. Da könne man  verlangen, dass der Friedhof gepflegt würde.