1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Bahnhof Mehlem: Mann wird von Zug erfasst und getötet

Tödlicher Unfall am Bahnhof : Mann wird in Mehlem von Zug erfasst und getötet

Am Mittwochabend hat es am Bahnhof Mehlem einen tödlichen Unfall gegeben. Ein Mann ist dort von einem Zug überfahren worden. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Deutsche Bahn bedauert den Unfall.

In Mehlem ist am Mittwochabend ein Mann von einer Regionalbahn überrollt und getötet worden. Rettungskräfte und ein Notarzt konnten dem jungen Mann nicht mehr helfen. Er war gegen 21.40 Uhr zwischen Bahnsteig und Zug gefallen, als dieser den Bahnhof Mehlem verließ.

Feuerwehr, Rettungsdienst, Notarzt, Polizei, ein Notfallseelsorger und Notfallmanager der Deutschen Bahn waren an der Unfallstelle im Einsatz. Wie die Bonner Polizei bestätigte, handelt es sich um einen bisher nicht näher geklärten Unfall, bei dem es keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt. Der genaue Verlauf des Vorfalls war am Donnerstag unklar. Es wurde ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Die Bahn hatte bis 23.20 Uhr einen Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Bundesamt: Eisenbahnen für Betrieb zuständig

Ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes teilte am Donnerstag per E-Mail mit: „Nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz sind die Eisenbahnen dafür verantwortlich, ihren Betrieb sicher zu führen. So müssen etwa Anlagen und Fahrzeuge sicher gebaut und jederzeit in sicherem Zustand gehalten werden.“ Zu den Mindestanforderungen an die Sicherheit gehören etwa Lautsprecher für Warnungen, wenn an Bahnhöfen Züge mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde durchfahren. Der Sprecher wies zudem darauf hin, dass technische oder betriebliche Sicherheitsvorkehrungen für die Abfahrt vom Bahnsteig beim jeweiligen Unternehmen erfragt werden müssten.

Das Unternehmen Trans Regio, das die Regionalbahn betreibt, wollte am Donnerstag nicht zu dem Vorfall Stellung beziehen. „Wir äußern uns nicht zu Personen-Unfällen“, sagte ein Mitarbeiter der Pressestelle am Telefon. Auch zu Sicherheitsmaßnahmen wolle das Unternehmen nichts sagen. Die Deutsche Bahn, in deren Verantwortung der Bahnhof liegt, teilte per E-Mail mit: „Wir bedauern den tragischen Unfall am Bahnhof Mehlem sehr.“ Der Sprecher verwies zudem auf Investitionen in Sicherheit und eine Aufklärungskampagne zum richtigen Verhalten an Bahnhöfen.

„Es gibt Lösungen, die am Bahnsteig für mehr Sicherheit sorgen können. Die sind in vielen Ländern üblich“, sagte Professor Markus Hecht am Telefon. Er ist Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr der Technischen Universität Berlin. Eine Lösung seien etwa Bahnsteigtüren. Dabei sind Gleis und Bahnsteig durch eine Wand getrennt. Wenn der Zug steht, öffnen sich die Türen, sodass die Passagiere aus- und einsteigen können. „In Deutschland fürchtet man sich aber vor den Kosten“, sagte Hecht. In Singapur sei innerhalb eines Jahres das ganze Netz mit so einem System ausgerüstet worden, nachdem sich Unfälle gehäuft hatten. Im Ausland gehören laut Hecht auch Kamerasysteme zum Standard, mit denen Lokführer das Fahrzeug überwachen können. In Deutschland gebe es weder Spiegel noch Kameras. „Das ist haarsträubend“, sagt Hecht.

Nach Auskunft der Polizei kommt es am Bahnhof Mehlem nicht zu einer Häufung von Unfällen. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, sind für Unfälle, bei denen Personen sterben, die Zuständigkeiten nicht immer eindeutig: Das Kriminalkommissariat verzeichnete im vergangenen Jahr sechs Todesfälle an Bahnhöfen, das Verkehrskommissariat keine – ebenso wie in den Jahren 2019 und 2018.