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Sanierung der Stadthalle in Bad Godesberg: Bauliche Untersuchungen sind abgeschlossen

Sanierung der Stadthalle in Bad Godesberg : Bauliche Untersuchungen sind abgeschlossen

Die Stadtverwaltung weiß nun, welche Räume genutzt werden können. Ein Konzept für eine Interimsnutzung soll in den kommenden Wochen erstellt werden. Wann das Gebäude indes teilgeöffnet werden kann, ist noch immer unklar. Die Politik kritisiert Verwaltung scharf und wirft ihr „schuldhaftes Zögern“ vor.

Der Ton wird rauer, die Verärgerung immer größer: Wann die Stadthalle wieder teilweise für die Öffentlichkeit geöffnet werden kann, steht noch immer nicht fest. Dafür wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) am Mittwochabend im Ratssaal des Stadthauses bekannt, dass das Städtische Gebäudemanagement (SGB) alle baulichen Untersuchungen an dem denkmalgeschützten Gebäude abgeschlossen hat. Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe erklärte, dass sie kurz vor der Sitzung mitgeteilt bekommen habe, welche Räume genutzt werden können. Welche das genau sind, hat sie allerdings nicht verraten.

Stadthalle sollte „unverzüglich“ teilgeöffnet werden

Was sich erst nach guten Nachrichten anhörte, verärgerte die Bad Godesberger Politiker. Denn diese erinnerten sich sehr genau daran, dass SGB-Chef Lutz Leide bereits bei der BV-Sitzung im Februar verkündete, dass das Gebäude teilweise genutzt werden könnte – und es keine baulichen Hindernisse dafür gebe. Deshalb hatte die BV damals auch bereits beschlossen, dass die Stadthalle „unverzüglich“ geöffnet werden soll. Passiert ist dies aber nicht.

Wie berichtet, hatte der Verein Bürger.Bad.Godesberg einen Bürgerantrag zur teilweisen Öffnung der Stadthalle gestellt, welcher am Mittwoch durch die BV-Mitglieder einstimmig angenommen wurde. Klaus Vater, zweiter Vorsitzender des Vereins, erklärte dem Gremium, wie wichtig eine Teilöffnung sei. Er berichtete von einigen Anfragen von Vereinen und Privatpersonen. Sein Verein hatte auch einen Schließdienst für die Stadthalle angeboten, um die Stadtverwaltung entsprechend zu entlasten. Kerim Abulzahab vom Amt für Wirtschaftsförderung bedankte sich zwar für das Angebot, kann dieses aber nicht annehmen. „Die Halle muss professionell betrieben werden“, so Abulzahab. Er machte dabei deutlich, dass es nur eine teilweise Öffnung geben kann, wenn es auch ein entsprechendes Betreiberkonzept gebe. Dem Gremium versicherte er, dass sein Amt mit dem Gebäude „viel beschäftigt“ sei. Die Stadthalle sei in einem „schwierigen technischen Zustand“, sagte Abulzahab. Aber in der Zwischenzeit sei die Verwaltung dem Vandalismus beigekommen. Wie berichtet, leben in der Stadthalle seit einigen Monaten sogenannte Hauswächter.

SPD: Konzept muss nicht professionell aufgezogen werden

Jens Röskens von der CDU zeigte sich enttäuscht von dem, was er hörte. „Das haben wir alles schon einmal von Lutz Leide gehört. Wir hätten nun schon seit vier Monaten ein Konzept haben können“, so Röskens. SPD-Politiker Gabriel Kunze konnte die Ausführungen ebenfalls nicht nachvollziehen. „Das betrübt mich alles sehr, gehen Sie nicht zu konsequent heran“, forderte er. Dabei spielte er vor allem auf das Konzept an. Dieses müsse nicht zu professionell aufgezogen werden, beispielsweise mit einer Schankerlaubnis. Es gehe nur darum, die Stadthalle zu öffnen und Vereinen ein Raum zu bieten, sich zu treffen. „Da können sich die Besucher auch gerne ihre eigenen Getränke mitbringen“, so Kunze. Zudem forderte er eine schnelle Lösung, denn in Zeiten, in denen sich die Corona-Lage gerade beruhigt, sei der Bedarf nach größeren Flächen vorhanden und nicht dann, wenn sich die Lage wieder verschärfen könnte, beispielsweise im Herbst.

Wolfgang Heedt von der FDP appellierte daran, dass aber auch versicherungstechnische und betriebswirtschaftliche Fragen berücksichtigt werden müssen. Deutliche Worte fand Uli Barth von der SPD, er erinnerte an den beschlossenen Antrag, die Stadthalle unverzüglich zu öffnen, was der Hauptausschuss, der statt des Rats tagte, am 6. Mai auch absegnete. Er warf der Verwaltung ein „schuldhaftes Zögern“ vor. „Ich erwarte, dass Sie die Vorgaben des Rats umsetzen“, so Barth, „ich bin mittlerweile verärgert“.

Grüne fühlen sich „hingehalten“

Nicole Unterseh von den Grünen wies das „Verwaltungs-Bashing“ zurück. Man könne der Wirtschaftsförderung keinen Vorwurf machen, denn das SGB sei es gewesen, das immer wieder betont habe, dass die baulichen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. „Wir fühlen uns hingehalten“, so Unterseh. Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn entgegnete, dass sich die Grünen ja direkt an Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) wenden könnten, um das Projekt voranzubringen. Wolfgang Truckenbrodt (Alternative für Deutschland) warnte: „Wir haben hier bald eine zweite Ruine in Bad Godesberg, die erste ist uns sehr willkommen: die Godesburg“.

Amt für Wirtschaftsförderung verspricht nun „zügig“ ein Konzept zu erstellen

Annette Boemer vom SGB stellte indes vor dem Gremium klar, dass die zwischenzeitliche Inbetriebnahme nicht abhängig von den baulichen Untersuchungen sei. Der größte Teil der Stadthalle sei nutzbar. Bezirksbürgermeister Christoph Jansen (CDU) wollte noch einmal dezidiert wissen, welche Schritte noch nötig sind und wie der Zeitplan aussehe. Die Antworten waren darauf eher ausweichend, weil kein Öffnungsdatum zum jetzigen Zeitpunkt genannt werden könne. „Wir werden mit einem Betreiberkonzept nun zügig um die Ecke kommen“, versprach Kerim Abulzahab. Wirtschaftsförderin Appelbe ergänzte: „Wir werden mit Hochdruck im Sommer am Konzept arbeiten.“