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Fun Bikes in Bonn: Betrüger nimmt Identität von Friesdorfer an

Fun Bikes in Bonn : Betrüger nimmt Identität von Friesdorfer an

Ein Unbekannter bestellt im Namen von Werner Bergener Luftballons, Räder und Restauranttische und nimmt so die Identität des Friesdorfers an. Los ging alles vor drei Wochen.

Werner Bergener hat es derzeit mit einem unsichtbaren Gegner zu tun. Letzterer nimmt am Telefon die Identität des Friesdorfers an und bestellt oder organisiert in dessen Namen Dinge. „Ich habe zwar keine schlaflosen Nächte deswegen, aber mit der letzten Aktion hat der Mann den Bogen überspannt“, sagt Bergener im GA-Gespräch.

Denn da hatte der Unbekannte per Telefon verbreitet, Bergener schließe am 11. August seinen Laden „Fun Bikes“ – samt Umtrunk. „Am Montag erreichte mich zusätzlich eine Mail der Karnevalsgesellschaft Kleffbotze, ob der Auftritt beim Fest wie besprochen stattfinde“, sagt der 61-Jährige. Gewissermaßen als Krönung stand Nachbarin Martina Klein mit sechs Gasballons inklusive Rechnung über 90 Euro vor der Tür. Ihrem Mann gehört der Handel „Happy Balloon“. „Da wir uns gut kennen, habe ich die telefonische Bestellung nicht infrage gestellt“, so Klein, wobei sie sich gewundert habe, dass er sie Liebchen genannt habe.

Bergener stellte Strafanzeige

Als sie jedoch bei der Übergabe der Ballons mit den Zahlen „2 0 2 0“ und den Initialen „F B“ für Fun Bikes in das ratlose Gesicht der Radladen-Mitarbeiter schaute, dämmerte es ihr.

Geld für die Ware hat sie nicht verlangt und wird wohl auf dem Schaden sitzen bleiben; sie will jetzt Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Das hat Bergener am Mittwochabend ebenfalls getan –  wegen Rufschädigung und Betrug.

Werner Bergener in seinem Friesdorfer Geschäft.   Foto: Martina Sondermann

Los ging alles vor drei Wochen. „Allerdings noch harmlos. Ein Kunde von mir, der Wein vertreibt, kam in den Laden und meinte, wie viel ich denn bestellen wollte, ich hätte ihn ja gerade angerufen“, führt Bergener aus.

Er kann sich nicht wirklich erklären, wer ihm warum schaden will, mit der Konkurrenz verstehe er sich gut. „Allerdings läuft auf unserer Facebook-Seite seit Corona eine Kampagne mit verkauften Rädern. Vielleicht stört das einen Gewerbetreibenden, dessen Geschäft nicht so gut läuft“, mutmaßt der Friesdorfer.

Drei Tage nach der Weinbestellung stand der erste – und nicht letzte – Ebay-Anbieter eines Rades im Hof. „Das sei das Rad, das ich im Internet habe kaufen wollen“, sagt der Händler. Kurz danach machte Bergener sich in den Ferien zur Alpenüberquerung per Rad auf. „Da erreichte mich ein Anruf von Dirk Dötsch vom Parkrestaurant Rheinaue, wann ich käme.“

Schild „Fahrradkönig von Friesdorf“ bestellt

Die Rechnung über die Ballons: 90 Euro wären zu zahlen. Foto: Werner Bergener

Der Anrufer, der stets seine Nummer unterdrückt, hatte auf und in seinem Namen einen Zehner-Tisch für ein Sommerkonzert bestellt. Inklusive Schild am Tisch für den „Fahrradkönig von Friesdorf“. Das Finanzielle spielt für Dötsch keine Rolle, das Menschliche schon. Sein Freund Bergener tut ihm leid.

Direkt nach seiner Rückkehr erfuhr der Friesdorfer über Stadtratsmitglied Alfred Giersberg von der geplanten Schließung seines Ladens. „Wir waren beide sprachlos“, fasst er die Reaktionen zusammen. Anfang der Woche meldete sich das Restaurant Waldau bei dem 61-Jährigen. „Ein Mitarbeiter wollte wissen, ob es bei den 16 Personen am Nachmittag bleibe.“ Geschäftsführerin Lydia Lohmeier war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Polizei ermittelt

Geliefert fürs angebliche Abschiedsfest von „Fun Bikes“: Sechs mit Gas gefüllte Luftballons der Friesdorfer Firma „Happy Balloon“. Foto: privat

„Ich frage mich schon, was als Nächstes kommt und habe so etwas in 29 Geschäftsjahren noch nicht erlebt“, meint der Geschäftsmann, der via Facebook auf seine Situation aufmerksam gemacht hat – um andere vor dem (noch) unbekannten Scharlatan zu warnen. Jetzt folgen Ermittlungen der Bonner Polizei, wie deren Sprecher Robert Scholten auf Anfrage sagt: „Das Kriminalkommissariat 24, das auf Betrug und elektronische Urkundenfälschung spezialisiert ist, wird sich um den Fall kümmern.“

Ein paar Mal pro Jahr habe es das Kommissariat mit Straftatbeständen aus dem Strafgesetzbuch wie Täuschung im Rechtsverkehr oder Täuschung bei Datenverarbeitung zu tun. „Unsere Erkenntnisse werden wir der  Staatsanwaltschaft Bonn vorlegen“, sagt Scholten. Deren Sprecher Sebastian Buß sagte, man werde den Fall dann „unter jedem denkbaren Gesichtspunkt prüfen“.